Kaninchenschützer prangern neuen Skandal an
Schafe schlachten als Freizeitvergnügen?
- Foto: Privat
- hochgeladen von Christiane Schlüter
Was muss noch passieren, damit sich endlich etwas ändert? Mit dieser Frage versammelten sich am Donnerstag, 8. Oktober 2026, rund 30 Tierschützer aus der Region zu einer Mahnwache in der Aichacher Innenstadt vor der Spitalkirche. Dazu aufgerufen hatte die Initiative „Kissing für Kaninchen“. Sie prangert immer wieder die Missstände an, die vor einem Jahr durch die SOKO Tierschutz in einem Tierversuchslabor am Ortsrand von Kissing aufgedeckt wurden (wir berichteten). Anlass waren jedoch nicht nur die immer noch nicht aufgeklärten Misshandlungsvorwürfe gegen Mitarbeiter dieses Labors, sondern darüber hinaus ein zweiter Tierqual-Skandal. Auch ihn hatte die SOKO Tierschutz aufgedeckt.
Die Tierschutzinitiative berichtete kürzlich von massiven Tierschutzverstößen in einem regionalen Familienbetrieb, „der sich als vertrauenswürdiger Schlachter von nebenan“ präsentiere. Kunden dieses Schlachters sollen, so die Vorwürfe, selbst den Kehlschnitt bei Schafen durchgeführt haben – „mutmaßlich ohne Sachkundenachweis und unter unhygienischen Bedingungen“. Die SOKO spricht von Anzeichen von Fehlbetäubung. „In über 15 Fällen“, so der Bericht der Tierschutzorganisation, „wurde offenbar mit dem Abtrennen des Kopfes begonnen, bevor die Tiere eindeutig tot waren.“ Auch hätten die Tiere mitunter die Schlachtung ihrer Artgenossen mitansehen müssen.
"Misshandlungen im Verborgenen"
Dieser neue Skandal wie auch die Vorgänge rings um die Kissinger Kaninchen haben bei örtlichen Tierschützern die Frage aufgeworfen, ob nicht ein Fehler im System liege: Warum, so haben sie in einer Mail das Veterinäramt Aichach gefragt, müssten es immer Tierschutzorganisationen sein, die solche Missstände aufdeckten? Das Veterinäramt müsse eigentlich in gleicher Weise wie die Tierschutzorganisationen arbeiten. „Kein Mensch wird vor den Augen des Veterinäramts so dumm sein, ein Tier zu quälen. Die Misshandlungen und Verfehlungen geschehen im Verborgenen.“
Um ihrer Kritik am Aichacher Veterinäramt Nachdruck zu verleihen, zogen die Tierschützer am Donnerstag bei ihrer Mahnwache von der Aichacher Spitalkirche zum nahegelegenen Veterinäramt. „Macht weiter so!“ rief ihnen unterwegs eine Frau zu, die im Eingang ihres Ladengeschäftes stand. Vor dem Veterinäramt postierten sich die Tierschützen erneut mit ihren Schildern. Auf diesen forderten sie, das Veterinäramt solle besser hinsehen, damit nicht unter seinen Augen Gesetze gebrochen würden. Die Ursache des Problems befinde sich an der Spitze des Amtes, erklärte Friedrich Mülln, Leiter der SOKO Tierschutz. Er war zum Abschluss der Mahnwache dazu gestoßen. „Der Fisch stinkt vom Kopf“, kritisierte er.
Bei der Aichacher Mahnwache waren auch die Kissinger Kaninchen Thema – sowohl auf den Schildern also auch in den Gesprächen der Teilnehmer untereinander. Hintergrund war ein aktuelles Gerichtsurteil: Es verbietet die Aussage, ein tierfreier Ersatz für die in Kissing aus Kaninchenblut erzeugten Antikörper sei konkret verfügbar. Das bedeute aber nicht, so die Tierschützer, dass ein tierfreier Ersatz grundsätzlich oder technisch unmöglich wäre. Außerdem stehe immer noch der Vorwurf der Misshandlung und nicht artgerechten Haltung im Raum. Schon deshalb werde es auch hierzu weitere Mahnwachen geben. Alle waren sich einig: „Wir kämpfen weiter für die Kaninchen!“
Bürgerreporter:in:Christiane Schlüter aus Augsburg |
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