Steuergeld kennt keine Grenzen
Wie der Steuerzahler zum Dauersponsor wird
- Der 'Dukatenscheißer' in der ehemaligen Sparkassen-Ausstellung im Haus Kemnade (Bochum)
- hochgeladen von Hildegard Grygierek
Mir wurde - im wahrsten Sinne des Wortes - deutlich vor Augen geführt, wohin unsere Steuergelder fließen. Und je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich mich gefragt, warum es hierzulande an so vielen Stellen fehlt, während diejenigen, die all das finanzieren, immer häufiger zum Sparen, Verzichten und längeren Arbeiten aufgefordert werden.
Wir alle kennen die Appelle: Bitte sparen – bitte verzichten – bitte länger arbeiten. Die Kassen seien schließlich leer.
Und natürlich tun wir das gern. Schließlich wissen wir, dass jeder Cent zweimal umgedreht werden muss - zumindest dann, wenn es um marode Straßen, Baumpflege, öffentliche Raumpflege, überlastete Schulen, fehlende Kitaplätze oder die Rente geht.
Zum Glück gibt es aber Bereiche, in denen Geld offenbar deutlich entspannter sitzt. Milliarden für Entwicklungshilfe, Millionen für fragwürdige Prestigeprojekte, kostspielige Beraterverträge und immer neue Fördertöpfe - irgendwo auf der Welt findet sich offenbar stets ein dringend benötigtes Projekt.
Der deutsche Steuerzahler beweist dabei seit Jahrzehnten bewundernswerte Ausdauer. Während er höhere Abgaben, steigende Sozialbeiträge und immer neue Belastungen schultern darf, wird ihm gleichzeitig erklärt, dass für viele Probleme im eigenen Land leider gerade kein Geld vorhanden sei.
Aber vielleicht verstehen wir das einfach nur falsch. Vielleicht sind kaputte Brücken nur ein Zeichen gelebter Nachhaltigkeit. Vielleicht sollen überfüllte Klassenräume den Gemeinschaftssinn stärken. Und vielleicht ist es auch nur fair, dass diejenigen, die jeden Monat zuverlässig zahlen, anschließend erklärt bekommen, sie müssten eben noch etwas mehr sparen - und am besten gleich auch noch etwas länger arbeiten. Schließlich ist Solidarität wichtig. Und wer wäre besser geeignet, sie zu finanzieren, als diejenigen, die ohnehin schon dazu verpflichtet sind?
Und bevor jetzt der Einwand kommt, das sei alles nichts Neues - "genau das ist ja der Punkt." Es ist nicht neu - es ist nur längst so alltäglich geworden, dass man kaum noch darüber stolpert.
Also keine Sorge ... wenn demnächst wieder erklärt wird, dass der Gürtel enger geschnallt werden muss, nebenbei bemerkt zählen die Grüngürtel dazu, sollten wir das positiv sehen. Denn irgendwo wird sich bestimmt jemand darüber freuen.
Und vielleicht passt es ganz gut, dass mir das Bild des „Dukatenscheißers“ im einstigen Sparkassen-Museum Haus Kemnade vor Augen stand - ein Ausstellungsstück, das nach dem Hochwasser dort nicht mehr öffentlich zugänglich ist. Manchmal sagt ein Kunstwerk mehr über Geldflüsse aus als jede Statistik.
Bürgerreporter:in:Hildegard Grygierek aus Essen |
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