"Ich bleib' dann mal daheim" (Folge 106, Teil 1)
Friedberger Stadtteile kennenlernen: Hügelshart
- Ausgrabung bei der vorgeschichtlichen Siedlung 1989
- Foto: Dr. Hubert Raab
- hochgeladen von Joachim Meyer
Hügelshart liegt ca. drei Kilometer südöstlich von Friedberg. Wenn man auf der Staatsstraße 2051 von Friedberg nach Hügelshart fährt, kommt man zuerst durch einen jüngeren Teil des Ortes, der auf einem langgestreckten nach Südosten abfallenden Hügel liegt. Hier befand sich einmal das Areal der Ziegelei. Früher wurde westlich der Straße Material abgebaut, ab etwa 1900 östlich der Straße. 40 m tiefer breitet sich der Altort aus, der ursprünglich neben der Kirche St. Nikolaus östlich einer Furt oder einer Brücke über die Paar an der wichtigen Salz- oder Weinstraße von München nach Augsburg angesiedelt war. Der ursprünglich sehr kleine, aber nicht unbedeutende Ort kann eine lange Geschichte aufweisen.
Vor- und frühgeschichtliche Siedlungsspuren
Vor- und frühgeschichtliche Funde befinden sich etwas abseits des Altortes, weisen aber auf Siedlungen der Bronze- und Latènezeit und der römischen Kaiserzeit hin. Wissenschaftliche Ausgrabungen in den Jahren 1989 – 1992 auf einer Anhöhe über der Paar und östlich der Sandgrube Baur ergaben Siedlungsbefunde der Bronze- und Latènezeit sowie der römischen Kaiserzeit. Besonders interessant waren Grubenhäuser und Vorratsgruben. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Funde im Bereich der Kirche St. Nikolaus lassen auf eine kontinuierliche Besiedelung schließen. (Georg Paula, Christian Bollacher, Denkmäler in Bayern, Landkreis Aichach-Friedberg, S. 269)
Erste Nennung und erste Namen
Um 1100 werden bei einer Besitzübertragung in Oberumbach (Gemeinde Pfaffenhofen an der Glonn) mehrere Zeugen namentlich genannt, unter ihnen Adalhoch et frater eius Herimannus de Hugelingeshart. (Traditionen des Klosters St. Ulrich und Afra in Augsburg Nr. 8 bei Müntefering) Dies stellt die erste urkundliche Nennung von Hügelshart dar.
Damit ist seit 926 Jahren nicht nur die Ortschaft Hügelshart schriftlich als Wald (hart) des Hugelin, eines „Sohn des Hugo“ genannt, sondern wir kennen auch zwei der damaligen Ortsadeligen mit Namen: Adalhoch, ein alter deutscher Vorname, und sein Bruder Herimannus. Wir kennen auch weitere Namen des Ortsadels. Um 1130 tritt mit „Heinricus de Hugelineshart“ erneut ein Zeuge des Klosters auf und 1146 übergibt „Goteboldus“ in „Hugelineshart“ ein „predium“ an das Kloster und im selben Jahr ist „Arnolt de Hugelineshart“ wiederum Zeuge von St. Ulrich und Afra.
Im 2. Herzogsurbar von ca. 1280 gingen Abgaben von Huglinshart an das Amt Wittelsbach.
Das Dorf an der Salz- oder Weinstraße
Über Jahrhunderte bestimmten die den Ort durchziehende Salz- oder Weinstraße, das Flüsschen Paar und die großen Lehmvorkommen bei Hügelshart die Wirtschaft. So war in Hügelshart bis ins beginnende 19. Jahrhundert ein „Salzburger Fuhrmann“ ansässig, der vier Pferde auf der Salzstraße einsetzte. Auch Anton Steichele schreibt 1841: „Hügelshart, W[eiler]., 11 H[äuser]. (darunter 5 Bauernhöfe), 91 S[eelen]., ¼ St. nördl., an der Parr, über welche hier die Augsburg-Münchener Landstrasse schreitet.“
Die 5 großen Bauernhöfen (mit den alten Nummern) lagen unmittelbar an der Salzstraße:
Nr. 1 Roth (1/1-Hof 114 Tagwerk Gericht: FDB Amt Friedberg Grundherr: Stift St. Ulrich u. Afra Augsburg),
Nr. 2 Anderl (1/2-Hof 77 Tagwerk Gericht: Hofmark Blumenthal Grundherr: Hofmark Blumenthal),
Nr. 3 Niggl (1/2-Hof 79 Tagwerk Gericht: Hofmark Blumenthal Grundherr: Hofmark Blumenthal),
Nr. 4 Herger (1/1-Hof 98 Tagwerk Gericht: FDB Amt Friedberg Grundherr: Kloster Fürstenfeld) nur wenig entfernt an der Straße nach Ottmaring und
Nr. 7 Menter (1/1-Hof 245 Tagwerk Gericht: FDB Amt Friedberg Grundherr: Stift St. Ulrich u. Afra Augsburg) an der Paarschleife.
Die restlichen Häuser waren im Wesentlichen 1/32 Höfe. Sie wurden auch als Gemeine Sölde oder Leerhäusl bezeichnet und besaßen oft nur einen geringen oder sogar keinen Landbesitz.
Vom Abbau der Lehmvorkommen zeugt ein Ziegelstadel, den die Stadt Friedberg im Jahre 1602 eröffnete. 1642 wurde er an den Friedberger Brauer Michael Oswald verpachtet, dessen Brauerei danach den Namen Zieglerbrauerei erhielt. Die Hausnamen Nr. 10 Alter Ziegler (1/32 Hof Gericht Friedberg Amt Friedberg Grundherr Stadt Friedberg) und Nr. 11 Ziegler (1/32 Hof Gericht Friedberg Grundherr Stadt Friedberg) erinnern daran. Beide lagen weitab vom Ort westlich der Straße, wo auch der Materialabbau stattfand.
Die Wasserkraft der Paar, die von Süden nach Norden durch den Ort fließt, wurde zum Betrieb einer Sägemühle genutzt.
Text: Gabriele und Dr. Hubert Raab
Fotos: Dr. Hubert Raab
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
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