Sonnenfinsternis Sachsen-Anhalt AfD
Dauersonnenfinsternis in Magdeburg

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Heute Abend schiebt sich der Mond vor die Sonne. In Deutschland nur teilweise, andernorts in Europa sogar vollständig. Doch die Natur ist höflich: Nach einigen Minuten zieht der Mond weiter, die Sonne kommt zurück, und niemand muss einen Koalitionsvertrag mit der Dunkelheit schließen.

In Sachsen-Anhalt könnte die Finsternis länger dauern.

Dort wird am 6. September gewählt, und wenn man den Umfragen glaubt, liegt die AfD bei rund 40 Prozent. Der Mond wäre dann nicht bloß vorübergehend vor der Sonne, sondern mit einer Magdeburger Wahlkampf-Heftpistole am Himmel festgetackert. Auf der Rückseite stünde vermutlich: „Die anderen sind schuld.“

Die spannende Frage lautet: Finden sich die Unzufriedenen nach einem Wahlsieg der Unzufriedenheitspartei plötzlich in der Zufriedenheit wieder?

Wohl kaum.

Denn die AfD lebt vom Dauergemecker wie ein Kohlekraftwerk von der Braunkohle. Würde sie die allgemeine Zufriedenheit erhöhen, entzöge sie sich selbst den Brennstoff. Also muss immer jemand schuld bleiben: Berlin, Brüssel, der Westen, die Presse, die Ausländer, die Windräder oder ersatzweise das Wetter. Und sollte tatsächlich einmal die Sonne scheinen, wird untersucht werden müssen, wer sie genehmigt hat.

Vier Jahrzehnte DDR hatten den Westen bereits zum amtlichen Schuldigen für beinahe alles erklärt. Natürlich ist dieser Reflex niemandem angeboren und schon gar kein unauslöschliches Schicksal der Menschen im Osten. Aber politische Gewohnheiten lassen sich bequem wiederbeleben. Man muss nur laut genug behaupten, früher sei alles übersichtlicher gewesen und heute stehe hinter jeder offenen Grenze ein potenzieller Feind.

Dagegen hilft offenbar nicht einmal die "Grüne Zitadelle" von Magdeburg. Friedensreich Hundertwasser hat dort Farben, goldene Kugeln, schiefe Fenster und Bäume auf die Dächer gesetzt, als hätte er der Stadt vorsorglich ein architektonisches Antidepressivum verschrieben. Doch gegen eine politisch organisierte Verdüsterung reicht selbst ein buntes Haus nicht aus. Wer unbedingt grau sehen will, betrachtet auch Hundertwasser durch die Schießscharte.

Sollte die wirtschaftliche Schwäche mancher Regionen tatsächlich eine Ursache des Frustes sein, wäre ausgerechnet die AfD eine bemerkenswerte Therapie. Das ist ungefähr so, als wolle man einen Platten reparieren, indem man die übrigen drei Reifen ebenfalls zersticht.

Raus aus dem Euro, raus aus der heutigen Europäischen Union, Grenzen hoch und anschließend verwundert feststellen, dass Waren, Investitionen und Arbeitskräfte nicht mehr so unbeschwert hereinkommen. Großbritannien hat mit dem Brexit bereits vorgeführt, wie man sich feierlich „die Kontrolle zurückholt“ und anschließend Handelshemmnisse und Wachstumseinbußen bekommt.

Auch die jüngste Rechnung des Wirtschaftsforschungsinstituts in Halle passt wunderbar zur Sonnenfinsternis: Im Wahlprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt klafft demnach eine Finanzierungslücke von mindestens 2,2 Milliarden Euro. Die Partei verspricht also einen strahlenden Morgen und liefert vorsorglich schon einmal ein nächtlich wirkendes Haushaltsloch dazu.

Und dann wären da noch die dringend benötigten Ärztinnen, Pfleger, Ingenieurinnen, Handwerker und Fachkräfte aus dem Ausland. Auch sie können lesen, Nachrichten verfolgen und Landkarten benutzen. Wer ihnen öffentlich das Gefühl vermittelt, in Dunkeldeutschland höchstens als Arbeitskraft, aber möglichst nicht als Mensch willkommen zu sein, darf sich nicht wundern, wenn sie eine Autobahnausfahrt früher oder später nehmen.

So könnte Sachsen-Anhalt am Ende genau das bekommen, wovor die AfD ununterbrochen warnt: weniger Wohlstand, weniger Fachkräfte, weniger Zukunft – aber dafür erheblich mehr AfD.

Die echte Sonnenfinsternis endet heute Abend von selbst. Die politische nicht.

Wer möchte, dass der Mond auf Jahre vor der Sonne festgetackert bleibt, kann am 6. September sein Kreuz entsprechend setzen. Danach sollte sich allerdings niemand darüber beschweren, dass es dunkel geworden ist.

Für die astronomische Sonnenfinsternis braucht man eine Schutzbrille.

Gegen die politische Finsternis helfen offene Augen.

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Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

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