FIFA Finale Sängerinnen + Sänger
Fußballspielen zwischen den Konzerten

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Ich mache auch gerne Musik. Leider hat mich die FIFA nicht eingeladen, beim Finale zu spielen. Aber andere Künstler. Wer hat da am meisten gefallen?

Früher fand bei einem Fußballspiel gelegentlich Musik statt. Eine Blaskapelle marschierte vor dem Anpfiff über den Rasen, spielte ein paar Takte, und wenn sie nicht schnell genug verschwand, wurde sie vom Mittelstürmer umgedribbelt.

Beim WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien war es umgekehrt: Zwischen zwei Musikveranstaltungen fand überraschend noch ein Fußballspiel statt.

Neunzig Minuten vor dem Anpfiff begann die sogenannte Schlusszeremonie. Das ist bereits sprachlich bemerkenswert. Noch bevor der Ball rollte, wurde feierlich Schluss gemacht. Die FIFA kennt eben den Ausgang ihrer Veranstaltungen: Am Anfang steht das Ende, dazwischen liegen Werbung, Weltstars und Eintrittspreise, und irgendwo kullert ein Ball hindurch.

Post Malone eröffnete die musikalische Völkerwanderung, Swae Lee brachte eine Sonnenblume mit, Robbie Williams, Laura Pausini und Nicole Scherzinger sangen „Desire“, die offizielle FIFA-Hymne. „Desire“ heißt Verlangen. Was die FIFA verlangt, ist bekannt: Aufmerksamkeit, Unterwerfung und möglichst eine Kreditkarte ohne Tageslimit.

Jennifer Hudson sang bombastisch die US-Nationalhymne, María Becerra die argentinische. Spanien durfte vermutlich deshalb mitspielen, weil zwei Mannschaften für ein Finale praktischer sind als eine.
Dann erschien IShowSpeed. Schon der Name klingt wie eine FIFA-Anweisung an die Platzarbeiter: schneller, schneller, Madonna wartet! (Nicht mehr Maradona)

Schließlich trat Tom Cruise auf und sprach über die verbindende Kraft des Fußballs. Niemand kann die verbindende Kraft glaubwürdiger erklären als ein Hollywoodstar, der seine Filme gewöhnlich damit beginnt, dass er von einem Wolkenkratzer springt, sich an ein Flugzeug hängt oder mit einem Motorrad über eine Schlucht fliegt. Vermutlich stand hinter dem Stadion bereits ein Hubschrauber bereit, falls die Rede länger dauerte als geplant.

Danach wurde tatsächlich Fußball gespielt.
Spanien gegen Argentinien.
Zwei Mannschaften, zwei Tore, ein Ball – eine fast erschütternd schlichte Angelegenheit. Keine Tänzer, keine Hebebühne, kein Feuerwerk. Nur Männer, die liefen, passten, schwitzten und gelegentlich so taten, als seien sie von einem unsichtbaren Lastwagen erfasst worden.

Nach 45 Minuten hatte die FIFA genug von dieser kulturellen Leere.

Madonna marschierte auf den Rasen und sang „Music“. Neben ihr standen Ronaldo und Ronaldinho. Zwei brasilianische Weltmeister begleiteten eine amerikanische Popkönigin bei einem Spiel zwischen Spanien und Argentinien. Das nennt man bei der FIFA geografische Präzision.

BTS zündete „Dynamite“, Justin Bieber setzte sich mit einer Gitarre hin (das fand ich gut, in seiner Schlichtheit), Shakira und Burna Boy lieferten den offiziellen WM-Song, Gustavo Dudamel dirigierte das Spektakel, und Chris Martin versammelte Coldplay und einen New Yorker Grundschulchor zur großen Hymne „We Dance“ (das fand ich eigentlich gut, dass Kinder nicht übersehen wurden bei diesem Show-Spektakel).

Lionel Messi saß vermutlich in der Kabine und fragte sich, ob er im WM-Finale oder versehentlich bei den Grammy Awards eingewechselt worden war. Spaniens Spieler mussten ihre Muskeln warm halten, während draußen die Weltgemeinschaft unter Feuerwerk ihre Zusammengehörigkeit feierte. So verbindet der moderne Fußball die Menschen: Die einen tanzen, die anderen bezahlen, und Gianni Infantino sitzt irgendwo dazwischen und prüft, ob noch eine Werbefläche frei geblieben ist.

Nach dem letzten Lied durften die Spieler wieder auf den Rasen. Die FIFA hatte ihnen freundlicherweise gestattet, das Musikfestival durch eine zweite Halbzeit und eine Verlängerung abzurunden.
Spanien gewann schließlich mit 1:0.
Es war der einzige Moment des Abends, der nicht choreografiert wirkte.

Vielleicht liegt gerade darin die verbliebene Schönheit des Fußballs: Man kann Madonna buchen, Tom Cruise einfliegen, Dynamit besingen und einen Weltstar nach dem anderen auf den Rasen stellen. Man kann die Halbzeit verlängern, die Erde beleuchten und die Menschheit zum gemeinsamen Tanzen auffordern.

Aber irgendwann kommt ein Spieler namens Ferran Torres, schießt ein Tor – und ruiniert mit einem einzigen Ballkontakt die ganze sorgfältig geplante Weltherrschaft des Showprogramms.

Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

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