Sommerpause am Südstrand von Wilhelmshaven
Wenn Berlin Urlaub macht - die Politik entdeckt die Nordsee

Südstrand / Wilhelmshaven
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Stellen wir uns einmal vor, die gesamte Berliner Politik hätte beschlossen, die Sommerpause gemeinsam zu verbringen. Nicht auf Mallorca oder in den Alpen, hüstl, sondern ganz bescheiden an einem einzigen langen Sandstrand - am wunderschönen Südstrand von Wilhelmshaven. Genug Platz gibt es dort schließlich. Zumindest solange niemand einen Untersuchungsausschuss wegen zu vieler Strandkörbe oder der besten Aussicht auf den Jadebusen fordert.

Schon bei der Ankunft beginnt das große Planen. Nachdem er Einzug in umliegende Pensionen und Ferienwohnungen stattgefunden hat, möchten die einen gemütlich im Strandkorb sitzen, andere wollen eine Wattwanderung machen, wieder andere freuen sich auf einen Tagesausflug nach Neuharlingersiel oder zu den Inseln. Nur Friedrich Merz hat sofort ein ganz bestimmtes Ziel - vor Augen: Helgoland.
„Da muss ich hin“, sagt er entschlossen. „Warum denn ausgerechnet Helgoland?“, fragen die anderen. „Weil man dort den besten Überblick hat“, antwortet er. "Außerdem habe ich ein Meeting mit der "Langen Anna". Bei dem vielen politischen Gegenwind kann man von einem Felsen schließlich noch etwas lernen. Und so lernwillig wie ich bin, nehme ich mir von ihr gerne was an". 

Währenddessen hat Markus Söder den Südstrand bereits erobert. Er wechselt seine Urlaubskleidung schneller als andere ihre Badehose. Erst trägt er ein Hemd mit Ankern, dann eines mit Möwen und später sogar eines mit Leuchtturm. Natürlich darf auch das passende Foto nicht fehlen. Einmal mit Fischbrötchen, einmal mit Strandkorb und zur Sicherheit noch eines mit einer neugierigen Möwe im Hintergrund.
„Man weiß ja nie, welches Bild am Ende gebraucht wird“, sagt er zufrieden. Natürlich darf bei einem entspannten Urlaubstag an der Nordsee auch ein kühles Bier nicht fehlen. Söder hält den Becher zufrieden in der Hand und meint: „Man muss ja nicht immer gleich eine Maß stemmen - manchmal tut es auch ein gemütliches Strandbier. Also Kollegen, lass uns fröhlich bechern hier“. 

Olaf Scholz sitzt derweil etwas nachdenklich vor dem Fischbrötchenstand. Die Verkäuferin reicht ihm freundlich ein leckeres Krabbenbrötchen. 
„Nein, danke“, sagt er.
„Vielleicht ein Matjesbrötchen?“
„Auch nicht.“
„Ein Bismarckhering?“
Wieder ein Kopfschütteln.
„Was darf es denn sein?“, fragt die Verkäuferin.
Scholz schaut auf die Nordsee, überlegt lange und sagt schließlich:
„Eigentlich hätte ich gern Pommes.“
Gesagt, getan. Doch kaum steht die Portion auf dem Tisch, landet schon eine besonders dreiste Möwe daneben und schnappt sich die Hälfte. Scholz schaut ihr hinterher und meint trocken:
„Das war jetzt aber nicht abgesprochen.“

Robert Habeck nutzt die Zeit am Meer natürlich für eine kleine Lehrstunde. Barfuß im Watt erklärt er Urlaubern die Natur, den Wind und die Gezeiten. Alle hören aufmerksam zu. Nur die Nordsee hält sich nicht an den Plan und zieht ihm plötzlich den Boden unter den Füßen weg - ach du Schreck. Ein paar Kinder helfen ihm lachend wieder aus dem Schlick.
„Theoretisch war das anders gedacht“, meint er und klopft sich den Sand von der Hose.

Jens Spahn genießt seine Babypause am Strand. Mit Eimerchen und Schaufel baut er gemeinsam mit den Kindern eine beeindruckende Sandburg. Türme, Wassergräben und Muschelwege - alles ist perfekt. Jemand meinte "Toll, als hätte er nie etwas anderes gemacht". 
Doch dann kommt Friedrich Merz vom Strandspaziergang zurück, schaut sich die Burg an und setzt einen Schritt zur Seite.
Leider genau an die falsche Stelle - die Sandburg fällt in sich zusammen. Spahn schaut kurz auf das Werk und fängt prompt zu plärren an. 
„Mann, du Blödmann". Merz: " Stell dich nicht so an. Dann bauen wir eben eine neue. Am Strand lernt man schließlich - Wiederaufbau gehört dazu.“

Alice Weidel baut währenddessen mit ihrer Familie eine besonders schöne Sandburg. Kleine Türme, Muscheln als Verzierung und sogar ein kleiner Weg zum Wasser entstehen. Doch eine freche Möwe sieht die Burg als perfekte Aussichtsplattform und .. und kackt drauf".
Und die Nordsee bekommt wieder einmal ihren eigenen Kopf und setzt noch einen drauf. "Eck-Schreck-Dreck - die Burg ist weg".

Boris Pistorius nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Er kontrolliert Rettungsringe, Wetterlage und die Sicherheit am Strand. Nach kurzer Zeit sind sogar die Bademeister beeindruckt. „So gründlich wurde hier noch nie kontrolliert“, sagt einer.

Am Nachmittag geht es gemeinsam nach Neuharlingersiel. Es gibt Fischbrötchen, Krabben, Butterfisch und Pudding-Teilchen vom Bäcker, natürlich frisch. Die Möwen warten schon ungeduldig auf ihren Anteil.

Am Ende des Tages sitzen alle Politiker gemeinsam im Strandkorb und schauen auf den Jadebusen. Die Sonne geht langsam unter, die Wellen rauschen und für einen kurzen Moment ist es ganz friedlich.
Keine hitzigen Debatten - keine Pressekonferenzen - keine langen Sitzungen .. lediglich auf den Strand-Toiletten.

Die frische Nordseeluft mit ihrem besonderen Nordseeduft wird mit jedem Atemzug genossen. Doch dann kommt plötzlich und unerwartet eine kräftige Welle und spült die letzten Sandburgen weg.

Merz schaut nachdenklich aufs Wasser.
Spahn greift wieder zur Schaufel.
Söder macht noch schnell ein Foto.
Habeck erklärt die Gezeiten.
Scholz überlegt laut, wie er seine Pommes diesmal vor Möwen schützt.
Und Weidel zieht eine klare Linie um ihre Sandburg.

Tja  - und was sagt uns das?

Vielleicht sollte die nächste große politische Runde tatsächlich einmal am Südstrand von Wilhelmshaven stattfinden. Denn die Nordsee kennt ihre eigene Weisheit. 
Egal, ob Regierung, Opposition oder Urlaubsgast - am Ende stehen alle mit den Füßen im gleichen Sand.

Bürgerreporter:in:

Hildegard Grygierek aus Essen

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