„Über den Tellerrand. Von Bayern in die Welt“
Neue Sonderausstellung im Museum im Wittelsbacher Schloss beschäftigt sich mit feinstem Porzellan und einem wichtigen Teil unserer Heimatgeschichte
- Fotomontage Geschirr: M. Greiner, www.schriftspur.de
- Foto: Fotos: Jörg Adam
- hochgeladen von Joachim Meyer
Feinstes Porzellan steht im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Über den Tellerrand. Von Bayern in die Welt“. Gleichzeitig erinnert sie im 80. Gedenkjahr an die Vertreibung der Sudetendeutschen: Die Schau erzählt die Geschichte einer 1946 aus ihrer böhmischen Heimat nach Bayern vertriebenen Familie, die dank hoher Spezialisierung, großem Fleiß und unbedingtem Willen, wieder Fuß zu fassen, von Bayern aus international erfolgreich wirken konnte.
Der Blick geht zunächst zurück in das Jahr 1921: Im berühmten Kurort Karlsbad trifft sich die europäische High Society zur Sprudeltrinkkur. Seit diesem Jahr vertrieb Josef Dutz (1887‒1955) elegante Mokkagarnituren und anspruchsvolle Geschenkartikel aus Porzellan. Nebenbei veredelte er feine Tafelporzellane in aufwendiger Ätzgoldtechnik. Das Geschäft blühte, doch mit dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich das Ende dieses Erfolgs ab. Die Vertreibung aus der Heimat führte zum Niedergang des Unternehmens. Die Familie wurde über Bayern zerstreut. Ein Familienzweig verblieb in der Oberpfalz, der andere kam in den damaligen Landkreis Friedberg und ließ sich schließlich in Haunstetten (heute Augsburg) nieder.
Stück für Stück wurde die Herstellung der Ätzgoldarbeiten wiederaufgebaut und die ursprüngliche Kollektion von Herbert Frank (geb. 1933), dem Enkel von Josef Dutz, erweitert und durch Handmalerei ergänzt. Es gelang, Kontakte zu Auftraggebern zu knüpfen, Fachmessen wurden beschickt und eine neue wohlhabende Kundschaft entstand – dieses Mal international. So wurden die hochwertigen Produkte schließlich über die Grenzen Europas hinaus in die damalige Sowjetunion, in den Mittleren und Fernen Osten sowie nach Übersee exportiert.
Um die Jahrtausendwende endete die Firmengeschichte, jedoch haben sich zahlreiche Porzellane und Dokumente erhalten. Darunter befindet sich ein Musterbuch mit Dekoren aus den 1920er Jahren. Zeitzeugeninterviews und eine Mitmachstation machen das existentiell bedrohliche Ereignis der Vertreibung aus der Heimat erfahrbar.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebildertes Begleitheft. Näheres zum Begleitprogramm unter www.museum-friedberg.de
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
ÜBER DEN TELLERRAND
Von Bayern in die Welt
4. Dezember 2026 bis 14. März 2027
Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg
Öffnungszeiten Museum und Café
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 bis 17 Uhr
Hl. Abend (24.12.), 1. Weihnachtsfeiertag (25.12), Silvester (31.12.), Neujahr (01.01.), Faschingsdienstag (09.02.) geschlossen.
Eintrittspreise Sonderausstellung und Museum
Erwachsene: 6,00 €, ermäßigt 5,00 €
Familien (zwei Erwachsene und minderjährige Kinder): 10,00 €
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei
Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg
Schlossstraße 21 ▪ 86316 Friedberg
Telefon: (0821) 6002-681
www.museum-friedberg.de ▪ museum@friedberg.de
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
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