Wahlsieger AfD Konsequenzen
Westdeutsche Fluchthilfe für Sachsen-Anhalt

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Westdeutschland hat jahrzehntelang Flüchtlinge aus der DDR aufgenommen. Der sogenannte antifaschistische Schutzwall konnte erfreulich oft überwunden, untergraben, überklettert oder mit selbst gebauten Ballons überflogen werden. Er schützte den Sozialismus bekanntlich vor allem vor den Sozialisten. Sie sollten bleiben, weil sie gehen wollten. Nach dem Fall der Mauer wurde es einfacher. Man brauchte weder Tunnel noch Fluchthelfer, sondern nur einen Trabant mit ausreichend Kühlwasser. Später öffnete sich Deutschland für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Afrika. Dann kamen Menschen aus der von Russland angegriffenen Ukraine. Deutschland lernte dabei mühsam: Flucht ist kein Reisevergnügen, sondern die letzte Antwort auf eine Heimat, die ihren Bewohnern das Leben unmöglich macht.

Nach der Landtagswahl am 6. September ist mit einer neuen Fluchtbewegung zu rechnen: aus Sachsen-Anhalt in den Westen. Diesmal kommen die Flüchtlinge nicht mit Plastiktüten vom Notaufnahmelager Marienfelde, sondern mit Doktortitel, Pflegeexamen und Laptop. Sie fliehen nicht durch Stacheldraht, sondern mit dem Regionalexpress aus Magdeburg. Noch fährt er. Nach Recherchen des Guardian erwägen bis zu 80 Prozent der Menschen mit Migrationsgeschichte, das Bundesland zu verlassen. Besonders bemerkenswert: 27,1 Prozent der Krankenhausärzte besitzen keinen deutschen Pass. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten.

Sollten diese Ärzte gehen, könnten die Kliniken endlich konsequent eingedeutscht werden. Deutsche Patienten lägen dann mit deutschen Krankheiten in deutschen Betten und warteten auf deutsche Ärzte, die leider nicht vorhanden wären. Auch in den Pflegeheimen ließe sich die kulturelle Reinheit erheblich steigern. Kein ausländischer Pfleger würde mehr eine deutsche Bettpfanne leeren. Sie bliebe einfach stehen. Das wäre zwar geruchlich gewöhnungsbedürftig, aber politisch einwandfrei.

Die AfD verspricht eine große „Remigration“. Das dürfte schneller funktionieren, als sie denkt. Denn zuerst gehen meistens nicht jene, die man mit großem Gebrüll hinauswerfen möchte. Zuerst gehen diejenigen, die eine Wahl haben: Ärzte, Wissenschaftlerinnen, Studierende, Pflegekräfte, Köche, Ingenieurinnen und Unternehmer.

Sie nehmen ihre Kenntnisse mit, ihre Steuern, ihre Kinder und ihre Zukunft.

Zurück bleibt das gute Gefühl, wieder unter sich zu sein.

Sehr unter sich.

Sachsen-Anhalt ist mit einem Durchschnittsalter von 48,2 Jahren bereits das älteste Bundesland. Daran lässt sich arbeiten. Wenn man genügend junge Menschen vergrault, könnte das Land schon bald geschlossen in den Ruhestand treten. Die Landesregierung müsste dann nur noch klären, wer den Rentenantrag bearbeitet. Vermutlich eine Sachbearbeiterin aus Syrien. Falls sie noch da ist.

Ich schlage deshalb vor, das westdeutsche Begrüßungsgeld wieder einzuführen. Es sollte an Bahnhöfen in Hannover, Dortmund und Frankfurt ausgezahlt werden: für jeden Arzt, jede Pflegerin, jeden Gastronomen und jede Studentin, die Sachsen-Anhalt rechtzeitig verlassen.

Die westlichen Bundesländer werden diese Flüchtlinge mit offenen Armen aufnehmen. Aus Mitmenschlichkeit selbstverständlich. Und ganz nebenbei, weil ihre Krankenhäuser Personal suchen, ihre Universitäten kluge Köpfe und ihre Restaurants Menschen, die nicht nur „Ausländer raus!“, sondern auch eine Speisekarte lesen können.

Vielleicht richtet Nordrhein-Westfalen sogar eine besondere Behörde ein: die „Zentrale Aufnahmestelle für politisch vertriebene Fachkräfte aus Sachsen-Anhalt“.

Dort könnte man den Ankommenden eine Tasse Kaffee, einen Arbeitsvertrag und eine kleine Broschüre überreichen: Willkommen im Westen.

Früher flohen Menschen aus dem Osten, weil ein Staat sie nicht gehen lassen wollte. Heute könnten sie fliehen, weil ein politisches Klima ihnen zu verstehen gibt, dass sie nicht bleiben sollen.

Das ist der Fortschritt: Für diese neue Mauer braucht man keinen Beton, keinen Stacheldraht und keine Wachtürme. Ein Wahlplakat, ein paar Remigrationsparolen und genügend Stinkefinger auf der Straße genügen.

Die Mauer steht diesmal nicht an der Grenze. Sie steht in den Köpfen.

Und wenn schließlich Ärzte, Pfleger, Studenten, Juden, Muslime, Geflüchtete und andere unerwünschte Mitmenschen gegangen sind, kann die AfD stolz verkünden, ihre Politik habe endlich gewirkt:

Sachsen-Anhalt ist sauber remigriert.

Nicht nur die Menschen sind fort.

Auch die Zukunft hat das Land verlassen.

Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

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