Lokalernte statt Logistik-Wahnsinn:
Woher kommt das frische Gemüse auf dem Wochenmarkt?
- hochgeladen von Wolfgang Weiss
11.7.2026 Untermeitingen – Samstag früh, kurz nach halb sieben auf dem Rathausplatz: Während der Ort langsam erwacht, herrscht hier bereits geschäftiges Treiben. Die Sonne lacht, die ersten Marktstände werden aufgebaut – und mittendrin duftet es bereits nach frischen Erdbeeren, knackigen Gurken und erntefrischen Karotten.
Doch woher kommt das knackige Grünzeug eigentlich, das hier so appetitlich in den Auslagen glänzt? Wir haben beim Aufbau nachgefragt und mit Elisabeth Wolf vom Hofladen Wolf gesprochen, die jede Woche die Reise aus dem rund 30 Kilometer entfernten Friedberg aufs Lechfeld antritt.
Knallharte Frische: Gestern Abend noch auf dem Feld
Wer glaubt, das Gemüse liege vor dem Verkauf tagelang in Kühlhäusern, täuscht sich gewaltig. Auf dem Untermeitinger Wochenmarkt gilt das Prinzip: Vom Feld direkt in die Verkaufskiste.
• Der Erntezeitpunkt: Das gesamte Sortiment wird tatsächlich erst am Vorabend des Markttages frisch geerntet.
• Spätschicht für die Qualität: Gerade im Sommer bei hohen Temperaturen verschiebt sich die Ernte nach hinten, um die Pflanzen zu schonen. "Es ist oft 21 Uhr, bis wir die Ware frisch reinkriegen", verrät Elisabeth Wolf.
Genau dieser minimale Zeitverlust zwischen Feld und Ladentheke macht den Unterschied zum klassischen Supermarkt aus. Während dort die Ware erst über Großmarkthallen und Verteilzentren transportiert werden muss, punkten die Produkte hier mit maximalem Vitaminerhalt und vollem Geschmack.
Regionaler Anbau und ein starkes Netzwerk
Das Gemüse stammt aus zwei verlässlichen Quellen, bei denen Regionalität großgeschrieben wird:
1. Eigener Anbau: Ein beachtlicher Teil wird vom Hofladen Wolf direkt in Friedberg selbst produziert.
2. Regionale Partner: Was nicht selbst auf den eigenen Feldern wächst, wird von benachbarten Landwirten und kleinen Gärtnereien aus der Region zugeliefert.
Familienpower pur: Hinter dieser logistischen Meisterleistung steckt ein echter Familienbetrieb. Elisabeth Wolf, ihr Mann und die drei Kinder packen im Betrieb kräftig mit an. Unterstützt werden sie im Hofladen und bei den Märkten von wenigen Angestellten – klein, aber fein.
Generationen-Projekt Hühnerstall: Von Winzlingen und XL-Eiern
Neben dem bunten Gemüse hat die Familie Wolf auch ein ganz besonderes Herz für Federvieh. Zum Hof gehören insgesamt 900 Hühner, die in drei Altersgruppen von jeweils 300 Tieren aufgeteilt sind. Und jede dieser Generationen bringt ihre ganz eigenen logistischen und kulinarischen Besonderheiten mit:
• Die Jungen: Sie stehen am Anfang ihrer Legekarriere und produzieren noch sehr kleine Eier. Diese werden nicht stückweise, sondern kiloweise abgegeben. Für Bäcker und Hobbyköche daheim eine kleine Herausforderung, da man beim Rezeptieren etwas umrechnen muss!
• Die Mittleren: Hier ist alles in der sprichwörtlichen Mitte – die Eier haben die perfekte Standardgröße, die Schale ist stabil. Alles super.
• Die Ältesten: Die Seniorinnen unter den Hühnern legen zwar die begehrten, richtig großen XL-Eier, allerdings lässt mit zunehmendem Alter die Festigkeit der Schale nach. Die dünnere Schale ist für den Transport natürlich ein Wagnis und erfordert viel Fingerspitzengefühl.
Schichtdienst und Parasiten-Abwehr im mobilen Wagen
Untergebracht sind die drei Gruppen in hochmodernen, mobilen Hühnerwagen. Wer sich fragt, wie der Alltag der gefiederten Damen aussieht, stellt fest: Hier läuft alles nach einem cleveren, beinahe automatischen System.
Morgens um 10:00 Uhr öffnet sich die Stalltür und die Hühner dürfen hinaus ins Grüne. Doch woher wissen sie eigentlich, wann es Zeit für das Bett ist? Die Antwort ist verblüffend einfach: Sobald es abends dämmert und die automatische Beleuchtung am Hühnerhaus ausgeht, kehren die Tiere ganz von allein in ihren schützenden Stall zurück.
Das Beste an den fahrbaren Ställen ist jedoch der regelmäßige Umzug. Werden die Wagen auf einen neuen Bereich verschoben, hat das einen genialen biologischen Nebeneffekt: Auf den abgeernteten Flächen bleiben nicht nur ein paar Grashalme zurück, sondern die Hühner picken auch gründlich sämtliche Schädlinge und Ungeziefer wie Zecken oder Flöhe weg. Die Parasiten gucken am Ende sprichwörtlich in die Röhre und ärgern sich, dass ihr Wirt weitergezogen ist, während die Hühner frisch gestärkt weiterwandern und im neuen Areal wieder saftig frisches Grün genießen können.
Saisonale Vielfalt auf dem Markt
Wer den Stand besucht, merkt schnell: Hier bestimmt die Natur den Speiseplan. Aktuell lockt die absolute Hochsaison mit frisch gestochenen Karotten, Radieschen, knackigen Gurken und einer beeindruckenden Tomatenvielfalt – von der klassischen Fleischtomate über Ochsenherz und San Marzano bis hin zur tiefdunklen Sorte „Black Beauty“.
Und im Winter? „Da ist der Tisch nicht leer, aber das Sortiment ändert sich natürlich“, so Wolf. Dann dominieren verschiedene Kohlsorten wie Brokkoli, Lagergemüse wie Kartoffeln sowie eingelagerte Äpfel und Birnen den Stand.
Treue Stammkundschaft belohnt den Einsatz
Auch wenn der Wochenmarkt in Untermeitingen eher klein und beschaulich ist: Die Friedberger Familie kommt gerne. Vor Ort hat sich eine treue Stammkundschaft entwickelt, die die persönliche Atmosphäre, die kurzen Wege ,die Eier aus liebevoller Haltung und die kompromisslose Frische schätzt.
Für mich als Reporter heißt es jetzt nach diesem sympathischen Plausch: Erstmal eine Kiste frisch gepflückte Erdbeeren einpacken und die Ehefrau zu Hause überraschen. Einen schönen Samstag euch allen!
Bürgerreporter:in:Wolfgang Weiss aus Untermeitingen |
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