Ostdeutschland AfD
Ostdeutschland – die Umkleidekabine der Geschichte
- Foto: Didi van Frits mit ChatGPT Work 5.6
- hochgeladen von Didi van Frits
Manchmal stelle ich mir Ostdeutschland als eine riesige politische Umkleidekabine vor.
An der Garderobe hängen noch die alten Uniformen: ganz hinten das Braunhemd, daneben das Blauhemd, etwas ausgeblichen, aber ordentlich gebügelt. Weiter vorn warten bereits das Wutbürger-Jäckchen, der Reichsbürger-Lodenmantel und die blaue Protestweste mit eingebautem Lautsprecher.
Der deutsche Untertan tritt hinter den Vorhang.
„Was darf es diesmal sein?“, fragt die Garderobiere der Geschichte.
„Etwas gegen die da oben!“
„Sehr gern. Soll es zugleich etwas für einen starken Mann sein?“
„Unbedingt!“
So wird aus dem Aufstand gegen die Obrigkeit zuweilen nur die Suche nach einer neuen Obrigkeit. Man ruft „Wir sind das Volk!“ – und meint bald darauf: Die anderen gehören nicht dazu. Die friedliche Revolution von 1989 war ein bewundernswerter Schritt in die Mündigkeit. Aber manche ihrer späteren Kostümverleiher machten daraus eine Marke für Leute, die Freiheit vor allem daran erkennen, dass endlich wieder jemand durchgreift.
Der Wille zur Loyalität übertüncht dabei jede Vernunft. Früher hing das Bild des Führers an der Wand, später das des Genossen Staatsratsvorsitzenden. Heute genügt ein Mann auf dem Smartphone, der täglich erklärt, wer an allem schuld ist. Die Technik hat sich verbessert. Die Unterwerfung kommt inzwischen kabellos.
Pegida marschierte angeblich gegen die Bevormundung und gehorchte dabei jedem Mikrofon, das laut genug „Lügenpresse!“ rief. Die AfD verspricht Befreiung durch Unterordnung, Eigensinn durch Gleichschritt und nationale Souveränität unter kräftiger Bewunderung für den Kreml. Das ist ungefähr so, als wolle man sich vom Hundezüchter emanzipieren, indem man freiwillig ins Halsband schlüpft.
Arthur Schopenhauer schrieb: „Vulgarität besteht im Grunde darin, dass im Bewusstsein das Wollen das Erkennen gänzlich überwiegt.“
Heute würde man vielleicht kürzer sagen: erst grölen, dann googeln – wenn überhaupt.
Natürlich ist diese politische Umkleidekabine keine ostdeutsche Spezialanfertigung. Auch im Westen stehen längst Filialen. Doch im Osten Deutschlands, wo binnen eines Jahrhunderts mehrere Systeme ihre Fahnen hissten und wieder einrollten, lässt sich besonders gut beobachten, wie geschmeidig sich Gehorsam als Widerstand verkleiden kann.
Am Ausgang hängt deshalb ein Schild:
Bitte prüfen Sie vor Verlassen der Geschichte, ob Sie versehentlich wieder eine Uniform tragen.
Bürgerreporter:in:Didi van Frits aus Hattingen |
|
| Webseite von Didi van Frits | |
| Didi van Frits auf Facebook | |
| Didi van Frits auf YouTube | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.