Begegnungen auf Long Island
Zwischen Klavierklängen und einem Bademantel am Atlantik

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Es gibt Orte, an denen die Zeit irgendwie langsamer zu vergehen scheint. Für mich gehört das Gurney's Inn in Montauk auf Long Island ganz sicher dazu. Das traditionsreiche Haus direkt am Atlantik war schon immer ein Treffpunkt für Künstler, Musiker und Menschen, die einfach die besondere Atmosphäre dieses Fleckchens Erde schätzten.

Eines Tages saß ich dort ganz entspannt, als plötzlich vertraute Melodien von John Lennon erklangen. Am Klavier spielte ein enger Freund des früheren Beatles. Ich saß praktisch direkt vor ihm und durfte mich sogar mit ihm im Hintergrund fotografieren lassen.

Für einen Moment schien die Musik die Zeit zurückzudrehen. Die Lieder von John Lennon drangen mit einer solchen Intensität an mein Ohr und von dort direkt in die Seele, dass ich mich ganz in den Melodien verlor. Irgendwann muss ich angefangen haben mitzusingen - ohne es überhaupt zu bemerken. Erst der spontane Beifall der Anwesenden holte mich zurück in die Gegenwart und verriet mir, dass meine kleine Gesangseinlage keineswegs unbemerkt geblieben war.

Überhaupt schien das Gurney's Inn seine ganz eigene Welt zu besitzen. Berühmte Namen wurden dort selten thematisiert - und genau das machte den Reiz dieses besonderen Ortes aus. Man begegnete sich ganz selbstverständlich am Strand, beim Frühstück oder auf den Wegen zwischen Meer und Hotel.

So verbrachte ich wieder einmal einen herrlichen Tag am Atlantik in Gesellschaft einer ebenso liebenswürdigen wie interessanten Dame, die familiäre Verbindungen in die Welt des internationalen Sports besaß. Erst später wurde mir bewusst, wie klein die Welt manchmal ist. In Erinnerung geblieben ist mir jedoch nicht die Prominenz, sondern die Herzlichkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der man sich begegnete.

Und Long Island hielt noch eine weitere Überraschung bereit. Am Morgen begegnete ich tatsächlich Steven Spielberg. Nicht bei einer Filmpremiere oder einem Empfang, sondern ganz entspannt und beinahe unauffällig - auf dem Weg zur örtlichen Bakery, im Bademantel. Ein Anblick, der irgendwie so gar nicht zu Hollywood passen wollte und gerade deshalb so sympathisch wirkte.

Vielleicht lag genau darin das Geheimnis von Montauk und seines berühmten Gurney's Inn. Hier waren bekannte Namen plötzlich nur noch Menschen, die den Wind vom Atlantik genossen, die Sonne suchten und für ein paar Stunden einfach nur Urlauber sein wollten.
Nicht die großen Inszenierungen sind es, die in Erinnerung bleiben, sondern die kleinen, unerwarteten Augenblicke. Und wenn ich heute an Long Island denke, höre ich manchmal noch die Melodien von John Lennon und sehe vor meinem inneren Auge einen berühmten Regisseur, der im Bademantel zur Bäckerei spazierte.

Es sind Geschichten wie diese, die man auch nach vielen Jahren noch mit einem Lächeln erzählt.

Bürgerreporter:in:

Hildegard Grygierek aus Essen

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