Freiwillige Feuerwehr Untermeitingen 2026
Ein starkes Familienfest
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Große Leistungsschau in Untermeitingen vereint Feuerwehr, Polizei, THW, Johanniter und Wasserzweckverband – Ein Blick hinter die Kulissen des Ehrenamts.
UNTERMEITINGEN. Es schüttet, es plätschert, es leuchtet blau und rot: Am heutigen Samstag, dem 11. Juli, hat sich das Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Untermeitingen ab 11:00 Uhr in eine beeindruckende Arena der Lebensretter verwandelt. Was als klassisches Familienfest der örtlichen Feuerwehr angekündigt ist, entwickelte sich rasch zu einer umfassenden Leistungsschau der gesamten „Blaulichtfamilie“ des Lechfelds. Die interessierten Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, um die imposanten Fahrzeuge aus nächster Nähe zu inspizieren, mit den Einsatzkräften ins Gespräch zu kommen und zu verstehen, wer im Ernstfall die sprichwörtlichen Kohlen aus dem Feuer holt. Ich war vor Ort und habe packende Stimmen, Zahlen und persönliche Einblicke gesammelt.
Der gastgebende Vereinschef: Jahrzehnte im Dienst der Gemeinschaft
Herr Grashei, Vorstand des Feuerwehrvereins der Freiwilligen Feuerwehr Untermeitingen, blickt auf eine beeindruckende Vita zurück. Seit September 1970 ist er Mitglied im Feuerwehrwesen – eine über 55-jährige Dienstzeit, die ihn über Stationen wie Gablingen und Schwabmünchen im Jahr 1979 nach Untermeitingen führte. Mehr als 45 Jahre leistete er aktiven Dienst, bevor er vor zehn Jahren die Führung des Vereins übernahm.
„Heute steht die Präsentation unserer Ausstattung und unserer Aktivitäten im Vordergrund“, erklärt Grashei sichtlich stolz. Neben den eigenen Fahrzeugen der Untermeitinger Wehr glänzen auf dem Platz ein riesiges Löschfahrzeug der Fliegerhorstfeuerwehr Lechfeld, schweres Gerät des Technischen Hilfswerks (THW) sowie Stationen der Johanniter und der Polizei. Graser räumt im Gespräch auch mit dem klassischen Mythos auf: „Wenn man an die Feuerwehr denkt, denkt man meist zuerst an Brände. Das hat sich massiv reduziert. Unser Schwerpunkt liegt heute ganz klar bei Verkehrsunfällen, also der technischen Hilfeleistung, sowie bei First-Responder-Rettungseinsätzen.“
Besonders beeindruckend ist die logistische Meisterleistung im Alarmfall: Sirenen heulen im Ort kaum noch – rund 95 Prozent der jährlichen ca. 60 Einsätze werden über stille Funkmeldeempfänger und Smartphones abgewickelt. „Spätestens nach zwei Minuten sind die ersten Helfer im Gerätehaus. Nach drei Minuten fährt das erste Fahrzeug vollbesetzt vom Hof“, so Graser. Angesichts der gesetzlichen Hilfsfrist von zehn Minuten ein beruhigendes Polster für die Lechfeld-Gemeinden, die gerade tagsüber aufgrund von Pendlerströmen personell eng zusammenarbeiten müssen.
Blau gegen Rot? Das Technische Hilfswerk klärt auf
Direkt gegenüber den roten Löschfahrzeugen zieht ein wuchtiges, tiefblaues Einsatzfahrzeug die Blicke auf sich. Hier steht Markus Wenzel, Gruppenführer der Bergungsgruppe beim THW Schwabmünchen. Auf die augenzwinkernde Frage, warum die blauen Autos besser seien als die roten, lacht er: „Die blauen Autos sind nicht besser, sondern anders. Das THW deckt ein ganz anderes Spektrum ab.“
Als bundesweit organisierte Katastrophenschutzbehörde des Bundes mit über 80.000 Ehrenamtlichen unterstützt das THW die örtliche Gefahrenabwehr der Bundesländer immer dann, wenn schweres Gerät oder langer Atem gefragt sind. Wenzel berichtet vom letzten Großeinsatz im nördlichen Landkreis: „Dort brannte eine Heuhalle mit 1200 Heuballen. Das war ein tagelanger Einsatz, bei dem wir mit schwerem Gerät aus verschiedenen Ortsverbänden das Heu Stück für Stück heraustransportiert haben, damit die Feuerwehr es im Freien löschen konnte.“ Mit rund 80 einsatzbefähigten Kräften und einer beachtlichen Jugendgruppe von 35 Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren ist der Ortsverband personell hervorragend aufgestellt.
Lebensretter im Minutentakt: Die First Responder der Johanniter
Ein weiteres zentrales Puzzleteil der Rettungskette bildet der First-Responder-Dienst der Johanniter-Unfall-Hilfe auf dem Lechfeld. Rettungssanitäter Levi, der hauptberuflich kurz vor dem Abschluss seines ersten Ausbildungsjahres zum Notfallsanitäter steht, erklärt das System, das komplett ehrenamtlich und unentgeltlich betrieben wird:
„Wenn der Notruf 112 abgesetzt wird, hat der reguläre Rettungsdienst oft längere Anfahrtswege, etwa aus Kaufering oder Landsberg. Hier springen wir ein. Wir überbrücken die kritische Zeit bei lebensbedrohlichen Zuständen wie Herzinfarkten, akuter Atemnot oder Bewusstlosigkeit. Letztes Jahr hatten wir rund 320 Einsätze – im Schnitt also fast jeden Tag einen.“
Die Einsatzbereitschaft wird über ein ausgeklügeltes Rotationsprinzip von ca. 6 bis 7 aktiven Fahrern gestemmt. Wer Dienst hat, nimmt das Blaulichtfahrzeug mit nach Hause. „Ich gehe ganz normal einkaufen oder koche. Wenn der Melder piepst, schmeiße ich mich in die Uniform und sitze binnen ein bis zwei Minuten im Auto“, schildert Levi die extreme Bereitschaft, die sich im Sommer besonders häufig bei hitgebundenen Kreislaufkollapsen bewähren muss.
Vermisstensuche im dichten Unterholz: Die Rettungshundestaffel
Ebenfalls bei den Johannitern engagiert sich Sandra als Hundeführerin. Zusammen mit ihrem vierbeinigen Partner „Theo“, der sich aktuell noch in der intensiven Ausbildung befindet, deckt sie ein riesiges Einsatzgebiet ab, das im Ernstfall bis nach Donauwörth reicht. Der Fokus liegt hierbei auf der sogenannten Flächensuche im Wald – beispielsweise nach vermissten Senioren oder verirrten Pilzsammlern.
„Im Gegensatz zu Mantrailern, die einer spezifischen Geruchsspur am Boden folgen, nehmen unsere Hunde den menschlichen Geruch allgemein aus der Luft auf“, erklärt Sandra das faszinierende Training. Der Hund spürt jede lebende Person im zugewiesenen Waldstück auf und verbellt diese so lange, bis die Hundeführerin zur Erstversorgung eintrifft. Für Sandra ein „super Hobby“, das sie nun seit drei Jahren mit Leidenschaft ausübt.
Trinkwasser aus der Notleitung: Der Wasserzweckverband Lechfeld
Dass Katastrophenschutz auch die grundlegendste Infrastruktur betrifft, bewies Christian Dobrindt, Werksleiter beim Wasserzweckverband Lechfeld. Er präsentierte einen imposanten, fahrbaren Containeranhänger, aus dem es munter plätscherte: Das mobile Trinkwasser-Notversorgungskonzept des Zweckverbandes, der die Gemeinden von Obermeitingen bis nach Oberottmarshausen versorgt.
„Bei einem schweren Rohrbruch oder Netzausfall können wir mit diesem desinfizierten und sofort einsatzbereiten Anhänger 2000 Liter Trinkwasser direkt in die betroffenen Gebiete bringen“, so Dobrindt. Im Ernstfall sieht das Konzept eine Abgabe von maximal 15 Litern pro Person vor, abgefüllt in spezielle, mitgeführte Trinkwasserbeutel oder mitgebrachte Gefäße. Begleitet wurde der Werksleiter vom 17-jährigen Auszubildenden Thomas, der die Fachausbildung zum Umwelttechnologen für Trinkwasserversorgung absolviert. Thomas zeigt sich begeistert von der Vielfalt seines Berufs: „Es fasziniert mich einfach, aus nächster Nähe zu sehen, wo das Wasser herkommt, mit dem man jeden Tag duscht und trinkt – und diesen Prozess für alle unsichtbar am Leben zu erhalten.“
Stimmen vom Biertisch: Was sagen die Bürger?
Was wäre ein Fest ohne seine Gäste dazu Pommes, Steaksemmel Getränken? Am Biertisch lausche ich den Meinungen der Untermeitinger Bürgerinnen und Bürger. Die Resonanz war durch die Bank weg voller Hochachtung. Eine Besucherin lobte sichtlich beeindruckt: „Es ist toll, dass überhaupt so ein enormer Aufwand betrieben wird, um die Sichtbarkeit zu erhöhen und den Leuten zu zeigen, was die freiwillige Feuerwehr überhaupt leistet.“
Ein älterer Herr fügte hinzu: „Gott sei Dank hat es bei mir noch nie gebrannt. Aber es ist ein unheimlich beruhigendes Gefühl zu wissen, wie schnell die da sind. Ich habe gehört, die brauchen nur 2 Minuten nach dem Alarm bis sie im Haus sind.“ Auch die exzellente Nachwuchsarbeit wurde hervorgehoben: „Es ist klasse, wie viel hier für die Jugend getan wird. Dass die Jugendlichen jeden Montag eine feste Anlaufstelle und ein echtes Zuhause im Feuerwehrhaus haben, ist einfach goldwert.“
Der Applaus aller war den Akiven sicher, als z.b. die Jugendfeuerwehr einen Einsatz auf dem Platz vor dem Feuerwehrhaus präsentierte.
Das Fest in Untermeitingen hat eindrucksvoll bewiesen, dass der Begriff „Blaulichtfamilie“ keine hohle Phrase ist. Wenn Zahnräder aus Ehrenamt, modernster Technik, Hundestaffel und Infrastruktur so reibungslos ineinandergreifen, können die Bürgerinnen und Bürger auf dem Lechfeld beruhigt schlafen – getragen von Menschen, die ihre Freizeit bedingungslos in den Dienst der Allgemeinheit stellen.
Vielen Dank den Aktiven für diesen tollen Tag.
Bürgerreporter:in:Wolfgang Weiss aus Untermeitingen |
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