Ein Tierheim ist kein Gefängnis
Sabine Pollok über 20 Jahre myheimat und das Tagebuch des Tierheim Höchstädt

Sabine Pollok mit Katze Nele. | Foto: privat
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  • Sabine Pollok mit Katze Nele.
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Seit vielen Jahren ist Sabine Pollok eine feste Stimme der myheimat-Community in Dillingen – und eine, die hinschaut, wo andere gern wegsehen. Mit ihrem „Tagebuch des Tierheim Höchstädt“ erzählt sie vom Tierheim-Alltag, von Schicksalen, Hoffnung und Neuanfängen. Zum 20-jährigen Jubiläum von myheimat spricht sie darüber, wie alles begann, was sie bis heute antreibt – und warum Tierschutz für sie immer auch Menschenschutz und Zukunftsfrage ist.

myheimat: 20 Jahre myheimat – Sie sind Teil dieser Community: Wie und wann sind Sie zu myheimat gekommen, und was hat Sie damals überzeugt, selbst Beiträge zu schreiben?
Sabine Pollok: Mein allererster Bericht bei myheimat hatte tatsächlich nichts mit Tieren zu tun, sondern mit Tennis und meiner damaligen Tennismannschaft. Das war am 17. April 2007. Am 6. Juli 2007 kam dann der erste Bericht für das Tierheim Höchstädt – und so wurde das Tagebuch des Tierheim Höchstädt geboren. Ich wollte den Menschen da draußen das zeigen, was ich im Tierheim gesehen habe: keine schlimmen und bösen Tiere, sondern zum Teil gebrochene Seelen, Unglücksraben, dauerhafte Strahlemänner und echte Sonnenscheine – geschrieben von einem „Bewohner“ des Tierheims.

Heimatgefühl und Wirkung vor Ort
myheimat: Welchen Stellenwert hat myheimat für Sie heute – persönlich und in Ihrer Region Dillingen? Was kann myheimat, was andere Kanäle oder klassische Medien aus Ihrer Sicht nicht leisten?
Sabine Pollok: Ich glaube, dass die Menschen bei myheimat die Verbundenheit zu ihrer Heimat spüren. Viele Plattformen sind toll und funkeln, aber myheimat hat schon im Namen das, was sich alle wünschen und was immer mehr wert wird, wenn man es hat.

myheimat: Wenn Sie an 20 Jahre myheimat denken: Welche Begegnung, welcher Artikel oder welches Erlebnis ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben – und warum?
Sabine Pollok: Das kann ich gar nicht so festlegen. Sicherlich waren die vielen Auszüge, über die ich schreiben konnte, wahre Highlights – so waren aber auch die Verluste absolute Tiefpunkte. Ich glaube, es ist an sich das gesamte Paket: die Möglichkeit, dieses Tagebuch schreiben zu können.

Tierschutz erzählen – und Menschen erreichen
myheimat: Ihr Herzensthema sind Tiere und Tierschutz: Was möchten Sie mit Ihren Beiträgen über Tiere, Tierheim-Alltag oder konkrete Tierschutzthemen bei myheimat bewirken?
Sabine Pollok: Am Anfang wollte ich den Leuten im Landkreis nur erklären, dass sie ein Tierheim haben. Ich bin hier aufgewachsen und wusste bis 2006 nicht, dass es ein Tierheim im Landkreis Dillingen gibt. Dann habe ich zu Beginn meiner „Karriere“ im Tierheim einmal Zeitungen im Rathaus in Dillingen abgegeben – und die wollte keiner auslegen, weil das Tierheim doch „nur für Höchstädt“ zuständig sei. Es gab schon sehr viel Nichtwissen im Landkreis, und sehr viele Menschen waren der Überzeugung, dass Tiere in einem Tierheim einfach nur böse und aggressiv sind.
Ich wollte und will mit dem Tagebuch zeigen, dass jedes Tier, das in ein Tierheim einzieht, eine Geschichte hat – aber diese Geschichte nicht das Ende von allem sein muss. Ein Tierheim ist kein Gefängnis, es ist der Anfang und die Chance auf ein neues Leben. Tiere können das viel besser erkennen als Menschen, und genau das wollte ich mit dem Tagebuch zeigen.

myheimat: Was motiviert Sie dranzubleiben – auch bei schwierigen Themen im Tierschutz? Gab es Momente, in denen Sie gemerkt haben: „Genau dafür lohnt sich das Schreiben“?
Sabine Pollok: Jeder Kommentar, jeder gelesene Beitrag, jeder Besuch im Tierheim, der aufgrund des Tagebuchs passiert ist, ist der Grund, warum ich es schreibe. Jede Zeile, die ich schreibe, kann für ein Tier ein neues Leben bedeuten – und das ist das Ziel der Arbeit in einem Tierheim.

myheimat: Welche Rolle spielt myheimat für die Sichtbarkeit von Tierschutzthemen? Haben Sie erlebt, dass durch einen myheimat-Artikel Menschen aktiv wurden – z. B. durch Spenden, Adoptionen, Ehrenamt oder mehr Aufmerksamkeit?
Sabine Pollok: Ich denke, dass es heutzutage sehr wichtig ist, richtig über solche Themen zu berichten. Ein ausgestreckter Zeigefinger bewirkt beim Menschen kein Verständnis, sondern eher eine leicht bockige Haltung dagegen. Wenn man aber erklärt, warum Themen wichtig sind und was sich dahinter versteckt, dann erreicht man nicht nur den Kopf, sondern auch das Herz – und Tierschutz lebt nun mal sehr viel vom und mit dem Herz.
Ich weiß nicht sicher, wie viele Menschen wegen des Tagebuchs bei myheimat ins Tierheim gekommen sind, aber ich weiß, dass es ein paar waren. Und es ist auch schön, dass selbst Menschen, die nicht in unserem Landkreis leben, dem Tagebuch folgen und alle Einträge gelesen haben. Wenn das motiviert, sich für den Tierschutz einzusetzen, dann ist es für mich nicht ausschlaggebend, ob das bei uns im Tierheim passiert oder vor der eigenen Haustür – Hauptsache, es passiert.

myheimat: Blick nach vorn – myheimat nach dem 20. Geburtstag: Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre von myheimat (als Plattform und Community) – und welche Themen würden Sie selbst gerne noch stärker setzen?
Sabine Pollok: Nun, ich habe jetzt die Leitung des Tierheim Höchstädt übernommen. Das wird mein Leben sicherlich weiterhin stark beeinflussen, und ich möchte gemeinsam mit myheimat versuchen, das Bewusstsein der Einwohner des Landkreises Dillingen dahingehend zu schärfen, wie eng Tierschutz und Tierwohl mit unserem eigenen Wohlergehen verbunden sind. Tierschutz und Naturschutz gehen Hand in Hand.
Wir haben mit unserem Planeten Erde keinen Planeten B, auf den wir mal schnell abhauen können. So wie wir mit den Tieren umgehen, so gehen wir auch mit der Natur um, so gehen wir miteinander um – und das muss sich ändern. Ich benutze das Wort „muss“ nicht gerne, aber unser aller Verständnis für unsere Welt muss sich wieder ändern. Es geht nicht gegeneinander, denn damit zerstören wir den Planeten, auf dem wir leben. Jeder einzelne Mensch ist dafür verantwortlich, dass wir einen Ort zum Leben haben. Denn unsere Mutter Erde ist nicht dafür geschaffen, all unsere dummen Spielchen auszuhalten – und sie wird uns abstrafen, wenn wir nicht bald aufhören, uns wie dauerhaft verwöhnte Bälger zu benehmen.
Der Plan A ist, sich wieder mehr als Mensch zu benehmen. Der Plan B … nun, den gibt es nicht.

Das Interview für myheimat führte Florian Handl

Sabine Pollok mit Katze Nele. | Foto: privat
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