Trommelklänge und Göttergespräche
Voodoo trifft auf katholische Kirche in Friedberg
- Brigitte Bollinger (2.v.l.) und Vincent Semenou (3.v.l.)
- hochgeladen von Joachim Meyer
Ein ungewöhnliches spirituelles Erlebnis bot sich rund 100 Gästen im Begegnungscafé Divano, als die katholische Pfarrei gemeinsam mit dem Städtepartnerschaftskomitee Friedberg/Zafi am 17.5.2025 zu einer Voodooveranstaltung mit dem Theologen Vincent Semenou aus Zafi (Togo) einlud.
Eine kleine Einführung in die Welt des Voodoo
Sobald die ersten Trommelrhythmen erklangen, kehrte andächtige Stille ein. Vincent Semenou, Enkel eines Medizinmannes, Voodoo-Priesters und Häuptlings, führte die Anwesenden in die Welt des Voodoo ein – eine Religion, die in Benin, Ghana und Togo tief verwurzelt ist und auch in der Karibik, etwa in Haiti und Kuba, praktiziert wird. Der Begriff "Voodoo" bedeutet "Voo-" Frei und "Doo-" Volk: „Das Volk wird befreit“.
In Naturkräften wird der Geist sichtbar
Zur Darstellung von Voodooritualen sprach Semenou in einer rituellen Sprache zu den Göttern, besprengte die faszinierten Zuhörer mit einem Federbusch und tanzte zu den rhythmischen Klängen der Trommeln. Im Gegensatz zum üblichen Klischee, nach dem Voodoo gleich mit Puppenstechen assoziiert wird, stammt die Voodoo-Religion, so Semenou, aus dem Animismus, der in jeder Kultur zu finden ist und in jeder Wirklichkeit einen innewohnenden Geist verehrt. In Naturkräften wird dieser Geist insbesondere sichtbar und muss oft durch Opfergaben besänftigt werden. Puppenstechen gehöre aber zur Schwarzen Magie, die von manchen Voodoo-Priestern missbraucht wird.
Bedeutung des Ahnenkults in Afrika
Semenou erläuterte auch den Ahnenkult, der in vielen afrikanischen Kulturen eine bedeutende Rolle spielt. Die Geister der Verstorbenen werden verehrt und gelten als Beschützer der Familie. Es wird geglaubt, dass Ahnen in den Nachkommen weiterleben und das Wohl der Gemeinschaft beeinflussen können.
Ein weiteres Thema war der Fetischmarkt von Lomé. In Togo befindet sich der weltweit größte Voodoo-Markt, der von den Touristen bewundert wird.
Vincent Semenou beantwortete Fragen
In der anschließenden Fragerunde beantwortete Semenou kompetent die Fragen der Anwesenden. Er wies darauf hin, dass die Globalisierung traditionelle Naturreligionen unter Druck setzt. Früher wurden Götter in Bäumen, Flüssen oder dem Meer verehrt, und Menschen versuchten, sie mit Opfergaben zu besänftigen. Auch aus Judentum kennen wir den Begriff "Sündenbock", erläuterte Semenou in diesem Zusammenhang.
Meistens praktizieren die Gläubigen in Afrika sowohl die Voodoo Religion als auch das Christentum (Synchronismus). Insofern Ist die Voodoo-Religion eine polytheistische Religion und kann nicht mit dem Christentum vermengt werden.
Förderung des interkulturellen Austauschs
Semenou hofft, dass durch solche Veranstaltungen ein interkultureller Austausch gefördert wird und gegenseitiges Verständnis wächst. Er lud die Gäste herzlich zur nächsten Veranstaltung ein:
"Tanz der Kulturen" am 6. September 2025 von 15 bis 17 Uhr
im Wittelsbacher Schloss
Diese Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Zafi-Komitee und der Stadt Friedberg statt. Es werden Tänze aus aller Welt präsentiert – ein Fest der Vielfalt und des Miteinanders.
Im Anschluss an Semenous Vortrag folgte unter den Besuchern ein reger Austausch, während sie sich mit den von den Komiteemitgliedern und afrikanischen Freunden/innen von Vincent Semenou zubereiteten köstlichen Speisen stärken konnten. Text und Bilder: Brigitte Bollinger/Vincent Semenou
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
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