Merzsches Stadtbild ausschlaggebend?
Wahlentscheidung für AfD: Migration ist wichtiger als Bildung, Einkommen oder berufliche Situation
Eine Studie der Soziologen Martin Schröder, Moritz Rehm und Anja Röcke von der Universität des Saarlandes kommt zu einem deutlichen Ergebnis: Die Einstellung zur Migration hängt wesentlich stärker mit der Unterstützung der AfD zusammen als Einkommen, Bildung oder berufliche Situation. Veröffentlicht wurde die Untersuchung am 21. Juli 2026 in „PLOS ONE“.
Die Forscher werteten elf Erhebungswellen des Deutschen Sozio-oekonomischen Panels von 2014 bis 2024 aus. Insgesamt gingen 110.194 Beobachtungen von 31.985 Personen in die Analyse ein. Nach ihren Berechnungen lassen sich rund 75 Prozent der erklärbaren AfD-Sympathie mit der Sorge über Migration verbinden. Beim tatsächlichen Wahlverhalten liegt dieser Anteil sogar bei etwa 90 Prozent.
Die Modellrechnung verdeutlicht den Unterschied: Für einen wirtschaftlich stark benachteiligten Menschen, der Migration gelassen gegenübersteht, errechnet die Studie eine AfD-Unterstützungswahrscheinlichkeit von 3,7 Prozent. Bei einer gut verdienenden und höhergebildeten Person, die zugleich große Sorgen wegen Migration hat, sind es acht Prozent. Eine zusätzliche Zunahme der Migrationssorge um eine Standardabweichung erhöht die berechnete Wahrscheinlichkeit um 20 Prozentpunkte.
Der Befund ist zudem nicht neu. Bereits 2014 war die Haltung zur Migration laut Studie der wichtigste Faktor für AfD-Sympathien und wirkte mehr als dreimal so stark wie einzelne Merkmale sozialer Benachteiligung. Ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen höherer Bildung und geringerer AfD-Neigung zeigt sich erst ab 2021. Auch die Angst vor persönlichem sozialem Abstieg erklärt die Unterstützung der Partei nur begrenzt.
Damit gerät die verbreitete Vorstellung unter Druck, vor allem wirtschaftlich abgehängte Menschen würden aus sozialer Unzufriedenheit AfD wählen. Für SPD, Grüne und Linke ist das relevant, weil sie bei der Rückgewinnung von AfD-Wählern stark auf sozialpolitische Maßnahmen setzen.
Auch in Ostdeutschland, darunter Sachsen-Anhalt, sehen die Forscher die Migrationsfrage als entscheidenden Faktor. Dort ist die AfD besonders stark. Für die Landtagswahl am 6. September 2026 werden ihr in den genannten Umfragen mehr als 40 Prozent zugeschrieben; damit erscheint sogar eine absolute Mehrheit möglich. Bundesweit liegt sie demnach inzwischen vor der Union und ist im Bundestag zweitstärkste Kraft.
Der frühere CDU-Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Rainer Haseloff, führt daneben einen weiteren möglichen Faktor an: Eine von ihm als herablassend empfundene Darstellung Ostdeutscher in den Medien könne der AfD zusätzlichen Zulauf verschaffen.
https://www.merkur.de/politik/erklaerung-afd-steigt-in-umfragen-sachsen-anhalt-wahlstudie-erschuettert-gaengige-zr-94447054.html
Bürgerreporter:in:H.-H. B. aus Essen |
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