„Den Erlebnisraum Innenstadt weiter fördern“
Ein Interview mit Michael Vogt (Wirtschaftsförderung der Stadt Königsbrunn)
- Trafen sich zum Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern über die Frage, wie Firmen von Bürokratie entlastet werden können (v.l.): Wirtschaftsförderer Michael Vogt, 1. Bürgermeister Franz Feigl, Unternehmensberater Jörg Simm, Bürokratiebeauftragter der bayerischen Staatsregierung MdL Walter Nussel sowie BDS-Vorstandsmitglied Stefan Niederkron und Steuerberater Georg Büchele.
- Foto: Anke Maresch
- hochgeladen von Joachim Meyer
myheimat: Herr Vogt, Sie haben das Netzwerk „Deine Stadt – dein Business“ gestartet. In unserem letzten myheimat-Jahrbuch Interview sprachen Sie davon, dass Sie vor allem die Kontakte unter den Gewerbetreibenden fördern wollen. Netzwerktreffen sollen diesem Zweck dienen. Welche Bilanz ziehen Sie für das Jahr 2025 hinsichtlich Ihrer Bemühungen?
Unternehmer als wichtige Botschafter
für einen Wirtschaftsstandort
Michael Vogt: Unternehmerinnen und Unternehmer sind mit die wichtigsten Botschafter für einen Wirtschaftsstandort. Sie sind auf Messen vertreten, pflegen Kunden- und Lieferantenbeziehungen in alle Welt und sie schätzen eine gute Betreuung am Standort. Deshalb ist es wichtig, den Bezug zu Königsbrunn zu stärken. Die Netzwerktreffen sollen den Austausch untereinander fördern und durch Expertinnen und Experten einen echten informativen Mehrwert zu einem aktuellen Wirtschaftsthema bieten. So hatten wir beispielsweise den Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Bürokratieabbau, MdL Walter Nussel, zu Gast. Auch was die Unterstützung der Gründerinnen und Gründer anbelangt, bietet das neu geschaffene Format „Deine Stadt! Dein Business!“ eine wertvolle Plattform, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und von anderen Gründern zu lernen. Ob Unternehmensnachfolge, Fachkräftemangel, überbordende Dokumentationspflichten oder die Frage nach der richtigen Kundenansprache. Die Themen und Herausforderungen sind branchenübergreifend ähnlich.
myheimat: Ein seit vielen Jahren bekanntes Problem der Brunnenstadt ist die Tatsache, dass Königsbrunn über keine eigenen Flächen für das Gewerbe verfügt. Die Ansiedlung neuer Betriebe wird somit ausgebremst. Welchen Ausweg aus diesem Dilemma sehen Sie?
"Bei vielen Unternehmern ist eine gewisse
Investitionszurückhaltung zu spüren"
Vogt: Diese Frage gilt es differenziert zu betrachten. Es ist richtig, dass die Flächenverfügbarkeit auf der städtischen Angebotsseite eine Herausforderung ist, der sich die Stadt stellen muss. Neben der Ansiedlung neuer sind auch die Bedarfe bestehender Unternehmen im Blick zu halten. Beim Thema Ansiedlung stellt man sich zuallererst den großen Produktionsbetrieb vor. Das ist in der Realität eher die Ausnahme. Vieles, was an Flächen nachgefragt wird, bezieht sich nicht nur auf Gewerbegebiete, sondern auch auf den Handel, die Gastronomie oder Dienstleistungsunternehmen im Innenstadtumgriff.
Auch verändert sich die Nutzung von Bestandsobjekten, sodass beispielsweise eine Standortanfrage über ein freiwerdendes Fachmarktgebäude bedient werden kann. Hier ist die Wirtschaftsförderung in einem guten Austausch mit Immobilieneingentümern, um Leerstände möglichst kurz zu halten. Ferner ist insgesamt eine gewisse Investitionszurückhaltung bei vielen Unternehmen spürbar.
myheimat: Bürgermeister Franz Feigl betont in diesem Zusammenhang andere Aspekte der Wirtschaftsförderung und nennt das Ziel, Königsbrunn als Wohnort attraktiv zu halten. Das binde letztlich auch Unternehmen. Können Sie dieser Sichtweise etwas abgewinnen?
Vogt: Für einen attraktiven Standort braucht es neben vielen anderen Faktoren ganz klar auch ein Angebot an bezahlbarem Wohnraum. Da dieses gerade in den Städten knapp ist, denken mehr Unternehmen über eigene Betriebswohnungen nach, um Auszubildende und Fachkräfte zu gewinnen. Der Zusammenhang zwischen Wohnungsnot und Fachkräftemangel tritt immer offener zutage.
myheimat: Eng verknüpft mit dem Thema „fehlende Gewerbeflächen“ ist die Stagnation bei den Arbeitsplätzen. Seit 2020 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze kaum gewachsen. Wie kann man diesem Trend entgegenwirken?
"Künstliche Intelligenz ist gerade dabei, unsere
gewohnte Arbeitswelt auf den Kopf zu stellen"
Vogt: Allgemein kann man festhalten, dass der Standort durch seine gewachsene Struktur an inhabergeführten kleinen und mittelständischen Unternehmen aus den verschiedensten Branchen weniger krisenanfällig ist, als es mit einem großen zentralen Arbeitgeber der Fall wäre. Im Jahr 2024 gab es 7.312 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort Königsbrunn. Im Jahr 2020 waren es 7.273. Was die uns vorliegenden Zahlen nicht hergeben, ist das Ausmaß an unbesetzten sozialversicherungspflichtigen Stellen aufgrund von fehlenden Fachkräften gerade in der Gastronomie, im Handel, in der Pflege oder im Handwerk. Viele Branchen kämpfen weiterhin mit den Folgen der Corona-Pandemie sowie einer unsicheren globalen Lage. In der Automobilbranche, für die es auch hier am Standort einige Zulieferbetriebe gibt, sind die Beschäftigungszahlen zudem rückläufig. Und als wäre das noch nicht genug, ist Künstliche Intelligenz gerade dabei, unsere gewohnte Arbeitswelt auf den Kopf zu stellen. Ich vermute, dass das Ausmaß der künftigen Einsatzmöglichkeiten beispielsweise in der Programmierung oder in der Fertigung derzeit noch gar nicht in vollem Umfang absehbar ist. Hier werden wir im nächsten Jahr als Wirtschaftsförderung auch ansetzen, um Unternehmen aus Königsbrunn verstärkt mit dem Beratungsangebot des KI-Produktionsnetzwerks Augsburg zusammenzubringen.
myheimat: Ein kleiner Lichtblick am Ende des Tunnels könnte das Gebiet des Kieswerks der Klaus Hoch- und Tiefbau GmbH im Süden sein. Dafür wird ein Bebauungsplan erarbeitet. Welche Hoffnungen verknüpfen Sie mit diesem Areal?
Vogt: Nach den neuesten Richtlinien ist für das Projekt des Vorhabenträgers kein Bebauungsplan mehr erforderlich. Inwieweit hier noch zusätzliche Flächen für Dritte entwickelt werden, bedarf erst noch einer Klärung.
myheimat: Die Vorsitzende des BDS Gewerbeverbandes Königsbrunn, Carmen Strehle Schuler, lobte die Zusammenarbeit mit Ihnen. Können Sie das Kompliment zurückgeben?
Vogt: Der BDS Gewerbeverband und die Wirtschaftsförderung pflegen eine gute Zusammenarbeit. Gemeinsam konnten Aktionen wie die Netzwerktreffen oder erstmals die Niklausstiefel-Suche umgesetzt werden. Gerne gebe ich daher das Kompliment zurück.
"Ein Kfz-Kennzeichen ist mehr
als ein reines Nummernschild"
myheimat: Ein eigenes Kfz-Kennzeichen „KöB“ ist in der Bevölkerung und im Stadtrat populär. Inwieweit kann so ein neues Nummernschild identitätsstiftend wirken?
Vogt: Ein Kfz-Kennzeichen ist mehr als ein reines Nummernschild. „KöB“ als Kennzeichenoption würde die Wahrnehmung Königsbrunns stärken. Die Wiedereinführung der Altkennzeichen hat für die jeweiligen Städte einen emotionalen Impuls mit sich gebracht.
myheimat: Von politischer Seite wird angemahnt, Ideen für Betriebe zu entwickeln, die lange unter der Großbaustelle im Zentrum gelitten haben. Wie gehen Sie mit diesen Aufforderungen um?
Vogt: Mit der Fertigstellung des neu gestalteten Zentrums wird das Potential der Innenstadt greifbar. Wir haben erste Angebote wie die Anzeigenaktion zur Königsmeile, das Königsbrunner Weihnachtsfenster oder jüngst die Niklausstiefel-Aktion ins Leben gerufen, um die Sichtbarkeit und die Erlebbarkeit dieses Ortes zu fördern. Hierzu gehört auch die neue Weihnachtsbeleuchtung. Perspektivisch wollen wir in einem gemeinsamen Prozess mit den Händlern und den Gastronomen den „Erlebnisraum Innenstadt“ weiter fördern.
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
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