Flut im Ahrtal
5 Jahre danach
- Erinnern - Gedenken - Nicht vergessen
- hochgeladen von Hildegard Grygierek
Es gibt Tage, die vergisst man nie.
Nicht, weil man sich bewusst daran erinnern möchte. Sondern weil sie sich tief in die eigene Erinnerung eingebrannt haben und bestimmte Bilder und Gefühle einfach bleiben.
Heute vor fünf Jahren veränderte die Flut das Ahrtal für immer. Innerhalb weniger Stunden wurde aus einer normalen Nacht eine Katastrophe, die niemand so hätte kommen sehen. Häuser wurden zerstört, Straßen verschwanden, vertraute Orte waren plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen.
Bis heute fällt es mir schwer zu begreifen, welche Kraft Wasser entwickeln kann. Man kennt Regen und man kennt Hochwasser aus den Nachrichten. Aber die Vorstellung, dass Wasser ganze Häuser mitreißen und Menschenleben auslöschen kann, übersteigt immer noch meine Vorstellungskraft.
Besonders bewegt mich bis heute das Schicksal der jungen Frau, die mit nur 22 Jahren in ihrem eigenen Zuhause ihr Leben verlor. 22 Jahre - ein Alter, in dem das Leben eigentlich erst beginnt. Sie hatte Träume, Wünsche und Menschen, die sie liebten. Wie viele andere wurde sie Opfer einer Nacht, die niemand jemals vergessen wird.
Doch sie war nicht allein. So viele Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben. Familien verloren Eltern, Kinder, Geschwister oder Freunde. Andere verloren ihr Zuhause, ihre Erinnerungen und ganz furchtbar - ihre Sicherheit. Dinge kann man irgendwann ersetzen. Einen Menschen, den man liebt?
Für viele ist die Flut inzwischen ein Ereignis aus der Vergangenheit. Für die Menschen im Ahrtal ist sie bis heute ein Teil ihres Lebens. Manche kämpfen noch immer mit den Folgen, manche konnten noch nicht wieder in ihr Zuhause zurückkehren. Und viele tragen Erinnerungen in sich, die sie wahrscheinlich ein Leben lang begleiten werden.
Was mir neben all der Trauer aber besonders geblieben ist, ist der unglaubliche Zusammenhalt. Menschen aus ganz Deutschland kamen, um zu helfen. Sie räumten Schlamm weg, schleppten Steine, spendeten Kleidung, Lebensmittel und vor allem ihre Zeit. Menschen, die sich vorher nie begegnet waren, standen plötzlich füreinander ein. Inmitten dieser unvorstellbaren Zerstörung entstand etwas, das Hoffnung gegeben hat - Menschlichkeit.
Vielleicht ist genau das etwas, das wir neben den Bildern der Katastrophe niemals vergessen sollten. Nicht nur die Häuser, die zerstört wurden .. die Verluste, die Menschen ertragen mussten - sondern auch die vielen Hände, die geholfen haben. Die Menschen, die geblieben sind - und die Gemeinschaft, die gezeigt hat, dass niemand in der Not allein sein muss.
Ich habe einmal gelesen - erinnern bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu leben. Es bedeutet, den Menschen einen Platz im Herzen zu bewahren, die nicht mehr da sind. Es bedeutet, an diejenigen zu denken, die jeden Tag mit ihrem Verlust weiterleben müssen. Und es bedeutet, dankbar zu sein für das, was für viele von uns selbstverständlich erscheint.
Manche Ereignisse werden nie zu einem gewöhnlichen Jahrestag - sie bleiben - still. Und sie erinnern uns daran, wie zerbrechlich das Leben ist - aber auch daran, wie viel Mitgefühl und Zusammenhalt Menschen füreinander zeigen können.
Bürgerreporter:in:Hildegard Grygierek aus Essen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.