„Friedberger Zeit“ und noch viel mehr
myheimat bat den städtischen Kultur- und Sportabteilungsleiter Frank Büschel um einen Jahresrück- und ausblick
- Das Orgateam übt sich für „Sport im Park“
- Foto: Anja Friedemann
- hochgeladen von Joachim Meyer
myheimat: Herr Büschel, nach nur zwei Jahren Pause konnten die Friedberger heuer wieder ihr historisches Altstadtfest feiern. Kaum war das vorletzte Fest vorbei, ging es schon wieder an die Organisation. Das war sicher ein Kraftakt?
"Es war ein grandioses Spektakel mit großen Emotionen"
(über die Friedberger Zeit 2025)
Frank Büschel: Ja, klar, das war es schon. Andererseits waren wir noch im Flow und hatten die Blaupause vom letzten Mal noch vor Augen. Außerdem war auf die Friedbergerinnen und Friedberger wieder Verlass: Mitwirkende und Gäste waren bestens drauf – es war ein grandioses Spektakel mit großen Emotionen für rund 130.000 Besucher in zehn Tagen.
myheimat: Was hat Ihnen besonders gefallen, wo kann noch nachgebessert werden?
Büschel: In Erinnerung bleibt mir der erste Abend nach dem Einzug mit dem Bild von überwiegend gewandeten Menschen in der Altstadt – vermeintlich so viele wie noch nie. Diese Eindrücke sorgten für Gänsehaut-Momente. Darüber hinaus fand ich das ausgeweitete Programmangebot an den Ständen und für Kinder großartig. Ich denke da auch an die Mitmachstationen für die Kleinen bei den Handwerkern, welche für glänzende Kinderaugen sorgten. Kritik kam bei einigen wegen der Erhöhung des Festobolus auf. Unser Ziel ist es, bei der nächsten Friedberger Zeit eine Art rabattiertes Familienticket anzubieten.
myheimat: In puncto Sicherheit gab es sehr viel zu tun, das war zum Beispiel an den Eingängen nicht zu übersehen, nicht wahr?
Büschel: Ja, die Überfahrsperren waren das eine. Aber auch darüber hinaus steckten wir unglaublich viel Energie in das Sicherheitskonzept, das im Vorfeld akribisch ausgearbeitet wurde. Der Aufwand hat sich dennoch gelohnt: unsere Erfahrungen, Expertise und Unterlagen haben inzwischen Vorbildcharakter für so manch andere süddeutsche Festorganisatoren oder Sicherheitsbehörden. Wir müssen und wollen hier gut aufgestellt sein, das ist unser professioneller Anspruch.
myheimat: Folgende Weisheit und Frage dürfen an dieser Stelle natürlich nicht fehlen: Nach dem Fest ist vor dem Fest – wann gehen die Vorbereitungen für die Friedberger Zeit 2028 los?
Büschel: Die beginnen regelmäßig schon während des laufenden Festes, und zwar mit der seitenfüllenden Auflistung von Verbesserungsvorschlägen und Wünschen von Besuchern, Aktiven, Anwohnern, Behörden und freilich uns Organisatoren. Wenn du das nicht gleich abarbeitest und prüfst, bleibt zu viel auf der Strecke bis zum nächsten Fest. Wir sind deshalb tatsächlich schon dran an kleinen und größeren Weichenstellungen, Plan- und Personalgesprächen für das nächste Mal. Darüber hinaus haben wir uns beworben, mit der Friedberger Zeit auf die Liste des Bayerischen Landesverzeichnisses für immaterielles Kulturerbe aufgenommen zu werden. Diese Auszeichnung wäre ein würdiges Gütesiegel. Es wird spannend…
myheimat: Außer dem historischen Altstadtfest waren noch viel mehr Events geboten. Auf welche Highlights blicken Sie zurück?
Büschel: Natürlich auf unsere etablierten städtischen Veranstaltungen, wie den Friedberger Familienfasching mit Umzug, die Fete de la Musique, die Museumssonderausstellung und auf viele weitere tolle Events im Wittelsbacher Schloss. Ich denke auch an besondere Festanlässe, wie das Jubiläum 150 Jahre Bahnhof Friedberg. Meinen ganz herzlichen Dank für ihren leidenschaftlichen Einsatz für all diese Events richte ich an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Kernverwaltung, im Wittelsbacher Schloss, in der Jugendpflege, in der Jugendkapelle, dem Stadtarchiv und in der Senioren- und Integrationsarbeit. Ich danke auch sehr herzlich dem Bürgermeister und dem Stadtrat, die uns vertrauensvoll diese Projekte ausführen lassen und mit Finanzmitteln ausstatten.
"Ich freue mich auf acht Kunstausstellungen in
den schönen Räumen der Archivgalerie"
myheimat: Daran sieht man, dass es 2025 viel zu tun gab und sicher auch schon wieder Pläne für das nächste Jahr geschmiedet werden, oder?
Büschel: Na klar, im Juni steht zum Beispiel wieder das Gitarrenfestival „Focus Gitarre“ im Schloss an, bei dem europäische Musik-Virtuosen teilnehmen. Ich freue mich auch auf acht Kunstausstellungen in den schönen Räumen der Archivgalerie, die nach einem Jahr Pause wegen des Einbaus eines Aufzugs nun barrierearm bespielbar ist.
Lassen Sie mich bitte an dieser Stelle auch auf die zahlreichen Menschen und Gruppierungen zu sprechen kommen, die sich außerhalb des städtischen Teams kulturell und gesellschaftlich in Friedberg engagieren. Spontan fallen mir exemplarisch für heuer die Aktivitäten rund um das Spendenprojekt des Pallotti-Kunstwerks ein, die besonderen und gut frequentierten Aktivitäten in der Kunstschule, das Angebot im Club 20, Reggae in Wulf und das Engagement des Jugendclubs für die Tiefgaragenparty. Diese und viele andere Akteure zeigen Herz, Kreativität und übernehmen Verantwortung.
myheimat: War und ist denn die Stadt neben den vielen kulturellen Aktivitäten auch wieder sportlich unterwegs?
Büschel: Logisch. In Erinnerung bleibt mir der Friedberger Halbmarathon im September. So ein Sauwetter hatten wir noch nie. Es hat wie aus Kübeln geschüttet. Und dennoch ließ es sich ein Rekordteilnehmerfeld von 1.500 angemeldeten Sportlern nicht nehmen, bei ausgelassener Stimmung an den Start zu gehen. Der Run auf die Starterplätze ist ungebrochen, das freut und motiviert uns natürlich sehr. Das gilt auch für unser jüngstes Format Sport im Park. So gilt es auch im nächsten Jahr im Mai für Hobbysportler, sich im Stadtgarten mit Gleichgesinnten zu betätigen.
"Mich beeindruckte nachhaltig die Ausstellung
der Künstlerin Monika Mendat in Berlin"
myheimat: Noch ein letzter Rückblick auf Ihr persönliches Jahr 2025: An welche Veranstaltungen und Begegnungen in Friedberg oder anderswo erinnern Sie sich neben der „Friedberger Zeit“ gerne zurück?
Büschel: Mich beeindruckte nachhaltig die Ausstellung der Friedberger Künstlerin Monika Mendat im Paul-Löbe-Haus in Berlin „Erinnerung an die Befreiung - Mahnung an die Demokratie“ anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz im Januar dieses Jahres.
myheimat: Zum Ende machen wir noch einen Ausblick auf 2026: Auf welche Veranstaltung oder Begegnung freuen Sie sich besonders?
Büschel: Wir sind gerade in den Urlaubsplanungen für den Sommer. Nächstes Jahr steht Friedbergs Partnerstadt Bressuire in Frankreich auf der Wunschliste. Dort war ich bisher noch nicht. Im geplanten Zeitraum beginnt auch die Fußball-Weltmeisterschaft, aber bekanntlich sind die Franzosen ja auch fußballbegeistert, so dass ich bestimmt eine Public-Viewing-Gelegenheit finde, um die deutsche Nationalmannschaft gewinnen zu sehen.
myheimat: Na, Sie sind ja mal Optimist! Vielen Dank für das Gespräch, Herr Büschel.
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
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