"Ich bleib' dann mal daheim" (Teil 110)
Halloween – Der kopflose Reiter von Blumenthal
- Gasthaus Blumenthal
- Foto: Dr. Hubert Raab
- hochgeladen von Joachim Meyer
„Wie lange es her ist, weiß niemand mehr genau. In Blumenthal in der Schlosstaverne war Tanz angesagt. Wenn irgendwo die Fiedel lockte und die Schalmei quickte, dann trieb es die Liebsleut von weit her. In Sielenbach diente dazumal eine Magd, ein richtiges Mannsweib, groß und ungeschlacht und derb. Sie war nicht von hier. Schwarze Haare hatte sie und schlecht verstand man ihr Gewelsche. Man wusste nicht recht, woher sie war. Es saß ja damals vielerlei Volk in unserem Land. Dieses Mädel ging nun einschichtig nach Blumenthal zum Tanz. Es war froh und vergnügt. Alle drehten sich mit ihm, denn tanzen konnte es wie kein anderes Weib. Aber am Heimweg war es doch wieder allein. Es lag ihr auch nichts daran. Es fürchtete wohl weder Tod noch Teufel.
Wie es aber so durch den finstern Wald hinter Blumenthal die steile Straße nach Sielenbach anstieg, klapperte ihm ein Reiter entgegen, ein herrischer, das sah es im fahlen Mondlicht, mit weiten Pluderhosen und geschlitztem Wams. Und nur wenige Meter vor ihm zog er sein Barett mit der langen Straußenfeder, warf es ihm zu und rief: „Da Schöne! Reich mir die Kappe aufs Ross! Soll dein Schaden nicht sein.“
Aber wenn das Mädel auch gewollt, so hätte es doch nicht gekonnt. Der Reiter hatte keinen Kopf, und davon war es derart erschrocken, dass es stand, als ob es aus Stein wäre. Der Reiter aber gab dem Ross die Sporen und jagte in den Wald. Am Morgen erst kam die Magd nach Hause und nie mehr ging sie allein des Wegs.“
Der Deutsche Orden, der das Gut Peinried erworben und ihm den Namen Blumenthal gegeben hatte, erhielt 1405 von Herzog Stephan III. das Recht „ein offen Tafern in dem Hofe zu Pluementhall“ betreiben zu dürfen. Der Orden hatte als Wirt einer Tafernwirtschaft nicht nur das öffentliche Schank- bzw. Krugrecht inne, sondern auch das Herbergsrecht. Er durfte sämtliche Festmähler wie Hochzeitsmähler ausrichten und hatte das Braurecht und die Backgerechtigkeit. Das heutige Schloss Blumenthal mit Schlosshotel, Gasthaus, solidarischer Landwirtschaft ist ein sozial-ökologisches Gemeinschaftsprojekt und kann auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken.
Wer keine Angst vor dem kopflosen Reiter hat, kann die Wanderung im Blumenthaler Forst wagen. Etwa 70 m nach dem Blumenthaler Westtor nehmen wir den nach rechts führenden Weg immer geradeaus durch das Blumenthaler Holz. Vorbei an einer großen Sandgrube wenden wir uns nach einer Gabelung nach links. Wir überqueren die Verbindungsstraße Gallenbach-Blumenthal und wandern nach links in Richtung Osten weiter bis zu einem Windrad, wo wir links zur Verbindungsstraße hinuntergehen. Wir kommen an zwei Weihern vorbei, die einen wertvollen Lebensraum für Frösche, Molche, Libellen und Wasservögel bilden. Der Rückweg erfolgt von hier an den vielen Ziegen vorbei, die seit 2021 in Blumenthal gehalten werden.
Mehr Infos: Gabriele und Hubert Raab, Sonntagswandern im Wittelsbacher Land, 2024.
Weglänge: ca. 5,3 km
Text: Gabriele und Dr. Hubert Raab
Fotos und Grafik: Dr. Hubert Raab
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
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