Meitingens Kirche im Wandel der Zeit
Von der St.-Wolfgangs-Kapelle zum Gotteshaus St. Wolfgang
- Im Jahre 1756 wurde in der Ortsmitte Meitingens die Kirche St. Wolfgang errichtet.
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Von Peter Heider
Die heutige Marktgemeinde Meitingen besaß einst, zu Beginn des 16. Jahrhunderts, nur das damalige sogenannte St.-Wolfgangskirchlein als Gotteshaus für Gläubige. Der Altar in der heutigen Seitenkapelle sowie einige Figuren sind aus diesem Kirchlein noch erhalten, ferner eine Glocke mit der Jahreszahl 1520. Das Originalaltarblatt dieses Seitenaltares wurde aber während der 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts ausgetauscht und zeigt jetzt die heilige Theresia vom Kinde Jesu. Erst später, im Jahr 1907, wurde in Meitingen ein Kirchenbauverein gegründet. Dessen Ziel war es, für den notwendigen Umbau der alten Kirche oder für den Neubau Gelder zu sammeln. Der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit verhinderten aber die Verwirklichung des Vorhabens. Im April 1928 lud Altbürgermeister Wagner zu einer Versammlung ein. Das bereits angesammelte Kapital von 20.000 Reichsmark war durch die Inflation verloren. Die Notwendigkeit einer größeren Kirche wurde allgemein eingesehen. Einig war man sich auch, dass ein Umbau des alten Kirchleins nicht zweckmäßig wäre. Doch die Geldfrage stellte sich hemmend entgegen. Eine vorsichtige Schätzung ergab, dass circa 150.000 Reichsmark erforderlich seien. Somit musste das Projekt zunächst zurückgestellt werden.
Bürgermeister Johann Koch erreichte durch Verhandlungen, dass durch Zuwendungen und ein günstiges Darlehen 80.000 RM aufzubringen seien. Die politische Gemeinde und die evangelischen Christen versprachen ihre Unterstützung. Der 84-jährige Vorstand und Altbürgermeister Wagner war von Ort zu Ort gepilgert, um finanzielle Unterstützung der Nachbarn durch Holzschenkungen und Anfuhr zu erreichen. Fast in allen Fällen fand er ein offenes Ohr. So wurde beschlossen, noch in diesem Jahr den Kirchenbau in Angriff zu nehmen. Die Kirche sollte an die Stelle des alten Kirchleins kommen. Dafür wurde im Oktober des Jahres 1928 der Grund des Lagerhauses vom Darlehensverein und ein Teil des Gartens vom Anwesen der Familie Walter für 1.650 Reichsmark erworben. Nach dem Abbruch des Kirchleins wurde jedoch festgestellt, dass der Neubau zu sehr nach Süden gerückt werden müsste und somit das Straßenbild verzerrt würde. Der Gemeinderat entschloss sich deshalb, das gesamte auf der Nordseite liegende Anwesen von A. Walter für 16.000 RM zu kaufen. Am 12. Mai 1929 wurde schließlich in der alten Kirche die letzte Maiandacht gefeiert und am nächsten Morgen um 6 Uhr fand die letzte Heilige Messe statt. Uhrmacher, Maurer und Zimmerer standen schon bereit, um mit dem Abbruch zu beginnen, nachdem das Allerheiligste in feierlicher Prozession in die Hauskapelle des Johannesheimes gebracht worden war. Der Neubau ging zügig voran und so konnte nach einer zweijährigen Bauzeit am 14. Mai 1931 die neue Kirche durch Diözesanbischof Dr. Josef Kumpfmüller eingeweiht werden. Dies wurde durch eine Urkunde bestätigt. Die Kirche wurde im Stile der Neuen Sachlichkeit erbaut.
Die Geschichte der Pfarrei St. Wolfgang Meitingen
Kirchlich und besitzmäßig war Meitingen zweigeteilt. So gehörten die Hausnummern 1 bis 12 und von Nummer 30 aufwärts zur Pfarrei Ehekirch, die Hausnummern 13 bis 29 jedoch zur Pfarrei Westendorf. Als 1754 in Herbertshofen ein Friedhof angelegt und 1756 die heutige Kirche erbaut wurde, wurden die Meitinger Bürger von Ehekirch nach Herbertshofen umgepfarrt.
Im Jahre 1823 kamen die zu Westendorf gehörigen Meitinger Bürger ebenfalls nach Herbertshofen. Somit war Meitingen in seiner Gesamtheit in Bezug auf Pfarrei, Kirche, Friedhof und Schule in Herbertshofen vereint. Im Jahre 1756 stiftete Pfarrer Ried aus Osterbuch 4.000 Gulden zur Errichtung einer Benefiziatenstelle in Meitingen. Die vielen Eingaben im Laufe der Jahrzehnte um die Besetzung des Benefiziums in Meitingen wurden vom Ordinariat wegen Priestermangels immer wieder abgelehnt. Im Juni 1927 kam ganz unverhofft vom Ordinariat in Augsburg die Anfrage an den Pfarrer von Herbertshofen, ob das Benefiziatenhaus das Benefiziatenhaus – erbaut 1739 – in Meitingen beziehbar sei und was die Gemeinde zum Benefiziatengehalt leisten wolle. Die Gemeinde erklärte sich bereit, einen jährlichen Zuschuss zu leisten sowie das Benefiziatenhaus zu renovieren. Bereits am 16. August 1927 zog Kaplan Ritter aus Augsburg als Benefiziat ein. Mit der Einweihung eines eigenen Friedhofes im Jahre 1927 und dem Neubau der Kirche konnten weitere Schritte hin zur selbständigen Pfarrei gemacht werden. Die rasche Entwicklung der Gemeinde Meitingen mit einer stark steigenden Einwohnerzahl führte im Jahre 1941 zur Erhebung zur Pfarrei. Expositus Johannes Radinger, seit Herbst 1938 in Meitingen, wurde erster Pfarrer. Im Jahre 1957 wurde Meitingen Sitz des Dekanates. Das frühere Dekanat Westendorf umfasste folgende Orte: Allmannshofen, Achsheim, Biberbach, Druisheim, Ehingen, Ellgau, Herbertshofen, Langenreichen, Langweid, Lützelburg, Meitingen, Westendorf.
Neuaufstellung des heutigen Dekanats Meitingen
Am 20. Mai 2001 feierte die Pfarrei St. Wolfgang das 60-jährige Bestehen ihrer Pfarrei und das 70-jährige Bestehen der Kirche St. Wolfgang mit einem großen Festgottesdienst und anschließendem Pfarrfest rund um die Kirche. Seine Exzellenz der Hochwürdige Herr Bischof Josef hat die Expositur Meitingen mit Wirkung vom 1. Februar 1941 zur Pfarrei erhoben und aus dem Verband der bisherigen Mutterkirche Herbertshofen abgetrennt, nachdem das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultur mit Ministerialentschluss II 377 vom 9. Januar 1941 erklärt hat, dass es gegen die Erhebung der Pfarrei keine Erinnerung erhebe. Die Errichtung der Pfarrpfründestiftung erübrigt sich, da die schon bestehende Benefiziumsstiftung mit Genehmigung des Staatsministeriums durch die erwähnte Ministerialentschließung in eine Pfarrpfründestiftung umgewandelt wird. Als Pfarrkirche dient die Kirche St. Wolfgang, als Pfarrhof das neue Benefiziatenhaus. Da das Präsentationsrecht für das Benefizium Meitingen dem Land Bayern zustand, kommt diesem auch das Präsentationsrecht für die Pfarrei Meitingen zu.
myheimat-Team:Laura Stoertzer |
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