Lokalkompass
Der letzte Beitrag im Lokalkompass
- hochgeladen von Thomas Ruszkowski
Als der Lokalkompass eines Morgens aufwachte, merkte er, dass etwas anders war. Die Straßen seiner kleinen digitalen Städte waren stiller geworden. Die Hobbyreporter, die früher mit Kamera und Herzblut durch die Viertel zogen, hatten ihre Notizblöcke eingesteckt und waren weitergezogen, zu neuen Plattformen, neuen Bühnen, neuen Algorithmen.
Der Lokalkompass seufzte leise. Er erinnerte sich an die Zeiten, in denen jedes Vereinsfest, jeder Kaninchenzüchtertag und jede spontane Bürgerinitiative bei ihm ein Zuhause fand. Er war der Ort gewesen, an dem Nachbarschaften lebendig wurden, wo Menschen sich fanden, stritten, lachten und manchmal sogar verliebten.
Doch nun standen seine Seiten wie verlassene Schaufenster in einer Innenstadt, die zu viele Online-Shops gesehen hatte.
Eines Abends erschien ein letzter Beitrag. Kein Foto, kein langer Text, nur ein Satz:
"DANKE FÜR ALL DIE GESCHICHTEN, DIE IHR MIR ANVERTRAUT HAT!"
Der Lokalkompass lächelte. Wenn eine Plattform gehen muss, dann wenigstens mit Würde. Und mit dem Wissen, dass jede Geschichte, die einmal erzählt wurde, irgendwo weiterlebt, selbst wenn die Seite, auf der sie stand, langsam verblasst.
Bürgerreporter:in:Thomas Ruszkowski aus Essen |
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