Sind die Kinder bereit für das neue Schuljahr?

Noch ein paar Wochen, dann klingelt der Wecker wieder früh: pünktlich aufstehen, sich konzentrieren, stillsitzen, zuhören. Nach Wochen ohne festen Rhythmus ist das für viele Kinder ein spürbarer Umbruch.

Wie bereitet ihr euch als Familie darauf vor? Manche starten schon jetzt mit kleinen Ritualen, andere lassen die letzten Ferientage einfach noch auslaufen. Beides ist völlig in Ordnung – trotzdem stellt man sich als Elternteil oft die gleiche Frage: Ist mein Kind eigentlich bereit für den Schulstart?

Was „bereit sein“ wirklich bedeutet

Schulreife hat wenig mit Buntstiften und Schulranzen zu tun. Entwicklungspsychologisch sind es vor allem die sogenannten exekutiven Funktionen, die den Unterschied machen – also die Fähigkeiten, die es einem Kind erlauben, sich zu steuern:

Inhibitionskontrolle – Impulse zurückhalten, wenn Stillsitzen oder Zuhören gefragt ist
Arbeitsgedächtnis – sich mehrere Schritte einer Aufgabe merken
Kognitive Flexibilität – zwischen Aufgaben wechseln, ohne den Faden zu verlieren
Emotionsregulation – mit Frust umgehen, wenn etwas nicht sofort gelingt
Die Entwicklungspsychologin Adele Diamond, eine der meistzitierten Forscherinnen zu diesem Thema, zeigt in ihren Übersichtsarbeiten, dass genau diese Fähigkeiten im Grundschulalter noch stark formbar sind – und dass strukturierte Bewegungsprogramme sie gezielt fördern können (Diamond, 2012; Diamond & Lee, 2011).

Was die Forschung zu Kampfsport und Schulreife sagt

Kampfsport wird in der Forschung immer wieder gezielt untersucht, weil er mehrere Ebenen gleichzeitig anspricht: Bewegung, Regelverständnis, Selbstkontrolle und soziale Interaktion.

Selbstregulation: Eine vielzitierte Studie von Lakes und Hoyt (2004) verglich Grundschulkinder, die regelmäßig Taekwondo trainierten, mit einer Kontrollgruppe im klassischen Sportunterricht. Die Kinder in der Kampfsport-Gruppe zeigten deutlich stärkere Verbesserungen bei kognitiver Selbstregulation, emotionaler Kontrolle und im Klassenverhalten (Lakes & Hoyt, 2004, Journal of Applied Developmental Psychology).

Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen: Eine randomisierte Feldstudie von Ng-Knight und Kolleg:innen (2022) fand bei Kindern zwischen 7 und 11 Jahren nach einem strukturierten Taekwondo-Kurs messbar bessere Ergebnisse bei Aufmerksamkeitsaufgaben (Flanker-Test) sowie bessere Einschätzungen der Lehrkräfte zur Konzentrationsfähigkeit im Vergleich zu regulärem Sportunterricht (Ng-Knight et al., 2022, Developmental Psychology).

Übertragbarkeit auf die Schule: Eine aktuelle Querschnittsstudie an 8- bis 12-Jährigen fand bei Kindern mit regelmäßigem Kampfsporttraining bessere Werte in mehreren Bereichen der Exekutivfunktionen als bei Kindern ohne diese Praxis – unter anderem im Arbeitsgedächtnis und in der kognitiven Flexibilität (International Journal of Physical Education, Fitness and Sports, 2026).

Wichtig dabei: Die Forschung ist sich einig, dass es nicht am „Kämpfen“ an sich liegt, sondern an der Struktur des Trainings – klare Rituale, wiederholtes Einüben von Selbstkontrolle, respektvoller Umgang miteinander. Das deckt sich mit dem, was wir bei TOWASAN Woche für Woche vermitteln.

Drei konkrete Bausteine für den Schulstart

Unabhängig davon, ob und wo euer Kind trainiert, helfen diese drei Dinge erfahrungsgemäß beim Übergang in den Schulalltag:

Schlaf- und Aufstehzeiten schon jetzt schrittweise anpassen – nicht erst am Sonntag vor Schulbeginn, sondern über 1–2 Wochen langsam vorziehen
Einen festen wöchentlichen Termin außerhalb der Schule beibehalten oder neu einführen – ein Anker, der unabhängig vom Schulchaos stattfindet
Kleine „Ich kann das“-Erfolge einbauen – Aufgaben, bei denen das Kind merkt, dass Dranbleiben sich lohnt, z. B. beim Erlernen einer neuen Bewegung oder Technik

Ein Ankerpunkt für den neuen Rhythmus

Ein fester Termin in der Woche – unabhängig vom Schulalltag – kann genau dieser Anker sein, an dem sich Kinder in einer Phase vieler Veränderungen festhalten können. Wer mag, kann das gemeinsam mit einem vertrauten Gesicht ausprobieren: Ein kostenloses Probetraining bei TOWASAN ist eine unverbindliche Möglichkeit, das für die eigene Familie auszuprobieren.

Quellen
Diamond, A. (2012). Activities and Programs That Improve Children's Executive Functions. Current Directions in Psychological Science, 21(5), 335–341.
Diamond, A., & Lee, K. (2011). Interventions Shown to Aid Executive Function Development in Children 4 to 12 Years Old. Science, 333(6045), 959–964.
Lakes, K. D., & Hoyt, W. T. (2004). Promoting self-regulation through school-based martial arts training. Journal of Applied Developmental Psychology, 25(3), 283–302.
Ng-Knight, T., et al. (2022). Does Taekwondo improve children's self-regulation? If so, how? A randomized field experiment. Developmental Psychology, 58(3), 522–534.
International Journal of Physical Education, Fitness and Sports (2026). Association of Martial Arts and Executive Functions in Children Aged 8–12 Years: A Cross-Sectional Study.
Hinweis: Die zitierten Studien beziehen sich überwiegend auf Taekwondo und vergleichbare Kampfsportarten; die grundlegenden Wirkmechanismen (Struktur, Selbstkontrolle, Wiederholung) gelten disziplinübergreifend, eine 1:1-Übertragung auf jedes einzelne Programm ist wissenschaftlich nicht separat belegt.

Bürgerreporter:in:

Tobias Warzel

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