"Ich bleib' dann mal daheim" (Teil 107)
„Da brach der Ast und der Michelbauer war gerettet“ – 230 Jahre Franzosenmarterl am Heimatshauser Weg
- Michlbauertafel und Pilgerwegtafel
- Foto: Dr. Hubert Raab
- hochgeladen von Joachim Meyer
EX VOTO
Anno 1796, den 24. August, dem Feste des heiligen Bartholomäus, ging der alte Michelbauer
Johannes Müller von Rettenberg nach Unsers Herrn Ruh` in die heilige Messe. Da kamen ihm,
von Friedberg her, vier französische Musketiere in den Weg und fragten ihn, ob das der
Weg nach Heimatshausen und Rettenberg sei, was der Michelbauer bejahte und ihnen den
Weg zeigte. Als diese fortgegangen waren, kamen von der Einöde Rettenberg drei franzö-
sische Husaren und fragten den Johannes Müller, ob dieser Weg Friedberg zugeht, was
er auch bejahte. Dann sagten diese: „Das ist nicht wahr, du bist ein Spion.“ Sofort sprang
ein Husar vom Pferd, langte einen Strick aus dem Mantelsack und hängte den Michel-
bauer an dieser Stelle an den Ast einer Eiche auf und ritten sogleich Friedberg zu.
Der alte Michelbauer rief in seiner Todesangst Unseren Herrn in der Ruhe und die
heilige Barbara, die Fürbitterin in Todesnöten, um Hilfe an. Da brach der Ast
und der Michelbauer war gerettet.
24. August 1796 – dies fatalis
Im 1. Koalitionskrieg (1792–1797) gelang den Franzosen am 24. August 1796 der Einfall nach Bayern. Nach der Überquerung des Lechs nahmen sie Friedberg ein. Am Bartholomäustag, dem 24. August, der als „dies fatalis“ in die Geschichte einging, plünderten die Franzosen die Stadt so arg, dass die Bürger nur noch das hatten, was sie am Leibe trugen. Da gelobte die Bürgerschaft einen Kreuzgang auf ewig („in perpetuum“) nach Herrgottsruh. Seit dieser Zeit wurde früher an diesem Tag der „Bartlmee-Gottesdienst“, der Pfarrgottesdienst mit Predigt und Amt, in Herrgottsruh abgehalten.
Wunderbare Errettung des Michelbauern
Nicht nur die Stadt, sondern auch die umliegenden Dörfer wurden geplündert und die Bürger misshandelt. Dabei machten umherstreifende Grüppchen das ganze Gebiet unsicher. Schlimm erging es dabei auch dem Michelbauern Johannes Müller von Rettenberg auf dem Weg nach Herrgottsruh. Ihn hängten drei französische Husaren an einem Eichenbaum auf. Da rief er in Todesangst Unseren Herrn in der Ruhe und die hl. Barbara um Hilfe an. Da brach der Ast und der Michelbauer war gerettet.
Johannes Müller, geboren am 18. Mai 1731 in Wulfertshausen, hatte zudem in seinem Leben viel Leid erfahren. Drei Ehefrauen musste er zu Grabe tragen, Anastasia (gest. 9. April 1759), Maria (gest. 21. Dezember 1770), Johanna (gest. ca 1779). Am 24. Juli 1789 hat er Klara Preymayr geehelicht. Woran die Frauen verstorben sind, hat der Pfarrer in den Matrikeln festgehalten. In Puerperio saepius periclitata tandem vitae naufragium passa est. (Im Kindsbett häufiger erkrankt hat sie endlich erduldet den Schiffbruch ihres Lebens.) Von seinen 10 Kindern blieben nur 2 am Leben. Johannes Müller Colonus de Rettenberg aetate confectus ist am 10. Oktober 1798 an Altersschwäche gestorben.
Franzosenmarterl am Heimatshauser Weg
Es kann angenommen werden, dass bereits der alte Michelbauer eine Votivtafel an der Stelle des Geschehens angebracht hat. Da sie zu Anfang des 20. Jahrhunderts in einem schlechten Zustand war, wurde sie 1928 „neu bemalt“. Sie wurde von vielen Leuten und auch von vielen Friedberger Schulklassen aufgesucht. Um die Mitte des Jahrhunderts stand die Eisenstange plötzlich ohne Bildtafel da. Lange war es Wunsch von Gabriele und Hubert Raab, die Tafel wieder anzubringen.
Im Jahre 1987 ließen der damalige Kulturreferent Reinhard Pachner, Bürgermeister Albert Kling und Gabriele und Hubert Raab das Marterl wieder auferstehen. Es fand sich ein altes Klassenfoto mit dem Marterl als Hintergrund. Hubert Raab fertigte an Hand dieses Fotos und aus der Erinnerung eine Zeichnung mit dem Geschehen an. Es wurde von Josef Michl vom Bauhof Friedberg ausgemalt, der auch das neue Marterl anfertigte und aufstellte. Ältere Friedberger Bürger bestätigten die Authenzität des Marterl. Pater Wolfgang Held segnete es. Die Stadt Friedberg pflanzte wieder eine Eiche und machte mit zwei Bänken den Platz zu einem Kulturdenkmal, der zum Verweilen und Nachdenken einlädt. Daneben steht eine von den Stelen mit geschichtlichen und meditativen Texten, die den 2010 von Gabriele und Hubert Raab initiierten Pilgerweg Herrgottsruh begleiten.
Mehr Info in „Sonntagswandern im Wittelsbacher Land“ S. 140 ff
und Typoscript zur Lehrerinformation „Die Geschichte von der Errettung des Michelbauern von Rettenberg“
Weglänge des Pilgerweges: ca. 6,7 km
Text: Gabriele und Dr. Hubert Raab
Fotos und Grafik: Dr. Hubert Raab
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
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