Rumpelstilzchen
Trump ärgert sich erneut über Vergabe des Nobelpreises

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Die "myheimat"-Bürgerreporterin Barbara Steffens hat in ihrem Kommentar zu meinem Artikel über die Verleihung des Nobelpreises das passende Bild gefunden: Trump führe sich auf wie ein Kind, das beim „Mensch ärgere dich nicht“ verloren hat und sämtliche Spielfiguren umwirft. Man sieht ihn förmlich am Tisch sitzen: Alle anderen haben geschummelt, der Würfel ist linksradikal, und die Spielanleitung muss dringend unter amerikanische Kontrolle.

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die südafrikanische Juristin Navi Pillay, die sich jahrzehntelang für Menschenrechte und internationale Gerechtigkeit eingesetzt hat. Für solche Tätigkeiten bekommt man gelegentlich einen Friedenspreis. Trump scheint das für einen Fehler im Geschäftsmodell zu halten. „Ich habe noch nie von dieser Person gehört“, erklärte er bei seiner Wahlkampfrede in Syracuse. Niemand habe das.

Eine bemerkenswerte Auskunft. Der Präsident veröffentlicht eine Bildungslücke und erklärt sie umgehend zum Zustand der gesamten Menschheit. Was in seinem Kopf keinen Platz gefunden hat, darf auch außerhalb seines Kopfes nicht vorkommen. Die Weltgeschichte ist offenbar eine Gästeliste. Wer Donald nicht persönlich vorgestellt wurde, hat nichts geleistet.

Dabei fällt mir ein Gedicht ein, das meine Tochter mit fünf Jahren spontan erfand, als sie in der Badewanne saß:

Seife sprach: „Ich kenne dich!“
„Wie heiß’ ich denn?“

„Das weiß ich nicht.“
„Dann kennst du mich auch nicht!“

Vier Zeilen, ein Stück Seife, eine saubere Unterscheidung zwischen Wissen und Behaupten. Meine Tochter hatte damals weder einen Regierungssprecher noch einen eigenen Fernsehsender. Sie hatte auch keinen dicken Textmarker so wie Trump. Sie konnte nicht einmal ihre Unterschrift so hinhauen wie der geübte Trump. Aber ich hatte immer einen kleinen Stenoblock in meiner Hosentasche. 

Wahrscheinlich hatte meine Frau ihr am Abend zuvor Rumpelstilzchen vorgelesen. Auch dieses Märchen hilft beim Verständnis amerikanischer Außenpolitik. Beim Rumpelstilzchen löst der entdeckte Name einen Wutanfall aus. Bei Trump genügt schon ein Name, den er nicht kennt. Dann wird gestampft, gedroht und die Umgebung für das eigene Unglück verantwortlich gemacht.

Schon am 18. Januar 2026 schickte Trump Norwegens Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre eine Nachricht: Weil sein Land ihm den Friedensnobelpreis vorenthalten habe, fühle er sich nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken. In derselben Nachricht verlangte er die vollständige Kontrolle über Grönland.

So klingt ein Friedensstifter, dessen Belohnung ausgeblieben ist: Dann nehme ich mir eben eine Insel.

Støre musste erklären, dass ein unabhängiges Nobelkomitee den Preis vergibt. Die norwegische Regierung entscheidet darüber nicht. Offenbar ist es schwer, einem Mann Zuständigkeiten zu erläutern, der die Welt grundsätzlich für seinen Zuständigkeitsbereich hält.

Jetzt beschimpft Trump die aus seiner Sicht nicht wirklich noblen Verantwortlichen in Oslo als „Feinde der Zivilisation“ und droht: „Wir werden das nicht vergessen, Norwegen.“ Man hört förmlich, wie im Hintergrund Melania wütend und entschlossen wieder die Tabellen für Strafzölle hervorkramt.

Besonders verblüffend ist Trumps Sorge um die Zivilisation. Am 7. April hatte Trump dem Iran noch angekündigt, eine ganze islamische Zivilisation werde in jener Nacht sterben, falls keine Einigung mit den USA zustande komme. Im Oktober ordnet er nun Norwegen als Feind der Zivilisation ein. Womöglich nimmt er bald aus Strafe Grönland, Island und Norwegen als Bundesstaaten der USA auf und nennt das Nordmeer "Mare Donaldicum"? Vielleicht versteht er unter Zivilisation hauptsächlich die untertänige Ausgabe goldener Medaillen an Donald Trump.

Wenn’s nicht so traurig wär’, müsste man heftig lachen. Das Rumpelstilzchen konnte sich am Ende wenigstens nur selbst zerreißen. Beim amerikanischen Präsidenten steht erheblich mehr auf dem Spiel.

Meine Tochter spielte damals in der Badewanne. Trump spielt mit der Welt.

Und leider sind seine Spielfiguren Menschen.

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Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

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