Flüsse in NRW
Aus einer Kloake zum Biotop - Die Wupper
- hochgeladen von Thomas Ruszkowski
Die Wupper zwischen Dahlerau und Müngsten erzählt wie kaum ein anderer Fluss in Deutschland die Geschichte eines radikalen ökologischen Wandels: vom dreckigsten Industriefluss Europas zu einem der saubersten Mittelgebirgsflüsse Deutschlands. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war die Wupper ein klarer, fischreicher Fluss, der Mühlen, Schleifkotten und kleine Handwerksbetriebe antrieb. Erst die Industrialisierung im 19. Jahrhundert verwandelte sie in eine ökologische Katastrophe.
Entlang des Abschnitts Dahlerau–Müngsten entstanden große Textil-, Metall- und Maschinenbaubetriebe, die ihre Abwässer ungefiltert einleiteten. Die Färbereien färbten den Fluss buchstäblich ein, man konnte an der Wasserfarbe erkennen, welcher Stoff gerade koloriert wurde. Der Fischbestand kollabierte vollständig; der letzte Lachs wurde 1830 gesichtet. Zeitgenössische Quellen beschrieben die Wupper als „stinkende Kloake“, besonders im unteren Verlauf ab Wuppertal. Dahlerau war ein Zentrum dieser Entwicklung. Die Tuchfabrik Wülfing & Sohn, eine der größten im Bergischen Land, nutzte intensiv die Wasserkraft und leitete Produktionsabwässer ein.
Jahrzehnte vergingen. Die Fabriken wuchsen, dann schrumpften sie wieder. Manche starben, wie Menschen sterben: lautlos, mit einem letzten Zucken. Und als die Maschinen verstummten, blieb eine Stille zurück, die der Fluss nicht kannte. Eine Stille, die Raum ließ für etwas Neues. Es begann mit kleinen Gesten, ein Klärwerk, das seine Arbeit ernst nahm. Menschen, die nicht mehr nur nahmen, sondern gaben. Ufer, die geöffnet wurden, damit der Fluss wieder atmen konnte. Steine, die man ihm zurückgab, damit er wieder springen durfte. Und irgendwann, man wusste nicht mehr genau wann, spürte man zum ersten Mal seit langer Zeit die Wiedergeburt des Flusses. Zwischen Dahlerau und Müngsten wurde der Fluss wieder zu dem, was er immer hatte sein wollen, ein Wesen aus Wasser und Licht. Die Menschen kamen zurück, diesmal leise, mit Wanderstiefeln und Kameras statt mit Schornsteinen und Kesseln.
Bürgerreporter:in:Thomas Ruszkowski aus Essen |
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