Unterwegs
Die Cattedrale di Sant’Andrea in Amalfi
- hochgeladen von Thomas Ruszkowski
Der Dom von Amalfi ist nicht einfach nur eine Kirche. Er vereint eine aus Konstantinopel importierte Bronzetür, antike römische Grabkunst, einen ehemaligen Friedhof, orientalisch anmutende Architektur und eine jahrhundertealte Tradition rund um eine mysteriöse Flüssigkeit am Grab des Stadtpatrons.
1. Das mysteriöse „Manna“ des heiligen Andreas: In der Krypta wird von einer Flüssigkeit berichtet, die am Grab des Apostels Andreas auftritt. Sie wird traditionell als „Manna des heiligen Andreas“ bezeichnet. Gläubige verbinden sie mit Wundern; eine übernatürliche Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt.
2. Eine Tür aus Konstantinopel: Die Bronzetür des Doms wurde im 11. Jahrhundert in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, hergestellt und um 1060 nach Amalfi gebracht. Sie zeugt von den weitreichenden Handelsbeziehungen der damaligen Seemacht.
3. Der Paradies-Kreuzgang war ein Friedhof: Der Chiostro del Paradiso entstand zwischen 1266 und 1268 und diente ursprünglich als Begräbnisstätte wohlhabender Familien Amalfis. Seine eleganten, orientalisch anmutenden Bögen bilden einen überraschenden Kontrast zu seiner ursprünglichen Funktion.
4. Ein antiker Sarkophag wurde zum Altar: Im Domkomplex wurden historische Marmorelemente und Grabmäler für neue Zwecke wiederverwendet. So treffen antike Grabkunst, mittelalterliche Architektur und christliche Sakralkunst unmittelbar aufeinander.
5. Der Dom ist eigentlich ein ganzes Ensemble: Hinter dem Begriff „Dom von Amalfi“ verbirgt sich ein Komplex aus der Kathedrale Sant’Andrea, einer älteren Basilika, der Krypta, dem Paradies-Kreuzgang und dem Diözesanmuseum. Die verschiedenen Bereiche erzählen von unterschiedlichen Jahrhunderten.
6. Die berühmte Treppe hat Dutzende Stufen: Die monumentale Freitreppe vor der Fassade ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Amalfis. Je nach Quelle werden 57 oder 62 Stufen angegeben, vermutlich aufgrund unterschiedlicher Zählweisen.
7. Der Glockenturm erinnert an den Orient: Der zwischen etwa 1180 und 1276 errichtete Campanile besitzt eine auffällige Turmspitze mit bunten Majolikafliesen. Seine Bögen und Formen spiegeln die kulturellen Einflüsse wider, die durch Amalfis Handel mit dem Mittelmeerraum in die Stadt gelangten.
8. Der Schutzpatron hat zwei große Festtage: Der heilige Andreas wird in Amalfi besonders am 27. Juni und am 30. November gefeiert. Um den Juni-Termin rankt sich eine lokale Legende über die wundersame Rettung der Stadt vor einem Angriff des osmanischen Admirals Khair ad-Din Barbarossa.
9. Römische Götter neben christlichen Grabstätten: Im Paradies-Kreuzgang befinden sich antike römische Sarkophage mit mythologischen Darstellungen, etwa zur Entführung der Proserpina. Sie stammen aus einer ganz anderen religiösen und kulturellen Welt als der mittelalterliche Kreuzgang.
10. Die mittelalterliche Kirche wurde im 20. Jahrhundert freigelegt: Bei Restaurierungsarbeiten ab 1931 wurden zahlreiche spätere Verkleidungen entfernt, um ältere Baustrukturen wieder sichtbar zu machen. Das heutige Erscheinungsbild ist deshalb auch das Ergebnis moderner Restaurierungsentscheidungen.
Bürgerreporter:in:Thomas Ruszkowski aus Essen |
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