Unterwegs
Toronto
- hochgeladen von Thomas Ruszkowski
Der PATH ist eine der ungewöhnlichsten urbanen Einrichtungen Torontos: eine riesige, größtenteils unterirdische Fußgängerwelt unter Downtown, die Bürotürme, Einkaufszentren, Hotels, Bahnhöfe, Restaurants und Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet. Und das Faszinierende ist: Es ist kein einzelnes Gebäude und auch kein klassischer Tunnel, sondern ein über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk.
Was genau ist der PATH?
Der PATH ist ein Fußwegenetz von mehr als 30 Kilometern. Darin befinden sich rund 1.200 Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungen auf etwa 3,7 Millionen square feet Verkaufsfläche. An normalen Werktagen nutzen ihn mehr als 200.000 Menschen. Über 75 Gebäude sind angeschlossen, darunter Bürohochhäuser, Hotels und Einkaufszentren. Außerdem erreicht man über ihn sechs U-Bahn-Stationen und die Union Station, Torontos wichtigsten Verkehrsknotenpunkt. Du kannst einen großen Teil von Downtown Toronto durchqueren, ohne praktisch auf die Straße gehen zu müssen. Und genau deshalb fühlt sich der PATH manchmal eher wie eine zweite Stadt unter der Stadt an.
Die Geschichte des PATH reicht bis 1900 zurück. Damals verband die Kaufhauskette T. Eaton Co. ihr Hauptgeschäft an der Yonge Street mit einem nahegelegenen Nebengebäude durch einen unterirdischen Tunnel. Bis 1917 existierten bereits fünf unterirdische Verbindungen im Downtown-Gebiet. 1927 kam eine weitere wichtige Verbindung hinzu: Ein Tunnel verband die neu eröffnete Union Station mit dem damaligen Royal York Hotel, heute Fairmont Royal York. Aber der eigentliche Boom kam erst viel später.
In den 1970er-Jahren begann Downtown Toronto geradezu explosionsartig zu wachsen. Neue Wolkenkratzer entstanden und jedes Gebäude hatte Interesse daran, möglichst bequem mit den Nachbargebäuden verbunden zu sein. Ein wichtiger Schritt war die Verbindung zwischen dem Richmond-Adelaide Centre und dem Sheraton Centre. Und dann passierte etwas Interessantes:
Ein neuer Tunnel machte einen weiteren Tunnel sinnvoll.
Der weitere Tunnel machte den nächsten sinnvoll.
Und so entstand langsam ein Netzwerk.
Das ist der Grund, weshalb der PATH heute nicht wie ein sauber geplantes U-Bahn-System aussieht.
Er ist vielmehr eine Art unterirdisches Stadtgewebe, das über mehr als ein Jahrhundert gewachsen ist.
Unter der Woche kann der PATH extrem belebt sein. Aber an Wochenenden oder außerhalb der Bürozeiten können manche Abschnitte plötzlich fast menschenleer wirken. Viele Geschäfte richten sich hauptsächlich an Büroangestellte und sind dann geschlossen. Dadurch kann dieselbe Umgebung, die mittags voller Menschen ist, abends oder am Wochenende plötzlich aussehen wie eine verlassene unterirdische Stadt. Das wird auch von Einheimischen immer wieder beschrieben. Das kann schon etwas Bedrohliches ausdrücken.
Der PATH wird häufig als größtes unterirdisches Einkaufszentrum bzw. größter unterirdischer Einkaufskomplex der Welt bezeichnet. Guinness World Records führte ihn entsprechend. Aber der PATH ist kein klassisches Einkaufszentrum wie die Mall of America. Er ist ein Fußgängernetz, das Einkaufsflächen, Bürogebäude, Verkehrsinfrastruktur und öffentliche bzw. private Bereiche miteinander verbindet. Die Bezeichnung „größtes unterirdisches Einkaufszentrum“ beschreibt deshalb nur einen Teil dessen, was der PATH eigentlich ist.
Wer mal nach Toronto oder Montreal kommt, der sollte sich die Zeit nehmen, mal eine Kurzstrecke durch die Unterwelt der Stadt zu unternehmen. Aber Vorsicht, möglichst nicht alleine gehen, man könnte sich schnell verlaufen.
Bürgerreporter:in:Thomas Ruszkowski aus Essen |
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