Opern-Premiere in Essen: "Das Wunder der Heliane"
Opulentes Meisterwerk

"Das Wunder der Heliane", Oper in drei Akten von Erich Wolfgang Korngold, ist die erste Premiere der neuen Spielzeit im Aalto-Musiktheater, Szenenfoto mit Bettina Ranch (Die Botin, links), Astrid Kessler (Heliane, Mitte), Tilmann Unger (Der Fremde, hinten), Richter, Opernchor des Aalto-Theaters. | Foto: Alvise Predieri
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  • "Das Wunder der Heliane", Oper in drei Akten von Erich Wolfgang Korngold, ist die erste Premiere der neuen Spielzeit im Aalto-Musiktheater, Szenenfoto mit Bettina Ranch (Die Botin, links), Astrid Kessler (Heliane, Mitte), Tilmann Unger (Der Fremde, hinten), Richter, Opernchor des Aalto-Theaters.
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Nur selten gespielt wird die Oper "Das Wunder der Heliane" aus der Feder von Erich Wolfgang Korngold. Als erste Premiere der Spielzeit durfte sich nun das Publikum des Essener Aalto-Musiktheaters über die Inszenierung der mit dem Faust-Preis geehrten Regisseurin Elisabeth Stöppler freuen: Opulente Musik trifft auf ein reduziertes Bühnenbild in einer dystopischen Welt.

Generalmusikdirektor Andrea Sanguineti hatte die Idee, sich der ungewöhnlich intensiven Partitur anzunehmen und diese auf die Bühne zu bringen: "Sie ist so reich, so emotional und gleichzeitig so präzise geschrieben, dass sie regelrecht überwältigt."

Und so stand vor allem auch Korngolds Musik im Mittelpunkt der rund vierstündigen Vorstellung mit zwei Pausen. Großes Orchester, großer Opernchor und Ausnahme-Sängerinnen und -Sänger sind erforderlich, um dieses Werk überzeugend aufzuführen. Diese Übung ist perfekt gelungen.

Mit Astrid Kessler in der Titelpartie der Heliane ist dem Produktions-Team schon einmal ein Glücksgriff gelungen. Zuletzt war sie als Elisabeth in "Tannhäuser" am Aalto-Musiktheater zu erleben. Ensemblemitglied Heiko Trinsinger ist "Der Herrscher", als "Der Fremde" steht Heldentenor Tilmann Unger auf der Bühne, zudem Ensemblemitglied Bettina Ranch als "Die Botin".

Die Handlung: Heliane ist die Frau eines tyrannischen Herrschers, den sie nicht liebt. Ein Fremder kommt in das kalte, hoffnungslose Land, bringt Zuversicht und Freude. Für dieses Vergehen wird er zum Tode verurteilt. Heliane hat Mitleid mit dem Fremden, besucht ihn in der Nacht vor seiner Hinrichtung. Der Fremde und sie begegnen sich mit Menschlichkeit, Heliane tröstet seine Seele und erfüllt ihm drei Wünsche. Der Herrscher bezichtigt Heliane der Untreue und verurteilt auch sie zum Tode. Um Heliane zu retten, tötet der Fremde sich selbst. Der Herrscher schlägt seiner Frau einen grausamen Pakt vor: Wenn sie den Fremden von den Toten auferstehen lässt, wird sie begnadigt. Heliane gelingt die Erweckung nicht und sie ist bereit zu sterben. Wundersam erhebt sich dann aber der Fremde von den Toten. Die Macht des Herrschers zerbricht.

Die Oper, 1927 uraufgeführt, ist zeitlos. Regisseurin Elisabeth Stöppler lässt sie in einem unterirdischem Gefängnis spielen, in dem Wasser und Licht rar sind, Menschlichkeit und Liebe ebenso. Ein steriles, bedrückendes Bühnenbild (Katja Haß), bietet einen spannenden Kontrast zur spätromantischen, überbordenden Musik von Korngold, in der schon deutlich die Hollywood-Klänge des späteren Filmkomponisten zu hören sind, der für seine Filme "Ein rastloses Leben" und "Robin Hood - König der Vagabunden" zwei Oscars erhielt.

Zuvor hatte der österreichisch-amerikanischer Komponist, Dirigent und Pianist bereits mit seiner Oper "Die tote Stadt" aus dem Jahr 1920 auf sich aufmerksam gemacht als Vertreter der modernen Klassik. 1934 verließ er aufgrund der antisemitischen Lage Österreich, komponierte fortan in den Vereinigten Staaten Filmmusik - seine Opern gerieten lange Zeit in Vergessenheit.

Regisseurin Elisabeth Stöppler: "Für mich war die wichtigste Entdeckung, dass es sich nicht um eine Liebesgeschichte im klassischen Sinn handelt. Es geht um die große Frage nach der universellen, zwischenmenschlichen Liebe, um die Sprengkraft dieser Liebe innerhalb eines politischen Systems und um die Freiheit, die diese Liebe für alle bedeuten könnte".

Ungewöhnlich: Im Zentrum steht eine facettenreiche Frauenfigur, die für große Empathie und Menschlichkeit steht. Wie es das Produktions-Team zusammenfasst: Eine Frauenfigur zwischen Femme fatale, Maria Magdalena und Kindfrau.

Als Trigger-Warnung zur Aufführung ist zu lesen: "Die Inszenierung enthält, dem Libretto folgend, eine Nacktszene." Das mag nicht jedem im Publikum während der Premiere gefallen haben, zumal die Szene einige Minuten dauert, ist jedoch zentral für die Handlung und keinesfalls ein Skandal auf der Essener Opern-Bühne. Sehr souverän meistert Astrid Kessler die Aufgabe, einfühlsam von Regisseurin Elisabeth Stöppler in die Handlung integriert.

Ein Besuch einer der nächsten Vorstellungen von "Das Wunder der Heliane" kann uneingeschränkt empfohlen werden. Nach der erfolgreichen Premiere dürfte sich die Produktion schnell als Geheimtipp unter den Opernfans im Revier rumgesprochen haben.

Die nächsten Vorstellungen: 11., 17., 23., 31. Oktober; 31. November; 13. Dezember

Die nächste Premiere: "Anything Goes", Musical in zwei Akten von Cole Porter, am 21. November im Aalto-Musiktheater

Bürgerreporter:in:

Frank Blum aus Essen

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