Mein Gladenbach
Vom Schwesternwohnhaus zur Diakoniestation

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Diakonie, was ist das eigentlich? Diakonie (altgriechisch: diakonos = Dienst) als Ausdruck der Nächstenliebe hat es schon immer in der christlichen Tradition gegeben. Schon die ersten Christen der Urgemeinde im ersten Jahrhundert praktizierten diesen Auftrag und kümmerten sich um in der Gesellschaft vernachlässigte Menschen wie Witwen und Waisen.

In Europa hatte sich gegen Ende des 12. Jahrhunderts eine breite religiöse Armutsbewegung etabliert, bekannt durch die Beginen, eine Gemeinschaft von Laienschwestern ohne Orden.
Ebenfalls ein Vorbild aus dem frühen Mittelalter für selbstlosen Dienst am Nächsten ist Elisabeth von Thüringen, die als Landgräfin in Marburg allem Prunk entsagte und ihr Leben den Armen und Kranken widmete.

In Deutschland hat der Gedanke der Diakonie als organisierte Einrichtung eine wechselhafte Geschichte verschiedenster Initiatoren. In Nürnberg entstanden 1824 zum Beispiel Rettungshäuser für Kinder. Es gab zudem das Kaiserswerther Modell, das Theodor Fliedner, evangelischer Pastor und Sozialreformer, 1836 mit seiner Frau Friederike als erste Diakonissenanstalt in Kaiserswerth gründete.

Einen wesentlichen Neuimpuls erhielt die Diakonie durch Johann Hinrich Wichern, einem bedeutenden deutschen Theologen, Sozialpädagogen und Gefängnisreformer. Der christliche Glaube und die Liebe, die die Kirchen predigten, sollte sich mehr in der Tat an Notleidenden zeigen:
"Diese Liebe muss in der Kirche als die helle Gottesfackel flammen, die kund macht, dass Christus eine Gestalt in seinem Volk gewonnen hat." (Zitat Wichern)  

Die Geschichte der organisierten Diakonie
begann mit dem ersten Evangelischen Kirchentag 1848 in Wittenberg.
Auf Wicherns Engagement hin wurde in in einer Zeit großer sozialer Not in der Bevölkerung, der "Central-Ausschuß für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche" gegründet.

Mit der Gründung der Diakonie 1849 
entstand der Dienst und das Arbeitsfeld der Diakonissen, die ehelos in einer Glaubensgemeinschaft lebten, getragen vom Mutterhaus. Sie erhielten eine pflegerische Grund- und später auch theologische Ausbildung.
Ein Beispiel ist auch das Diakoniekrankenhaus in Marburg Wehrda. Im Jahr 1939, wurden Teile des Diakonissen-Mutterhauses Hebron geräumt und als Hilfslazarett für verwundete Soldaten genutzt. Aus dieser Nutzung entwickelte sich das heutige Diakonie-Krankenhaus.

Hier im Hinterland war es früher üblich, dass in den einzelnen Ortschaften eine eigene Gemeindeschwester oder Gemeindepflegerin, bereitgestellt von den diakonischen Organisationen der Kirchen oder Freikirchen, tätig war, die auch vor Ort lebte. Mit dem "Schwesterngeld" konnte man einen freiwilligen Beitrag zur Finanzierung leisten. Ihr Aufgabengebiet war meist ausgedehnt und umfasste auch kirchliche Kinder- und Frauenarbeit. Mit der Zeit wurde diese Art der Versorgung rückläufig.

Seit dem 1. April 1978 gibt es als Folgemodell, die Diakoniestation Gladenbach in der Wilhelmstraße. Die Entstehung ist dem Engagement von Bürgermeistern, Pfarrern und dem Dekan des Dekanates Gladenbach zu verdanken. Das ehemalige "Schwesternhaus" der Diakonissen beherbergt heute die Beratungsstelle. Das Mitarbeiterteam besteht aus examinierten Pflegekräften und unterstützt hilfebedürftige und Rat suchende, kranke und pflegebedürftige Menschen. Dabei gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den mobilen Krankenpflegediensten. Das Leistungsangebot geht von Beratung über Betreuungs- und Pflegeleistung bis hin zur Sterbebegleitung. Durch den Zusammenschluss zahlreicher Orte im Umkreis wurde die Diakoniestation Gladenbach flächenmäßig zu einer der größten Diakoniestationen der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau.

Das schöne historische Gebäude enthält nach einer Renovierung die Büroräume der Verwaltung. Das Treppenhaus im Innenbereich ist noch original erhalten. Der äußere Aufgang wurde um eine Auffahrt für Rollstuhlfahrer erweitert. Um sich zu informieren, ist man in den Öffnungszeiten willkommen und so konnte ich auch einen kleinen Plausch mit den freundlichen Mitarbeitern halten.

Öffnungszeiten: Montag - Freitag  08:00 - 16:00 Uhr

Weiteres zu Gladenbach:
Mein Gladenbach

Bürgerreporter:in:

Nelia G

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