Gabriele Krone- Schmalz
Von der Dreistigkeit, Fakten zu verdrehen (2/3)
- Drei Russland- Freundinnen
Gabriele Krone- Schmalz, Zaklin Nastic, Sahra Wagenknecht (v.l.n.R.) - Foto: Wikipedia CC BY- SA 4.0
- hochgeladen von Peter Gross
Am 02. Juni 2026 veranstaltete die mennonitische Gemeinde in Hamburg ein Forum in der Mennonitenkirche Hamburg- Altona mit Gabriele Krone- Schmalz als Gastrednerin.
Das Forum fand unter dem Titel
"Kriegstüchtig oder friedensfähig?
Eine Orientierungssuche"
statt.
Wer sich diese Rede anhören bzw. anschauen möchte, kann das hier tun.
Ich habe mir drei Stellen aus der Rede von Frau Krone- Schmalz herausgesucht, die ich- jeweils einzeln- in drei Beiträgen beleuchten werde.
Die zweite Textstelle lautet wie folgt:
Es wird zudem immer wieder behauptet, Russland habe 2008 Georgien angegriffen – mit dem Hinweis, die aktuelle Lage in der Ukraine sei nicht das erste Mal, dass Russland in ein anderes Land einmarschiert sei; man habe dies bereits in Georgien getan. Nein, das ist nachweislich nicht der Fall – eine Tatsache, die auch durch eine offizielle Untersuchungskommission der Europäischen Union bestätigt wurde. Es war genau umgekehrt: Georgien war der Aggressor. Das Land begann seine Militäraktion in der Nacht vom 7. auf den 8. August 2008 mit einer Großoffensive gegen die schlafende Zivilbevölkerung in Zchinwali, der Hauptstadt Südossetiens. Dabei setzte das georgische Militär Panzer, Kampfflugzeuge und verschiedene Raketenwerfer ein. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass dieser nächtliche Angriff 16 Zivilisten das Leben kostete – darunter auch Kinder. Erst danach reagierte Russland militärisch. Dennoch wird Russland – das nachweislich nur reagierte – in der westlichen Wahrnehmung zum militärischen Aggressor, während Georgien – der eigentliche Aggressor – zum Opfer stilisiert wird. Das passt schlicht besser in das gängige Feindbild. Damit Sie nicht glauben, ich würde unbelegbare Behauptungen aufstellen: Die genaue Chronologie und der historische Kontext sind in meinem Buch „Eiszeit“ nachzulesen – bei Bedarf können Sie dort gerne nachschlagen. Selbstverständlich inklusive Quellenangaben.
Das hat doch Charme, nicht wahr? Wer Zweifel an Krone- Schmalz' Ausführungen hegt, schaut einfach in ihrem Buch nach, um der Wahrheit näher zu kommen.
Narhallamarsch 🎵🎶🥳
Ich empfehle eher, sich der Wahrheit per eigener Recherche zu nähern. Denn dann ergibt sich ein völlig anderes Bild:
Der offizielle EU- Untersuchungsbericht zur Kaukasus-Krise (der sogenannte Tagliavini-Bericht) sowie zeithistorische Analysen halten fest, dass dem georgischen Angriff am 7./8. August 2008 eine jahrelange, systematische Eskalations- und Provokationspolitik seitens Russlands vorausging.
Moskau nutzte eine Kombination aus politischen, wirtschaftlichen und militärischen Nadelstichen, um Georgien unter Präsident Micheil Saakaschwili zu destabilisieren und zu einer unüberlegten militärischen Überreaktion zu verleiten.
Die wesentlichen russischen Provokationen lassen sich in vier zentrale Bereiche unterteilen:
1. Die „Passportisierung“ (Massenhafte Vergabe russischer Pässe)
Die Taktik: Seit den frühen 2000er Jahren verteilte Russland im großen Stil russische Pässe an die Bevölkerung in den abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien.
Das Ziel: Damit machte Moskau einen Großteil der dortigen Einwohner völkerrechtswidrig zu russischen Staatsbürgern. Dies diente später als rechtlicher Vorwand für die Invasion: Russland argumentierte, man müsse einmarschieren, um „russische Staatsbürger zu schützen“.
2. Militärische Aufrüstung und verdeckte Manöver (Frühjahr/Sommer 2008)
Truppenverstärkung: Im Frühjahr 2008 verstärkte Russland seine Truppenpräsenz in Abchasien massiv mit schweren Waffen, ohne Georgien oder internationale Organisationen zu informieren.
Abschuss von Drohnen: Im April 2008 schoss ein russischer Kampfjet eine unbemannte georgische Aufklärungsdrohne über abchasischem Gebiet ab.
Eisenbahntruppen: Im Mai 2008 entsandte Moskau rund 400 Soldaten einer Eisenbahneinheit nach Abchasien, um das Schienennetz strategisch instand zu setzen. Die Arbeiten wurden exakt eine Woche vor Kriegsausbruch abgeschlossen und ermöglichten den schnellen Transport russischer Panzer.
Das Großmanöver „Kaukasus 2008“: Im Juli 2008 hielt Russland ein riesiges Militärmanöver direkt an der georgischen Grenze ab. Nach dem Ende des Manövers wurden die Truppen nicht abgezogen, sondern blieben in Gefechtsbereitschaft an der Grenze stehen.
3. Schläge gegen die Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaftsembargo: Russland verhängte bereits 2006 ein Importverbot für georgischen Wein, Mineralwasser und Agrarprodukte, um die georgische Wirtschaft massiv zu schwächen.
Cyber-Angriffe: Unmittelbar vor und während der heißen Phase des Konflikts im August 2008 wurde Georgien das Opfer von koordinierten, massiven Cyber-Attacken (DDoS) auf Regierungs- und Banken-Websites, die mutmaßlich von Russland gesteuert wurden.
4. Zulassen und Anstiften von lokalem Beschuss (Der direkte Funke)
Eskalation Anfang August: In den Tagen direkt vor dem Kriegsausbruch (1. bis 7. August 2008) beschossen von Russland unterstützte südossetische Milizen systematisch georgische Dörfer rund um die Stadt Zchinwali und verletzten das Waffenstillstandsabkommen von 1992.
Tatenlosigkeit der Friedenstruppen: Die offiziell in der Region stationierten russischen „Friedenstruppen“ unternahmen nichts, um diesen Beschuss zu stoppen. Georgien sah sich mit einer schleichenden, faktischen Übernahme seines Territoriums konfrontiert, während gleichzeitig eine Evakuierung von südossetischen Zivilisten nach Russland anlief – ein starkes Signal, dass Russland den Krieg erwartete und vorbereitet hatte.
Fazit der Historiker
Russland baute über Monate eine gezielte Drohkulisse auf und schuf durch seine Stellvertreter in Südossetien eine unerträgliche Sicherheitslage für Tiflis. Der georgische Präsident Saakaschwili tappte schließlich in die „Kaukasus-Falle“: Er glaubte fälschlicherweise, durch einen schnellen militärischen Zugriff in Zchinwali vollendete Tatsachen schaffen zu können, bevor Russland reagieren würde. Genau auf diesen Fehler hatte Moskau gewartet, um seine bereits bereitstehende Invasionsarmee in Bewegung zu setzen.
Das alles vergisst Frau Krone- Schmalz zu erwähnen. Es ist offensichtlich, dass es ihr nicht um die Wahrheit geht, sondern um eine Erzählung, die Russland schützt.
Und Krone- Schmalz setzt sogar noch einen drauf:
Sogar der Internationale Gerichtshof in Den Haag wies am 15. Oktober 2008 einen Antrag Georgiens zurück, Russland zu verurteilen. Doch das interessiert heute niemanden mehr; es spielt schlichtweg keine Rolle mehr. Details und Fakten stören eben das Bild Russlands als Feind. Man muss eine Behauptung nur lange genug wiederholen, damit sie haften bleibt. Und das Schlimmste daran ist: Auf lange Sicht funktioniert das tatsächlich.
Ja, auf lange Sicht funktioniert das wirklich gut. Genau deshalb wiederholt Frau Krone- Schmalz ihre eigenen Behauptungen ja auch ständig in ihren Büchern und Referaten.
"Doch das interessiert heute niemanden mehr. Details und Fakten stören eben das Bild Russlands als Feind." ist ihr gespielt empörtes Fazit. Nicht ganz. Mich interessiert das sehr wohl und deshalb habe ich auch das angebliche Urteil des internationalen Gerichtshofs in Den Haag gecheckt:
Das zitierte Urteil stimmt so schon mal inhaltlich nicht für das genannte Datum.
Am 15. Oktober 2008 hat der Internationale Gerichtshof (IGH) den Antrag Georgiens auf Sofortmaßnahmen nicht zurückgewiesen. Stattdessen verpflichtete das Gericht an diesem Tag in einer einstweiligen Anordnung sowohl Georgien als auch Russland, jegliche ethnische Diskriminierung zu unterlassen und humanitäre Hilfe zuzulassen. Es handelte sich um eine Übergangsregelung.
Die Behauptung rührt von einer zeitlichen und inhaltlichen Vermischung der Ereignisse her. Der genaue Ablauf der Klage vor dem IGH stellt sich wie folgt dar:
Was geschah am 15. Oktober 2008 wirklich?
Einstweilige Anordnung: Georgien hatte am 12. August 2008 eine Klage eingereicht und kurz darauf Sofortmaßnahmen verlangt, um georgische Zivilisten vor Gewalt und Vertreibung zu schützen.
Die Entscheidung: Mit 8 zu 7 Stimmen ordnete der IGH am 15. Oktober 2008 vorläufige Maßnahmen an. Weil das Gericht zu diesem Zeitpunkt noch nicht final über die Schuldfrage entschied, sondern beide Konfliktparteien zur Mäßigung aufrief, wurde dies in manchen pro-russischen Medien fälschlicherweise als „Abweisung“ der georgischen Forderungen dargestellt.
Wann wurde die Klage abgewiesen?
Die tatsächliche Abweisung der Klage erfolgte erst knapp drei Jahre später, am 1. April 2011.
Der Grund: Der IGH wies die Klage aus formalen Gründen der Unzuständigkeit ab.
Die Begründung: Laut den Statuten des anwendbaren Abkommens gegen Rassendiskriminierung (CERD) hätten beide Staaten vor der Anrufung des Gerichts zunächst versuchen müssen, den Konflikt durch direkte Verhandlungen zu lösen. Da dies nicht ausreichend geschehen war, durfte der IGH den Fall inhaltlich nicht bewerten. Das Urteil war also kein Freispruch für Russland, sondern eine rein technische Zuständigkeitsentscheidung.
Wo wurde Russland tatsächlich verurteilt?
Wer nach einer völkerrechtlichen Verurteilung Russlands wegen des Krieges 2008 sucht, muss auf ein anderes Gericht blicken:
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg hat Russland im Januar 2021 und in Folgeurteilen (zuletzt im Jahr 2025) schwerer Menschenrechtsverletzungen für schuldig befunden.
Der EGMR verurteilte Russland zu Entschädigungszahlungen in dreistelliger Millionenhöhe an Georgien, da Moskau nach dem Waffenstillstand die Verantwortung in den besetzten Gebieten trug und Vertreibungen, Plünderungen sowie Folgelasten der Grenzabriegelung zuließ beziehungsweise nicht verhinderte.
Überflüssig zu erwähnen, dass Russland das Urteil missachtete und nie auch nur eine Kopeke an Georgien zahlte.
Ebenfalls überflüssig noch einmal darauf hinzuweisen, wie dreist Frau Krone- Schmalz die Wahrheiten verzerrt, um Russland gut aussehen zu lassen.
Bürgerreporter:in:Peter Gross aus Bochum |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.