Ein deutscher Tagesausflügler staunt über Holland
Kaum über die Grenze - und plötzlich ist alles anders
- hochgeladen von Hildegard Grygierek
Es gibt Grenzen, die merkt man kaum. Und dann gibt es die Grenze zu den Niederlanden. Nicht, weil dort plötzlich ein großer Schlagbaum steht. Im Gegenteil. Man fährt einfach weiter - und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl .. hier ist gerade etwas anders geworden.
Vielleicht liegt es an den Häusern. An den großen Fenstern, die irgendwie offener wirken. An den Menschen, die draußen sitzen, Rad fahren, unterwegs sind. An der Sprache natürlich sowieso. Ein paar Kilometer weiter und schon klingt alles ein bisschen nach Urlaub.
Und dann ist da noch das Meer. Für uns im Ruhrgebiet und in Nordrhein-Westfalen ist die Nordsee ja nicht gerade vor der Haustür. In den Niederlanden ist sie zumindest gedanklich plötzlich ein ganzes Stück näher. Ein Tagesausflug, ein bisschen über die Grenze - und schon fühlt sich vieles ein wenig nach Urlaub an.
Aber was mir bei meinen Ausflügen besonders auffällt, ist der öffentliche Raum. Straßen, Radwege, Verkehrsinseln, Grünflächen - vieles wirkt auf mich einfach aufgeräumter und gepflegter. Nicht perfekt, natürlich. Auch in den Niederlanden liegt mal irgendwo etwas herum. Aber insgesamt habe ich als deutscher Besucher oft den Eindruck, dass man sich dort mehr Gedanken darüber macht, wie eine Straße, ein Platz oder eine kleine Verkehrsinsel aussehen soll.
Und genau da kommt mein Foto ins Spiel. Wie man unschwer erkennt, hat diese Straßenmittelinsel oder der "Grünstreifen" bestimmt auch schon bessere Tage erlebt.
Wenn ich dagegen in den Niederlanden unterwegs bin, fällt mir so etwas wesentlich seltener auf. Vielleicht sehe ich es auch einfach anders, weil ich dort als Tagesausflügler mit der berühmten rosaroten Urlaubsbrille unterwegs bin. Das will ich gar nicht ausschließen. Aber ganz ehrlich - im Auto trage ich gar nicht die "Rosa-Brille" , nene, auch nicht die "Raser-Brille" .. hier nicht und in Holland sowieso nicht.
Ich will damit übrigens keineswegs Deutschland schlechtmachen. Ich möchte nur etwas „verdeutschlichen“ - falls man dieses wunderbare Wort überhaupt verwenden darf. Denn als deutscher Tagesausflügler fällt einem eben auf, was direkt hinter der Grenze anders wirkt. Man muss Deutschland schließlich nicht schlechtmachen, um festzustellen, dass es anderswo Dinge gibt, die einem gefallen.
Überhaupt - keinesfalls will ich die Behauptung aufstellen: „Die Niederländer machen alles besser“. Bestimmt gibt es da auch "Baustellen" - ihr wisst was ich meine.
Aber der Unterschied im Gesamteindruck kann direkt hinter der Grenze erstaunlich deutlich sein.
Vielleicht ist es eine andere Planung. Vielleicht eine andere Kultur im Umgang mit dem öffentlichen Raum. Vielleicht auch eine andere Mentalität. Und wahrscheinlich ist es .. wie so oft .. eine Mischung aus allem.
Was ich an den Niederlanden jedenfalls mag - man kann hinfahren, ohne gleich einen großen Urlaub daraus machen zu müssen. Einfach morgens ins Auto steigen, über die Grenze fahren und schauen und staunen, dass es auch anders geht.
Und jedes Mal denke ich ein bisschen - Mensch, die Holländer haben da schon ein paar interessante Ideen. Sie locken mit ihrer Windmühlenkultur, Holzschuhen und nicht irgendeinem Käse die Leute ins Land - ich für mich kann behaupten, ich finde Holland wo was von schön und interessant. Aber nicht erst ab da, wo der Strand beginnt... ,-)
Und dann fahre ich wieder nach Hause, sehe unsere nächste zugemüllte Verkehrsinsel, geflickte Straßen, meterhohes Unkraut und denke: Willkommen zurück in Deutschland:-)
Vielleicht sollten wir uns von unseren Nachbarn einfach ab und zu etwas abschauen. Nicht alles .. aber vielleicht ein bisschen mehr von dem Gefühl, dass öffentlicher Raum schließlich uns allen gehört.
Und genau deshalb darf man als Deutscher ruhig mal anerkennen: Direkt hinter der Grenze ist tatsächlich manches anders. Und manchmal auch erstaunlich angenehm,-)
Bürgerreporter:in:Hildegard Grygierek aus Essen |
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