Sachsen-Anhalt AfD CDU
Königinnen, Knatterkisten und Koalitionsknoten
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In Sachsen-Anhalt hat der Wahlkampf begonnen – und er sieht aus wie eine Mischung aus Königinnentag, Oldtimertreffen und politischem Schlussverkauf.
CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Sven Schulze empfängt 125 Königinnen aus dreizehn Bundesländern und Österreich. Blütenköniginnen, Weinmajestäten, Hopfenhoheiten – so viel Krone war selten um einen Mann versammelt, der selbst gern weiter Landesvater bleiben möchte. Vielleicht hofft die CDU auf die alte politische Weisheit: Wo genügend Majestäten lächeln, fällt irgendwann auch ein wenig royaler Glanz und Sissi-Romantik auf den Gastgeber.
Die AfD hält dagegen. Nicht mit Krönchen, sondern mit Knattern. Ulrich Siegmund organisiert Sternfahrten mit Simson-Mopeds und setzt auf DDR-Nostalgie mit Zweitaktgemisch. Vorwärts in die Vergangenheit! Er singt zusammen mit dem DDR-Kabarettisten Uwe Steimle lächelnd die alte DDR-Hymne mit: "Auferstanden aus Ruinen".
Was wird erfolgreicher sein: 125 Königinnen oder 1.500 knatternde Mopeds? Krone gegen Kolben, Schärpe gegen Schwalbe. Sachsen-Anhalt wird zum Jahrmarkt, auf dem jede Partei ihr eigenes Karussell betreibt – nur weiß niemand, ob es sich vorwärts oder schon schwindelerregend rückwärts dreht.
Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht hat eine Attraktion aufgebaut. Auf einem Plakat greift der ukrainische Präsident Selenskyj nach fliegenden Geldscheinen, flankiert von Ursula von der Leyen und Herrn Weber. Darüber steht: „Schluss mit der Abzocke!“ Das Motiv stammt aus Viktor Orbáns ungarischer Propagandawerkstatt. Früher wurden Wahlplakate noch im Land gedruckt. Heute importiert man offenbar gleich die Ressentiments.
Die Grünen schicken Susan Sziborra-Seidlitz ins Rennen. Krankenschwester und Landesvorsitzende – und eine Frau, die weiß, wie man sich wundersam schminkt. Das könnte nützlich werden, denn bei fünf Prozent beginnt für Parteien bekanntlich die politische Intensivstation. Für den Wahlkampf wird sie sorgfältig zurechtgemacht, als ließe sich eine schwache Prognose mit rotem Lippenstift und rotem Kleid mit großzügigem Busenausschnitt überdecken. Der Patient Land bekommt ein freundliches Pflaster, während draußen schon nach dem Bestattungsinstitut gerufen wird.
Die FDP wiederum wirbt mit Infrastruktur und Digitalisierung. Nicht ganz passend dazu holt Spitzenkandidatin Lydia Hüskens den altbackenen Wolfgang Kubicki auf die Bühne – gewissermaßen die analoge Mottenkiste von gestern. Hüskens ist amtierende Ministerin für Infrastruktur und Digitales, ihre Partei liegt jedoch so weit unter fünf Prozent, dass selbst das beste digitale Navigationssystem den Weg zurück in den Landtag kaum noch findet. Drei Prozent sind eben keine Datenautobahn, sondern ein Feldweg mit Schlaglöchern.
Dabei sitzt die FDP noch in der Regierung. Das ist das eigentliche Kunststück dieses Wahlkampfes: mitregieren und gleichzeitig so tun, als habe man mit dem Zustand des Landes nur zufällig im selben Raum gesessen.
Und nach der Wahl?
Mit der AfD will niemand regieren. Die CDU will weder mit der AfD noch mit der Linken. Eva von Angern dagegen erklärt, ihre Linke sei bereit, alles zu tun, um die AfD von den Hebeln der Macht fernzuhalten. Schulze möchte über Minderheitsregierungen und mögliche Mehrheitsbeschaffer lieber nicht spekulieren. Verständlich: Wer von 125 Königinnen umgeben ist, spricht ungern darüber, ob ihm später womöglich Kommunisten die Krone festhalten müssen.
So ziehen sie nun am politischen Seil: CDU und Linke mit voneinander abgewandten Gesichtern, SPD und Grüne mit sehr schwindenden Kräften, die FDP bereits dicht am Abgrund. Am anderen Ende zieht die AfD – kräftig unterstützt von Wut, Ostalgie und dem Versprechen, dass früher sogar die Zukunft besser gewesen sei.
Am 6. September wird abgerechnet. Dann zeigt sich in Magdeburg, wer beim Tauziehen Boden gewinnt, wer nur die Hände wund bekommt und wer mit dem ganzen Wahlkampfplakat im Abgrund landet.
Vielleicht gewinnt am Ende weder die Krone noch das Moped.
Vielleicht gewinnt nur diejenige Koalition, die nach dem großen Knattern noch genügend Stimmen zusammenzählen kann, um den Ost-Karren aus dem Dreck zu ziehen.
Bürgerreporter:in:Didi van Frits aus Hattingen |
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