Wenn der Wind mein Gartenleben neu sortiert
Sturm, Windräder und ein Kater im Logenplatz
- hochgeladen von Hildegard Grygierek
Der Wind spinnt
Seit gestern pfeift er hier durch NRW und nervt. Gemeint ist nicht etwa dieses sanfte Lüftchen, das einem im Sommer die Haare bisken zerzaust - nein, dieser gehört zur eher ruppigen Sorte, die einem die Frisur neu sortiert und ganz nebenbei noch die Gartenstühle verrückt.
Während drüben, auf der gegenüberliegenden Seite, die Bäume erstaunlich standhaft wirken - ruhig, fast unbeeindruckt -, herrscht bei mir im Garten … tja, ich sag mal eine kreative Unordnung. Alles lebt, alles bewegt sich, alles tanzt. Sogar die zarten Blätter der Fliederbäume zittern im Takt des Windes. Da bin ich fast froh, dass die Blüten so tapfer durchhalten und sich nicht einfach von der nächsten Bö davontragen lassen.
Sogar der Gartenhocker hat sich auf den Weg gemacht und ist schließlich auf der Wiese gelandet - Sitzfläche nach oben, wie es sich gehört. Das muss man auch erst mal schaffen. Da kann der Sturm ruhig ein bisschen stolz auf sich sein.
Und als wäre das das Normalste der Welt, hat es sich mein Kater genau dort gemütlich gemacht. Mitten im Sturm. Auf seinem neuen Lieblingsplatz. Als hätte er den Hocker persönlich dorthin bestellt.
Ich hingegen bleibe heute lieber drinnen. So viel Wind um die Ohren brauche ich dann doch nicht.
Und mittendrin, in diesem lebendigen Durcheinander - mein Windrad, das ich so sehr mag. Es steht auf einem stabilen Ständer, ziemlich groß, und sieht aus wie eine Blume aus Kupfer. Zwei Seiten hat sie, die sich gegeneinander drehen - fast wie Blütenblätter, die beschlossen haben, dem Wind nicht nur nachzugeben, sondern mit ihm zu spielen.
Und was die da gerade veranstaltet, hat mit gemütlichem Drehen nichts mehr zu tun. Die dreht nicht - die lebt. Mal schneller, mal langsamer, immer im Dialog mit dem, was man nicht sehen kann.
Vom Küchenfenster aus betrachtet und für wunderschön befunden, stellt sich mir die Frage: Warum stellt man sich eigentlich so ein Windrad überhaupt hin?
Klar, sie sehen schön aus. Meins auf jeden Fall. Es hat etwas Beruhigendes, fast schon Meditatives, wenn es sich gleichmäßig dreht. Heute weniger meditativ, eher … energiegeladen. Aber trotzdem - auf irgendeine Weise bewegt es mich, wenn sie durchdreht .. komplett durchdreht.
Also habe ich mich schlau gemacht (man hat ja sonst nichts zu tun, wenn der Sturm einem die Tür quasi von außen zuhält.) Und siehe da - Windräder im Garten sind nicht nur Deko. Sie zeigen Windrichtung und -stärke an .. und manche sagen sogar, sie hätten etwas Symbolisches - Bewegung, Veränderung, Leben.
Früher waren die großen Windmühlen richtige Arbeitstiere. Sie haben Korn gemahlen, Wasser gepumpt - echte Kraftpakete. Und heute? Heute stehen die kleinen Verwandten in unseren Gärten und erinnern uns vielleicht daran, dass selbst unsichtbare Dinge wie Wind Wirkung haben.
Und während draußen alles wirbelt, dreht und flattert - und mein Kater seelenruhig auf seinem neu platzierten Thron sitzt vielmehr liegt -, sitze ich hier und warte, bis das Sturmtief vorüberzieht.
Bürgerreporter:in:Hildegard Grygierek aus Essen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.