Sachsen-Anhalt AfD CDU SPD Grüne
Campact kämpft kompakt für SPD + Grüne
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In Sachsen-Anhalt wird am 6. September gewählt. Die AfD liegt, je nach demoskopischem Wetterdienst, bei 41, 42 oder 43 Prozent. SPD und Grüne bewegen sich derweil in der Nähe der Fünf-Prozent-Hürde, jener politischen Hochsprunganlage, bei der nicht gewinnt, wer besonders hoch springt, sondern schon froh sein darf, wenn er nicht mit dem Kinn an der Latte hängen bleibt.
Campact will nun helfen. Mit 620.000 Euro kämpft die Kampagnenorganisation kompakt dafür, dass SPD und Grüne den Sprung schaffen. Das Geld geht nicht an die Parteien. Es wird in Plakate, Anzeigen und Postwurfsendungen investiert. Finanziert wird die Aktion, so Campact, von mehr als 75.000 Menschen. Das ist keine Parteispende. Das ist politische Wiederbelebung auf eigene Rechnung.
SPD und Grüne liegen auf der demoskopischen Intensivstation.
Campact steht mit dem Defibrillator daneben und ruft:
„Zurücktreten! Wir geben noch einmal fünf Prozent!
Wenn sie der CDU helfen wollen, wählen Sie deshalb SPD und Grüne"
Denn sollten beide Parteien aus dem Landtag fliegen, wären ihre Stimmen zwar nicht weg. Aber die CDU verlöre die wichtigsten Koalitionspartner gegen die AfD!
Stimmen verschwinden in einer Demokratie zwar nicht. Sie werden nur parlamentarisch unsichtbar. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Ähnlich wie bei einem Portemonnaie, das nicht gestohlen wurde, sondern lediglich den Besitzer gewechselt hat.
Die Fünf-Prozent-Hürde soll verhindern, dass das Parlament zersplittert. Zu diesem Zweck zersplittert sie zunächst einen Teil der abgegebenen Stimmen. Wer an ihr scheitert, nimmt seine Wähler gewissermaßen mit in den politischen Keller. Dort dürfen sie noch ein wenig nutzlos Demokratie spielen, wie die FDP, während aber oben die Sitze verteilt werden.
Und plötzlich können über vierzig Prozent der AfD für mehr als fünfzig Prozent der Mandate reichen. Die Mathematik ist dabei völlig unschuldig. Sie hat noch nie AfD gewählt. Sie zählt nur.
Campact empfiehlt deshalb die strategische Wahl. Man soll nicht unbedingt die Partei wählen, die man am besten findet, zum Beispiel die CDU, sondern jene, deren Überleben verhindert, dass eine andere Partei, die AfD, allein regieren kann.
Trotzdem bleibt es bemerkenswert: Die Wahlkabine, einst die stille Kapelle der politischen Überzeugung, wird zum Rechenzentrum. Der Wähler tritt hinein mit Hoffnung, Haltung und Taschenrechner. Sein Herz sagt CDU. Seine Rechenkunst sagt nee, SPD. Campact sagt Grüne. Und der Taschenrechner zeigt „Error“.
Auf dem Wahlzettel müsste deshalb künftig ein Beipackzettel liegen:
Zu Risiken und Nebenwirkungen Ihrer Wunschpartei
fragen Sie bitte Ihr Meinungsforschungsinstitut
oder Ihre Campact-Kampagnenorganisation.
Für ältere Wähler könnte man eine Leselupe dazulegen.
Für jüngere einen QR-Code.
Und für alle zusammen ein Glas Wasser.
Dabei ist Campact nicht der Erfinder dieser Lage. Wer die Feuerwehr ruft, hat das Feuer nicht gelegt. Die Kampagne zeigt nur, wie weit es gekommen ist: Bürger sollen nicht mehr entscheiden, wem sie vertrauen. Sie sollen berechnen, wer unbedingt gerettet werden muss.
Aus der Wahl wird politische Triage.
„Sie sind eigentlich Anhänger einer kleinen Partei wie BSW oder LINKE? Sehr bedauerlich. Aber SPD und Grüne sollten im Augenblick die besseren Überlebenschancen zusammen mit einer CDU haben. Bitte bleiben Sie ruhig und geben Sie Ihre Zweitstimme gut kalkuliert.“
Vielleicht entdecken SPD und Grüne dabei eine neue Zielgruppe: Menschen, die sie wählen, ohne sie gewählt haben zu wollen. Das könnte auch die Wahlplakate verändern.
Die SPD wirbt dann nicht mehr mit „Mehr Gerechtigkeit“, sondern mit:
Bitte fünf Prozent. Es ist dringend.
Die Grünen verzichten auf die Rettung des Weltklimas und beginnen etwas kleiner:
Rettet uns.
Und Campact hängt daneben:
Diese Wahlempfehlung ist frei von Begeisterung,
aber reich an Sitzverteilungskonsequenzen.
Bürgerreporter:in:Didi van Frits aus Hattingen |
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