Vom Landtag ins Rathaus
Brian Baatzsch über leere Kassen, belastende Dauerbaustellen und seinen Plan für einen Neustart der Verwaltung
- Brian Baatzsch, Bürgermeisterkandidat der SPD. Foto: © Wolfgang Decius
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Es ist ein bemerkenswerter politischer Spagat: Auf der einen Seite das ressourcenstarke Mandat im Niedersächsischen Landtag, auf der anderen der unbedingte Wille, als Verwaltungschef im Springer Rathaus die ganz konkreten Probleme vor der eigenen Haustür anzupacken. Der SPD-Abgeordnete Brian Baatzsch will genau diesen Wechsel vollziehen. Doch was treibt einen Landespolitiker dazu, die Bühne in Hannover gegen den kommunalen Härtetest einzutauschen?
In einem intensiven, zweistündigen Gespräch stellt sich der Bürgermeisterkandidat den drängendsten Fragen, die unsere Gemeinschaft aktuell bewegen. Das exklusive Interview führte Redakteur Wolfgang Decius. Ohne politische Floskeln geht es ans Eingemachte: Wie lässt sich der Wechsel vom profilierten Parteipolitiker zum neutralen Moderator aller Bürger glaubhaft meistern? Wie sieht ein tragfähiges Konzept gegen das schleichende Ausbluten der Infrastruktur in Bennigsen aus und wie rechtfertigt die Politik die nervenaufreibende Hängepartie an der L 460 im Bereich Osterland? Ein schonungsloser Dialog über den Mut zu unpopulären Entscheidungen, den umstrittenen Spagat der Zuständigkeiten im laufenden Wahlkampf und die gewaltige Herausforderung, das Vertrauen einer teils gespaltenen Gesellschaft in die Kommunalpolitik zurückzugewinnen.
1. Der Rollenwechsel (Landtagsmandat vs. Rathaus)
„Sie sitzen aktuell als Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag – ein Amt mit landesweitem Einfluss. Warum möchten Sie dieses Mandat gegen den Posten des Bürgermeisters in Springe tauschen? Böse Zungen könnten fragen: Ist das ein Rückzug aus der Landespolitik, oder sehen Sie als Verwaltungschef im Rathaus tatsächlich mehr echten Gestaltungsspielraum als im Parlament?“
Ich kandidiere jedoch aus Verantwortung für meine Heimat.
Ich komme aus Springe, meine Familie und ich leben hier und wir wollen auch in Zukunft hier leben. Deshalb stelle ich den Bürgerinnen und Bürgern ein Angebot vor, das Städte unserer Größe nur sehr selten bekommen und die Stadt Springe zuvor noch nie hatte. Sie haben die Möglichkeit, einen Bürgermeister zu wählen, der Erfahrung aus der Landespolitik, ein belastbares Netzwerk und direkten Zugang zu den Entscheidungsebenen in Hannover mitbringt.
Im Landtag kann ich gute Rahmenbedingungen mitgestalten. Als Bürgermeister kann ich jeden Tag ganz konkret etwas für die Menschen vor Ort verändern und genau diese unmittelbare Verantwortung reizt mich. Wenn ich dazu beitragen kann, Springe wieder mehr Perspektive zu geben, dann ist das für mich wichtiger als die nächste Stufe auf einer politischen Karriereleiter.
2. Parteiidentität vs. neutraler Verwaltungschef
„Als SPD-Landtagsabgeordneter stehen Sie für klare parteipolitische Linien und Positionen. Ein Bürgermeister muss jedoch Chef der gesamten Verwaltung sein und auch für die Bürger und Fraktionen als überparteilicher Moderator agieren. Wie wollen Sie glaubhaft diesen mentalen und strukturellen Wechsel vom profilierten Parteipolitiker zum neutralen Verwaltungschef vollziehen?“
Ein Bürgermeister muss für alle Bürgerinnen und Bürger da sein und das unabhängig davon, wen sie gewählt haben. Genau diese Haltung bringe ich mit. Denn auch als Landtagsabgeordneter habe ich mich nie in erster Linie als Vertreter einer Partei verstanden, sondern als Vertreter meines Wahlkreises und insbesondere meiner Heimatstadt Springe. Denn ich wurde mit einem deutlichen Ergebnis direkt in den Landtag gewählt und für dieses Privileg bin ich meinen Wählerinnen und Wählern bis heute dankbar.
Wer meine Arbeit genauer verfolgt, weiß, dass ich, wenn es um die Interessen von Springe ging, auch regelmäßig Positionen meiner eigenen Partei kritisch hinterfragt und vertreten habe, was ich für richtig hielt. So etwa aktuell beim Abstimmungsverhalten zum SPR-Kennzeichen auf der Regionsebene.
Viele dieser Auseinandersetzungen bekommen die Bürgerinnen und Bürger gar nicht mit. Das ist auch gut so. Mein Verständnis von Politik ist nicht, Konflikte öffentlich auszutragen oder Schlagzeilen zu produzieren. Mein Anspruch ist, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen und Lösungen zu erreichen, bevor Konflikte überhaupt eskalieren. Ohne diese beharrliche Arbeit hätte es beispielsweise kein neues Lehrschwimmbecken in Bennigsen gegeben. Und auch bei vielen anderen Projekten in Springe wären wir heute nicht da, wo wir sind. Das sind keine Erfolge einer Partei, sondern Erfolge für die Menschen vor Ort.
Genau diese Arbeitsweise braucht ein Bürgermeister. Es geht darum, zuzuhören, zu vermitteln, Mehrheiten zu organisieren und Entscheidungen zu treffen. Und eben das nicht für eine Partei, sondern für die gesamte Stadt. Politische Überzeugungen wird jeder Bürgermeister haben. Entscheidend ist, dass am Ende alle Bürgerinnen und Bürger darauf vertrauen können, fair behandelt zu werden, und dass ihre Anliegen im Mittelpunkt stehen. Dafür stehe ich nicht nur in Zukunft, sondern bereits seit vielen Jahren.
3. Finanzielle Abhängigkeit von Fördermitteln
Auf Ihrer Website betonen Sie Erfolge bei der Akquise von Landesmitteln. Etwa 3,8 Millionen werden für die Städtebauförderung oder Gelder für den Sport vor Ort ausgegeben. Fördermittel sind wichtig, kaschieren aber oft strukturelle Finanzprobleme von Kommunen. Wie sieht Ihr strategischer Plan aus, um Springe finanziell so aufzustellen, dass die Stadt handlungsfähig bleibt, falls die Fördertöpfe von Land und Bund in den nächsten Jahren schrumpfen?“
Es stimmt. Fördermittel sind wichtig, aber sie ersetzen in der Tat keine solide Finanzpolitik. Wer glaubt, man könne den Haushalt einer Stadt dauerhaft mit Förderprogrammen sanieren, irrt.
Mein Ziel ist es daher, Springe finanziell so aufzustellen, dass wir unsere Pflichtaufgaben zuverlässig erfüllen und gleichzeitig wieder Spielräume für Zukunftsinvestitionen gewinnen. Dazu gehören eine konsequente Prioritätensetzung, eine wirtschaftlich arbeitende Verwaltung und eine starke Entwicklung unseres Wirtschaftsstandorts, damit wir langfristig unsere eigenen Einnahmen stärken.
Fördermittel sind dabei ein Hebel. Nicht mehr und nicht weniger. Natürlich werden wir auch künftig jede sinnvolle Möglichkeit nutzen, aber erfolgreich Fördermittel einzuwerben ist kein Zufall. Man muss wissen, welche Programme es gibt, zu welchem Zeitpunkt Anträge gestellt werden müssen und wie Projekte so entwickelt werden, dass sie überhaupt förderfähig sind. Genau dieses Wissen und dieses Netzwerk bringe ich aus meiner Arbeit im Landtag mit.
Springe wird auch künftig Chancen nutzen können, die anderen Kommunen möglicherweise entgehen. Aber entscheidend bleibt, dass Fördermittel das Sahnehäubchen sind. Die Grundlage muss aber immer eine solide und vorausschauende Finanzpolitik sein.
4. Flächennutzung: Agrarschutz vs. Stadtentwicklung
„Sie befassen sich intensiv mit der Agrarstruktur (u. a. NASVG). Springe ist stark landwirtschaftlich geprägt, benötigt aber gleichzeitig dringend neue Wohn- und Gewerbeflächen, um wirtschaftlich attraktiv zu bleiben. Wie lösen Sie als Bürgermeister diesen fundamentalen Zielkonflikt zwischen dem Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen und dem Wachstumsdruck der Stadt?“
Natürlich braucht Springe neue Wohn- und Gewerbeflächen. Nur wenn Menschen zuziehen und Unternehmen investieren, sichern wir langfristig unsere Einnahmen und die Zukunft unserer Stadt. Genauso wichtig ist mir aber der Schutz unserer Landwirtschaft. Ich schätze die Arbeit unserer Landwirtinnen und Landwirte sehr und stehe mit vielen von ihnen im engen Austausch.
Deshalb setze ich auf Dialog statt Gegeneinander. Wachstum und Landwirtschaft schließen sich nicht aus, wenn man früh miteinander spricht und gemeinsam nach guten Lösungen sucht.
5. Kritik am Status Quo („Mein Plan für die Stadtverwaltung“)
„Sie haben das Thema ‚Mein Plan für unsere Stadtverwaltung‘ prominent platziert. Das impliziert, dass es aktuell erhebliche Defizite gibt. Wenn Sie nicht in politischen Floskeln antworten: Was läuft in der Springer Stadtverwaltung derzeit so falsch oder ineffizient, dass es zwingend Sie an der Spitze braucht, um es zu beheben – und warum konnten Sie das aus dem Stadtrat heraus bisher nicht lösen?“
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind nicht das Problem. Dort arbeiten viele engagierte Menschen. Aber gute Arbeit braucht gute Führung und klare Strukturen.
Ich habe mich intensiv mit Verwaltungsorganisation und modernen Steuerungsmodellen beschäftigt. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir gewisse Prozesse verbessern können, Verantwortlichkeiten klarer regeln und Entscheidungen schneller treffen können.
Mit mir wird es einen Bürgermeister geben, der für eine klare Kommunikation steht. Und ich möchte eine Verwaltungskultur schaffen, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Das macht eine Verwaltung schneller, bürgernäher und am Ende leistungsfähiger.
Als Ratsmitglied kann man Anregungen geben. Die Verantwortung für Organisation und Führung der Verwaltung trägt aber der Bürgermeister. Genau dort möchte ich ansetzen. Mit Mut und Tatkraft.
6. Transparenz vs. Verwaltungsrealität
„Sie legen großen Wert auf absolute Transparenz, veröffentlichen sogar Ihre Einkünfte und geben Ihre private Handynummer an. Als Bürgermeister werden Sie jedoch tagtäglich mit nicht-öffentlichen Verwaltungsvorgängen, vertraulichen Personalangelegenheiten und sensiblen Wirtschaftsdaten von Unternehmen konfrontiert. Wo stößt Ihr Transparenzversprechen in der Praxis an seine Grenzen, und wie erklären Sie das dann Ihren Wählern?“
Transparenz ist für mich eine Haltung und die Grundlage für Vertrauen. Deshalb werde ich auch als Bürgermeister offen erklären, wie Entscheidungen zustande kommen und wofür Steuergeld eingesetzt wird.
Natürlich gibt es gesetzliche Grenzen. Diese Grenzen werde ich selbstverständlich einhalten. Transparenz bedeutet nicht, alles öffentlich zu machen, sondern alles offenzulegen, was offengelegt werden darf und sollte.
7. Führungskompetenz und Change-Management
„Ein Bürgermeister ist nicht nur der erste Repräsentant der Stadt, sondern vor allem Chef von hunderten Mitarbeitenden. Kommunalverwaltungen leiden aktuell unter Personalmangel und einem enormen Digitalisierungsstau. Welche konkreten operativen Führungserfahrungen bringen Sie mit, um einen solchen Apparat nicht nur politisch zu leiten, sondern als echter ‚Change Manager‘ in die Zukunft zu führen?“
Führung ist für mich nichts Theoretisches. Bereits als Landtagsabgeordneter koordiniere ich als Chef erfolgreich mein Büro, welches mich bei meiner Arbeit als Landtagsabgeordneter unterstützt. Dabei kommt es nicht nur darauf an, mein Team organisatorisch anzuleiten, sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene die Kommunikation aufrecht zu erhalten und Konflikte kollegial zu lösen. Aber auch als Vorsitzender habe ich meine Partei mehrfach erfolgreich mobilisiert und hier vor Ort Verantwortung übernommen.
Veränderung braucht Mut, klare Ziele und die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen. Ich glaube, genau das bringe ich mit. Als jüngerer Kandidat verfüge ich über andere Netzwerke, einen modernen Blick auf Verwaltung und Digitalisierung und den Anspruch, Dinge wirklich anzupacken. Diese Erfahrung, Menschen zusammenzubringen, zu motivieren und Veränderungen zu gestalten, möchte ich jetzt als Bürgermeister für Springe einsetzen.
8. Ressourcentrennung im Wahlkampf
„Sie treten als Bürgermeisterkandidat an, während Sie ein voll bezahltes und ressourcenstarkes Landtagsmandat ausüben. Wie stellen Sie die strikte und saubere Trennung sicher, dass keine Ressourcen Ihres Landtagsbüros – sei es Personal, Infrastruktur oder Arbeitszeit – in Ihren rein lokalen Wahlkampf in Springe fließen?“
Die Trennung ist für mich selbstverständlich und glasklar. Für meinen Bürgermeisterwahlkampf werden keine Ressourcen des Landtags eingesetzt.
Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kandidieren selbst für den Rat und wir haben dafür eine klare Regelung getroffen. Wahlkampf findet ausschließlich außerhalb der Arbeit statt.
9. Der Spagat der Zuständigkeiten
„Ihr aktueller Wahlkreis umfasst nicht nur Springe, sondern auch Ronnenberg, Hemmingen und Wennigsen. Sie sitzen zudem in der Regionsversammlung. Wie stellen Sie im laufenden Wahlkampf sicher, dass Sie die Interessen der anderen Kommunen in Ihrem Mandat nicht vernachlässigen, weil Ihr Fokus nun fast ausschließlich auf dem Springer Rathaus liegt?“
Mein Landtagsmandat hat für mich bis zum letzten Tag höchste Priorität. Ich vertrete die Menschen in meinem gesamten Wahlkreis gerne und das in Springe genauso wie in Ronnenberg, Hemmingen und Wennigsen.
Natürlich ist der Bürgermeisterwahlkampf eine zusätzliche Belastung. Aber wer mein Arbeitspensum kennt, weiß, dass ich mein Mandat mit großer Ernsthaftigkeit ausübe. Es umfasst oft mehr als 80 Stunden pro Woche. Ich gehe dabei an meine Belastungsgrenze, weil ich den Menschen gerecht werden will. Und ich glaube, dass die Rückmeldungen aus allen vier Kommunen zeigen, dass mir das bisher gelungen ist.
10. Priorisierung bei knappen Kassen
„Jeder Bürgermeister möchte in Sport, Bildung und Infrastruktur investieren. Doch wenn die Konjunktur schwächelt, muss priorisiert werden. Angenommen, der Haushalt von Springe zwingt Sie zu harten Einschnitten: Wo setzen Sie in Springe den Rotstift an? Eine ‚Wir sparen überall ein bisschen‘-Antwort reicht hier nicht – welche Bereiche haben für Sie im Zweifelsfall Nachrang?“
Bevor ich den Rotstift bei Sport, Bildung oder Infrastruktur ansetze, werde ich alles dafür tun, neue Spielräume zu schaffen. Ich kenne viele Fördermöglichkeiten und Finanzierungsmöglichkeiten, die bislang nicht konsequent genutzt werden. Dafür braucht es Mut, Ideen und den Willen, neue Wege zu gehen.
Mein Anspruch ist nicht, Probleme zu verwalten, sondern sie zu lösen. Dafür bin ich auch bereit, die Extrameile zu gehen. Der öffentliche Dienst ist für mich Dienst am Bürger und genau so verstehe ich die Aufgabe eines Bürgermeisters.
Und um das konkret zu beantworten. Ich werde nicht bei den Zukunftsinvestitionen sparen wollen. Sport, Bildung und Infrastruktur sind die Grundlage dafür, dass Springe attraktiv bleibt. Wenn gespart werden muss, würde ich zuerst alle freiwilligen Ausgaben und internen Prozesse darauf überprüfen, ob sie effizient organisiert sind, bevor ich Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger einschränke.
11. Das „aussterbende“ Dorf: Infrastruktur und Nahversorgung
„Bennigsen hat rund 4.200 Einwohner, doch der Ort verliert zunehmend an lokaler Infrastruktur und droht schleichend zu einer reinen Schlafstadt zu veröden. Welche konkreten, zeitnah umsetzbaren und vor allem finanzierbaren Konzepte legen Sie auf den Tisch, um den Ortskern wiederzubeleben und die Nahversorgung dauerhaft zu sichern, anstatt die Bürger nur auf unbestimmte Zeit zu vertrösten?“
Ich habe in Bennigsen einen großen Teil meiner Kindheit verbracht. Deshalb liegt mir der Ort persönlich sehr am Herzen und ich wünsche mir, dass Bennigsen auch in Zukunft ein lebenswerter Ort mit einer funktionierenden Infrastruktur bleibt. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein, dass es längst nicht nur in Bennigsen eine Herausforderung ist, Geschäfte zu erhalten. Selbst in der Kernstadt Springe kämpfen viele Betriebe mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Deshalb wird es keine einfache Lösung für alle geben. Ich bin überzeugt, dass wir neue Konzepte brauchen. Dazu gehören die enge Zusammenarbeit mit Gewerbetreibenden, die aktive Ansprache potenzieller Investoren sowie die Prüfung neuer Nutzungsformen für leerstehende Immobilien. Die Kommune kann nicht jedes Geschäft retten, aber sie kann Rahmenbedingungen schaffen, damit sich Unternehmen ansiedeln und langfristig erfolgreich wirtschaften können. Genau diesen Weg möchte ich gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gehen.
12. Streitthema „Volkmisser Rehr“: Flächenversiegelung vs. echter Bedarf
„Das geplante Baugebiet ‚Volkmisser Rehr‘ sorgt am Süllberg für massiven Unmut – viele Bürger fordern eine intelligente Innenverdichtung statt einer weiteren Flächenversiegelung am Ortsrand. Wie positionieren Sie sich ganz klar zu diesem Projekt, und wie wollen Sie den Anwohnern erklären, dass hier auf der grünen Wiese gebaut werden soll, während im Dorfkern Potenzial für Nachverdichtung brachliegt?“
Ich kann gut nachvollziehen, dass viele Anwohner Sorgen haben und sich über ein neues Baugebiet Gedanken machen. Gleichzeitig gehört es aber zu den zentralen Aufgaben jeder Bürgermeisterin und jedes Bürgermeisters, neue Wohnbauflächen auszuweisen. Nur wenn Menschen neu zuziehen können, wächst eine Stadt. Das stärkt langfristig auch die Einnahmeseite der Kommune und schafft überhaupt erst finanzielle Spielräume für Investitionen in Schulen, Straßen, Vereine oder Infrastruktur.
Die häufig geforderte Innenverdichtung klingt auf den ersten Blick sinnvoll, ist in der Praxis aber oftmals deutlich schwieriger umzusetzen als ein neues Baugebiet. Eigentumsverhältnisse, Erschließung und die Akzeptanz im direkten Umfeld machen solche Projekte häufig sehr kompliziert. Ich bin allerdings auch kein Freund einer übermäßigen Verdichtung. Grundstücke, die Meter an Meter bebaut werden und kaum noch Freiflächen bieten, verändern aus meiner Sicht häufig das Ortsbild zum Negativen. Dort, wo Innenentwicklung sinnvoll möglich ist, sollte sie genutzt werden. Gleichzeitig werden wir aber auch künftig neue Wohngebiete benötigen, wenn sich unsere Stadt weiterentwickeln soll.
13. Dauerbaustelle L 460 (Osterland): Zeitplan und Planungsfehler
„Die Sanierung der L 460 im Bereich Osterland ist eine enorme Geduldsprobe für Anlieger und Gewerbetreibende. Können Sie heute ein verbindliches Datum benennen, wann diese Hängepartie endgültig beendet sein wird – und wie rechtfertigen Sie die fehlenden Parkbuchten an der Strecke, die für den Alltag der Anwohner und die Erreichbarkeit des Handels essenziell gewesen wären?“
Ich kann den Frust der Menschen sehr gut verstehen. Mich stört vor allem, dass immer wieder unterschiedliche Fertigstellungstermine genannt wurden und dadurch viel Vertrauen verloren gegangen ist. Ich selbst bin von dieser Baustelle ebenfalls betroffen und fahre fast täglich mehrfach durch diesen Bereich. Deshalb weiß ich aus eigener Erfahrung, welche Belastung die Situation für Pendler, Anwohner und Gewerbetreibende bedeutet. Als Bürgermeister werde ich zwar keine Landesstraße bauen können, aber ich werde gegenüber den zuständigen Behörden auf verlässliche Kommunikation bestehen. Wenn Termine genannt werden, müssen sie belastbar sein. Und wenn es Verzögerungen gibt, müssen diese offen und ehrlich erklärt werden. Genau diese Transparenz erwarte ich von einer Verwaltung.
14. Das nächste Verkehrschaos: Baustelle „Die Schille“
„Die Baumaßnahmen reißen nicht ab: Durch die Sanierungsabschnitte und das neue, groß angelegte Wohnprojekt kündigt sich im Bereich ‚Zur Schille‘ bereits die nächste massive Belastung an. Welchen verlässlichen Bau- und Verkehrslenkungsplan haben Sie parat, um ein erneutes Umleitungschaos zu verhindern und die Belastung für Anlieger und Pendler auf ein absolutes Minimum zu reduzieren?“
Die Verkehrssituation ist insgesamt eines der größten Probleme. Hinzu kommt, dass heute die meisten Menschen ihre Route über Google Maps oder andere Navigationssysteme wählen. Diese leiten den Verkehr häufig nicht so, wie es für die betroffenen Orte tatsächlich sinnvoll wäre. Hier stoßen Kommunen leider schnell an ihre Grenzen. Aus meiner Sicht müsste bundesweit gemeinsam mit den Anbietern solcher Navigationsdienste daran gearbeitet werden, Verkehrslenkungen und offizielle Umleitungen besser zu berücksichtigen. Vor Ort kann die Stadt selbstverständlich Baustellen besser koordinieren und möglichst vermeiden, dass mehrere große Maßnahmen gleichzeitig stattfinden. Aber langfristig brauchen wir auch Lösungen, die den digitalen Verkehr besser steuern und die Belastung für Anwohner reduzieren.
15. Politische Kultur: Plakatschmierereien und gespaltene Gemeinschaft
„Im aktuellen Wahlkampf wurden Ihre eigenen Plakate systematisch beschmiert und beschädigt – ein trauriges Indiz für die aggressive Stimmung und eine Verrohung der Debatte direkt vor unserer Haustür. Wie gehen Sie persönlich mit diesem Vandalismus um, und wie lautet Ihre konkrete Strategie als künftiger Bürgermeister, um die teils gespaltene Dorfgemeinschaft wieder an einen Tisch und zu einem sachlichen Dialog zu bringen?“
Die politische Kultur bereitet mir große Sorgen. Ich habe den Eindruck, dass unsere Gesellschaft insgesamt gespaltener geworden ist. Das zeigt sich leider auch im Wahlkampf. Ich weiß, dass ich polarisiere. Viele rechnen mir gute Chancen aus, gleichzeitig werde ich als Berufspolitiker oft in eine Schublade gesteckt und als jemand gesehen, der „von oben“ kommt. Das wird meiner Person und meiner Art zu arbeiten aus meiner Sicht aber nicht gerecht.
Natürlich empfinde ich es als ungerecht, wenn Plakate beschädigt oder Menschen persönlich angegriffen werden. Trotzdem gehört so etwas leider inzwischen zum politischen Alltag. Ich werde mich davon aber nicht von meinem Weg abbringen lassen. Ich stehe für Klarheit, Ehrlichkeit und einen respektvollen Umgang miteinander. Politik muss wieder stärker zuhören, unterschiedliche Meinungen aushalten und Menschen zusammenbringen. Genau dafür möchte ich als Bürgermeister stehen.
Bürgerreporter:in:Wolfgang Decius aus Springe |
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