Wanderausflug für uns Lechfelder/innen
Vom historischen Feuerzauber zur Aussicht

Foto: Symbolbild by KI

Bismarcktürme sind ein faszinierendes Phänomen der deutschen Kultur- und Architekturgeschichte. Doch wie viele gab es eigentlich, wie unterscheiden sie sich und was macht das Exemplar direkt vor den Toren Augsburgs so besonders?

Nach dem Tod des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck im Jahr 1898 setzte ein beispielloser Denkmalkult ein. Überall im Land und darüber hinaus entstanden Monumente zu seinen Ehren:

Insgesamt wurden weltweit 240 Bismarcktürme und Bismarcksäulen erbaut.

Erhalten sind weltweit noch 173 Exemplare, davon liegen 146 Bismarcktürme in Deutschland. Die restlichen befinden sich im heutigen Ausland (z. B. Polen, Frankreich, Tschechien, Russland oder Dänemark) sowie vereinzelt im Übersee-Raum.

Sind alle Bismarcktürme gleich?
Nein, es gibt eine große Vielfalt an Bauformen! Zwar existiert ein sehr bekannter Standardentwurf – das Modell „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis (ein wuchtiger, trutziger Turmtyp mit quadratischem Grundriss und Befeuerungseinrichtung an der Spitze), der rund 47-mal umgesetzt wurde – aber viele Städte wählten ganz individuelle Formen: vom mittelalterlich anmutenden Bergfried über neoromanische Säulen bis hin zu Aussichtstürmen mit Pavillon-Motive.

Auch der Augsburger Bismarckturm auf dem Steppacher Berg gehört zur Kategorie der befeuerbaren Denkmäler. Bei seiner Einweihung im Jahr 1905 loderte auf seiner Spitze eine große Feuerschale, die zu besonderen Gedenktagen weit ins Lechfeld hinausstrahlte. Heute dient der rund 20 Meter hohe Turm als einer der schönsten Aussichtspunkte im Augsburger Westen.

Empfohlener Parkplatz: Für die kurze Wanderung parkt man am besten direkt am Fuße des Steppacher Bergs in Neusäß-Steppach (z. B. auf den öffentlichen Parkmöglichkeiten entlang der Bismarckstraße oder im Umfeld des Ulmer Straße / Steppacher Berg).

Der Aufstieg zu Fuß: Vom Fuß des Hügels führt ein sanft ansteigender, schattiger Spazierweg durch das Waldstück hinauf zum Turm. Nach etwa 10 bis 15 Gehminuten erreicht man die Anhöhe und steht direkt vor dem imposanten Bauwerk.

Den Besuch des Bismarckturms lässt sich hervorragend mit weiteren Highlights in Nähe verbinden:

Deuringer Heide (ca. 3 km entfernt): Ein geschütztes Naturjuwel direkt angrenzend an Steppach. Das weitläufige Heidegebiet bietet naturnahe Pfade, Magerrasenflächen und eine beeindruckende Flora und Fauna.

Naturpark Augsburg – Westliche Wälder: Der Bismarckturm markiert das östliche Tor zu Schwabens einzigem Naturpark. Wunderschöne Waldwege laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein.

Augsburger Siebentischwald & Wertachauen (ca. 6–8 km): Wer in Richtung Augsburger Stadtgebiet wandert, kann entlang der Flussläufe bis in die weitläufigen Parkanlagen der Fuggerstadt spazieren.

Statt weiter entfernten Gaststätten finden sich direkt im Ortskern von Steppach – nur wenige Gehminuten vom Bismarckturm entfernt – hervorragende Einkehrmöglichkeiten für jeden Geschmack:

Brauereigasthof Fuchs
Ein historisches Traditionshaus mit über 125-jähriger Familiengeschichte. Hier erwarten Sie urige bayerische Gastlichkeit, herzhafte schwäbische Schmankerl und im Sommer ein schattiger Biergarten unter alten Kastanien. (Direkt am Fuß des Berges, perfekt zu Fuß erreichbar).

Taverna Il Galeone
Für Liebhaber der mediterranen Küche bietet diese top-bewertete Pizzeria/Taverne hausgemachte Pasta, authentische neapolitanische Pizza und meeresfrische Spezialitäten in gemütlicher Atmosphäre.

Der Bismarckturm in Steppach verbindet deutsche Architekturgeschichte mit einem entspannten Naturerlebnis vor den Toren Augsburgs. Durch die bequeme Erreichbarkeit, die nahegelegene Deuringer Heide und die Einkehrmöglichkeiten direkt vor Ort eignet sich der Ausflug ideal für einen Sonntagsspaziergang mit der ganzen Familie!

Lust auf weitere Bismarcktürme?

Bismarckturm Memmingen:

  • Lage: Memmingen (Regierungsbezirk Schwaben / Allgäu).
  • Besonderheit: 1904 ursprünglich als Aussichtsturm erbaut und 1908 offiziell in Bismarckturm umbenannt. Er ist ein verputzter Backsteinturm mit Zinnen und Balkon.

Bismarckturm Berg-Assenhausen:

  • Lage: Ostufer des Starnberger Sees (Rottmannshöhe).
  • Besonderheit: 1896–1899 erbaut (Entwurf: Theodor Fischer). Es ist einer der größten (30 m) und architektonisch aufwendigsten Bismarcktürme Bayerns.

Die restlichen Bismarcktürme in Bayern verteilen sich vor allem auf Frankenseite und die Oberpfalz:

  • Ansbach: Bismarcksäule auf der Kaiserhöhe (1903 eingeweiht).
  • Weißenburg i. Bay.: Bismarckturm auf dem Rohrberg (1911).
  • Lappersdorf (bei Regensburg): Eine kleine, sehr ungewöhnliche dreieckige Feuersäule (nur 3,38 m hoch, 1899 von Regensburger Offizieren erbaut).
  • Würzburg: Bismarckturm oberhalb der Weinberge am Stein (1905).
  • Bad Kissingen: Bismarckturm auf dem Sinnberg (1914 begonnen, 1930 fertiggestellt).
  • Coburg: Bismarcksäule auf dem Judenberg (1901).
  • Hof: Bismarckturm auf dem Rosenbühl (1915 erbaut, 1921 eingeweiht).
  • Lichtenfels: Bismarckturm/Siegesturm auf dem Herberg (1904).

Viel Freude und gute Aussicht vom Turm.

Bürgerreporter:in:

Wolfgang Weiss aus Untermeitingen

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