Niedrigwasser lässt Arzneimittelreste ansteigen
Blutdrucksenker in der Ruhr - das macht nachdenklich

Die Ruhr gehört für viele von uns einfach zum Bild der Region - für mich sowieso, ich fotografiere die Ruhr, insbesondere im Bochumer Süden, besonders gern.

Umso mehr macht eine aktuelle Meldung des Landesumweltamtes nachdenklich. In der Ruhr bei Mülheim wurde eine erhöhte Konzentration des Blutdrucksenkers Candesartan festgestellt. Blutdrucksenker - du lieber Himmel, was sich da wohl noch so alles hinzugesellt. Man könnte fast meinen, wir versenken die Dinger inzwischen gleich im Fluss.

Candesartan ist ein weit verbreitetes Medikament gegen Bluthochdruck. Wie ich gelesen habe, gelangt der Wirkstoff vor allem über unser Abwasser in die Kläranlagen. Dort kann er allerdings nicht vollständig herausgefiltert werden.
Das Problem wird bei Niedrigwasser offenbar noch größer. Wenn in einem Fluss weniger Wasser fließt, sind die Stoffe, die hineingelangen, natürlich weniger verdünnt. Und genau das ist momentan bei der Ruhr der Fall.

Besonders nachdenklich finde ich, dass Candesartan offenbar nicht nur irgendein harmloser Rückstand ist. Laut Landesumweltamt kann der Stoff für Fische und andere Wasserlebewesen problematisch sein. Auch Wasserflöhe und andere kleine Lebewesen im Wasser können darunter leiden. Sogar das Algenwachstum kann beeinflusst werden.
Da fragt man sich natürlich schon: Was landet eigentlich alles in unseren Flüssen?

Was mich dabei allerdings ein wenig beruhigt - es geht hier nicht darum, dass wir jetzt unser Leitungswasser nicht mehr trinken können. Die Warnung richtet sich wohl vor allem an die Trinkwasserversorger, die das Wasser entsprechend im Blick haben. Also erst einmal kein Grund, zu Hause die Wasserflaschen zu bunkern.

Trotzdem - bei mir bleibt da schon ein mulmiges Gefühl zurück. Gerade weil ich die Ruhr so gern fotografiere, sehe ich den Fluss natürlich mit etwas anderen Augen. Im Bochumer Süden gibt es viele schöne Stellen an der Ruhr, an denen man spazieren gehen, Rad fahren oder einfach eine Weile am Wasser sitzen kann. Man sieht einen schönen Fluss und denkt dabei wohl kaum daran, was sich unsichtbar darin befindet.
Jetzt kommt noch die Trockenheit dazu. Weniger Wasser, höhere Temperaturen und darin gelöste Medikamentenreste - keine besonders gute Kombination für einen Fluss und seine Bewohner.
Auch im Rhein wurden übrigens erhöhte Werte von Candesartan festgestellt. Dort lagen die gemessenen Konzentrationen allerdings unter denen der Ruhr.

Vielleicht sollten solche Meldungen einfach ein kleiner Denkanstoß für uns alle sein. Medikamente gehören nun einmal in den menschlichen Körper und sollen dort helfen. Aber was danach passiert und wie diese Stoffe letztendlich in unsere Umwelt gelangen, darüber denkt man im Alltag wahrscheinlich viel zu selten ..  oder eigentlich gar nicht nach.

Bürgerreporter:in:

Hildegard Grygierek aus Essen

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