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Hat man eine Chance mit Humor ohne Selbstironie?

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Humor braucht Selbstironie: „Wer viel denkt, eignet sich nicht zum Parteimann: er denkt sich zu bald durch die Partei hindurch“, schrieb Friedrich Nietzsche in Menschliches, Allzumenschliches. Ein erfreulich kurzer Gedanke mit eingebautem Notausgang, (Nietzsche, Aphorismus 579). Mir gefällt der Satz sofort. Er bestätigt auf angenehm gelehrte Weise meinen Verdacht, dass die anderen zu wenig nachdenken. Nietzsche hätte vermutlich schon an dieser Stelle misstrauisch nach meinem Parteibuch gefragt: "Didi, bist du im DGB, oder ergreifst du etwa Partei für DIE LINKE?"

Der Polit-Influencer Daniel Rensing legt im Interview mit der taz nach: „Außerdem braucht Humor Selbstironie. Das wiederum setzt die Bereitschaft voraus, anzuerkennen, dass man selbst im Unrecht ist.“ Rensing erreicht laut dem Interview mehr als 230.000 Menschen auf TikTok; sein Buch "Make Nazis afraid again" hat es auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft, Untertitel: "Wie man Rechte im Internet mit Humor und Fakten fertigmacht und nebenbei die Demokratie verteidigt". Offenbar lässt sich mit dem Kampf gegen rechte Selbstgewissheit sogar die eigene Miete bezahlen. (taz-Interview vom 9. September 2026).

Selbstironie. Ein schwieriges Fach. Besonders für Menschen, die sich bereits für die Lösung halten. Wer sich zur Stimme des Volkes ernannt hat, empfindet schon ein Räuspern aus der zweiten Reihe als Volksverrat. Ein Irrtum würde das ganze Geschäftsmodell gefährden. Da müssen andere schuld sein: die Presse, die Altparteien, die Ausländer, das Wetter über Berlin. Nur der eigene Kopf bleibt von jeder Untersuchung verschont. Dort herrscht Bestandsschutz.

Natürlich können auch Rechte lachen. Sehr laut sogar. Entscheidend ist, wer anschließend die blauen Flecken hat. Wird ein Schwächerer vorgeführt, grölt die Runde. Hält jemand dem Anführer einen Spiegel hin, beginnt die nationale Empfindlichkeit. Eben noch sollte man sich gefälligst nicht so anstellen. Jetzt ist plötzlich die Würde des Vaterlandes verletzt. Erstaunlich, wie viele Vaterländer in eine einzige beleidigte Leberwurst passen.

Nun möchte man der völkischen Partei mit einer guten Pointe den Teppich unter den Stiefeln wegziehen. Leider trägt sie neuerdings gern Turnschuhe und kommt auf dem Simson-Moped vorgefahren. Solche Ausfahrten gehörten tatsächlich zum triumphalen AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Der Rückwärtsgang bekommt zwei Räder und sieht nach Jugend aus. 

Dazu die Bratwurst. Sie duftet, sie wärmt, sie verlangt keine Zustimmung zu einem Nebensatz. Im Umfeld von Grill und Familienfest lässt sich eine politische Absicht wunderbar in Geselligkeit einwickeln. Der Senf verdeckt zwar kein Parteiprogramm. Aber er lenkt vorzüglich davon ab, es zu lesen.

Ich dagegen schreibe einen längeren Text. Mit Zusammenhängen. Mit historischen Bezügen. Mit einem Nietzsche-Zitat gleich am Anfang, damit jeder sofort merkt, dass der Spaß hier eine gewisse Vorbildung verlangt. Gegen den Duft einer Bratwurst schicke ich einen Relativsatz ins Rennen. Und dann wundere ich mich, dass jemand lieber zum Grill geht.

An dieser Stelle müsste die Selbstironie beginnen. Vielleicht ist nicht jeder, der meine Glosse ungelesen lässt, bereits geistig verloren. Vielleicht habe ich ihn gelangweilt. Ein entsetzlicher Verdacht. Ich wollte doch gerade die Demokratie retten und muss nun auch noch an meiner Langatmigkeit arbeiten. Goethe schrieb einmal: "Entschuldigung für meinen langen Brief. Ich hatte keine Zeit, einen kurzen auszuarbeiten!"

Ausgerechnet Rensings Arbeit auf TikTok stört zudem die bequeme Vorstellung, Aufklärung müsse grundsätzlich länger dauern als Propaganda. Auch ein kurzes Video kann einen Widerspruch sichtbar machen. Drei Sätze können einen aufgeblasenen Weltretter auf seine tatsächliche Größe zurückführen. Dafür braucht es einen genauen Blick. Die Länge allein hilft wenig. Sonst wäre die Steuererklärung längst unser beliebtestes Volksbuch.

Allerdings sollte der Spott die treffen, die aus Enttäuschung und Angst ihre Macht bauen. Wer sämtliche Bratwurstesser für unzureichend belesen erklärt, räumt der AfD freundlicherweise schon einmal die Biertische frei. Man darf Menschen durchaus zutrauen, über einen politischen Hochstapler zu lachen, dem sie gestern noch zugewinkt haben. Dazu sollten sie ihr Gesicht behalten dürfen.

Und ich meines gelegentlich verlieren.

Denn eine Pointe kann die Aufgeblasenheit eines Demagogen zum Platzen bringen. Dazu muss der Verfasser nicht selbst wie ein Oberstudienrat vor dem Weltgericht stehen. Ein bisschen Luft darf auch aus dem eigenen Brustkorb entweichen. Vielleicht hört man dann sogar wieder, was der andere sagt.

Ich denke deshalb über ein schwarzes T-Shirt nach. Vorn vier schlichte Wörter:

I C H   K Ö N N T E
M I C H   I R R E N.

Hinten, vorsichtshalber etwas größer:

ABER FANGT IHR
SCHON MAL AN!

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Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

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