Ausgesetzter Papagei hat ein neues Zuhause
Vogel von der Stange? Von wegen!
- Fotografiert im Papageien-Park Bochum
- hochgeladen von Hildegard Grygierek
Manche Nachrichten gehen einem einfach nicht aus dem Kopf.
Da wird ein Papagei am Flughafen Düsseldorf in einer Damentoilette ausgesetzt. Zurückgelassen in einer Tasche, dazu eine vergammelte Banane - und das war es dann offenbar. Kein Zuhause, kein vertrauter Mensch, keine Erklärung.
Zum Glück blieb der arme Kerl, der versuchte sich durchzubeißen, durch die Tasche, nicht lange allein. Er wurde gefunden und kam in gute Hände. Gott-sei-Dank!
Als ich den Beitrag in der „Aktuellen Stunde“ sah, musste ich sofort an die Papageien in Bochum denken.
Denn wer den Papageienpark an der Castroper Straße kennt, der weiß - Papageien sind wirklich alles - nur keine Vögel von der Stange. Sie sind bunt, neugierig, schlau, eigenwillig, frech und manchmal einfach herrlich verrückt.
Da sitzt einer ganz unschuldig herum und beobachtet die Besucher. Der nächste scheint ganz genau zu wissen, was er will, und startet zum Direktflug - mit Landung auf der Waffel. Und wieder einer sieht so aus, als hätte er gerade nichts Gutes im Sinn.
Man kann ihnen förmlich ansehen, dass sie ihre eigene Meinung haben. Und die darf offenbar auch beim Essen nicht fehlen.
Waffeln zum Beispiel. Im Papageienpark gibt es ein "Café" und die gefiederten Bewohner haben offenbar durchaus Interesse daran, was dort auf den Tellern landet. Wer schon einmal erlebt hat, mit welcher Aufmerksamkeit manche Papageien eine Waffel betrachten, bekommt schnell den Eindruck, dass es sich hier nicht um ein beiläufiges Interesse handelt.
Hier wird verhandelt. Und zwar mit Nachdruck.
Überhaupt ist es faszinierend, diese wunderschönen Feder-Tiere zu beobachten. Sie haben Charakter – manche sind kleine Clowns, andere eher die stillen Beobachter. Bis sie plötzlich und unerwartet starten und, ehe man sich versieht, auf dem Kopf oder der Schulter landen. Einige wirken zutraulich, andere lassen einen sehr deutlich wissen, dass man ihnen bitte nicht zu nahe kommen soll. Jeder Vogel ist anders. Und genau das macht sie so liebenswert.
Im Papageienpark leben viele Tiere, die keine einfache Geschichte hinter sich haben. Manche wurden abgegeben, andere kamen aus schwierigen Verhältnissen. Hier bekommen sie Platz, Beschäftigung und vor allem die Gesellschaft anderer Papageien. Denn ein Papagei ist eben nicht einfach ein hübsches Tier, das man sich ins Wohnzimmer stellt.
Er möchte beschäftigt werden, er möchte Gesellschaft und er möchte Aufmerksamkeit. Und wie die meisten, möchten einige Exemplare ein Stück Waffel.
Da merkt man schnell, wie viel Persönlichkeit in so einem bunten Federkleid steckt. Vielleicht berührt mich die Geschichte vom ausgesetzten Papagei deshalb besonders - weil man bei einem solchen Tier nicht einfach sagen kann: „Dann ist er eben weg.“ Nein. Da sitzt ein Lebewesen, das Angst haben kann, das Vertrauen entwickeln kann, das neugierig ist, Freude empfindet und seinen ganz eigenen Charakter hat.
Umso schöner, dass dieser Papagei Menschen gefunden hat, die sich seiner angenommen haben. Ich habe mich über diese tolle Nachricht sehr, sehr gefreut.
Bürgerreporter:in:Hildegard Grygierek aus Essen |
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