Stadtgeschichte
Der Flecken in Freudenberg

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1. Ein Blitz machte den Alten Flecken praktisch erst möglich
Am 9. August 1666 schlug während eines heftigen Gewitters ein Blitz ein. Danach brannte der gesamte Flecken ab: Überliefert sind 71 Häuser und 25 Scheunen. Nur ein Gebäude soll verschont geblieben sein. Das Kuriose daran: Die Katastrophe von 1666 ist letztlich der Grund für das heutige berühmte Erscheinungsbild. Der Flecken wurde danach weitgehend nach den alten Grundrissen, aber als geschlossenes Fachwerkensemble wieder aufgebaut.

2. Das älteste Haus hat einfach „Pech gehabt“ und überlebt
Das Haus Kölner Straße 3 soll den Brand von 1666 als einziges Wohnhaus überstanden haben und gilt deshalb als ältestes Haus Freudenbergs. Während ringsum praktisch alles abbrannte, blieb ausgerechnet dieses Gebäude stehen. Das ist eine der schönsten Geschichten, wenn man durch den Flecken läuft: Das Haus ist nicht deshalb besonders alt, weil es nach dem Brand besonders schnell wieder aufgebaut wurde – sondern weil es den Brand überstanden hat.

3. Die Burg wurde kurzerhand zum Baumaterial
Nach dem Brand wurde die alte Burg nicht wieder aufgebaut. Stattdessen durften die Freudenberger die Steine der inzwischen militärisch nutzlosen Burgruine für den Wiederaufbau ihrer Häuser verwenden. Heißt vereinfacht: Ein Teil der alten Burg steckt möglicherweise heute noch in den Häusern des Alten Fleckens.

4. Freudenberg wurde einmal fast wegen einer Kriegskasse abgefackelt
Das ist vermutlich die skurrilste Geschichte:
1796 wurde in Freudenberg die französische Kriegskasse geraubt. Die französischen Truppen sollen daraufhin im Begriff gewesen sein, die Stadt niederzubrennen. Der Freudenberger Arzt Johann Wilhelm Weiland konnte sie jedoch davon überzeugen, es nicht zu tun. Man könnte also sagen: Ein Arzt hat möglicherweise den Alten Flecken gerettet und zwar mit Worten statt mit Wasser.

5. Noch kurioser: Wilhelm von Oranien war heimlich in Freudenberg
1586 soll es auf Schloss Freudenberg eine Geheimkonferenz gegeben haben, die mit dem niederländischen Freiheitskampf gegen Spanien zusammenhing. Die Stadt selbst bezeichnet dieses Treffen sogar als einen möglichen Auslöser für die weitere Entwicklung des Aufstands. Das ist natürlich eine ganz andere Größenordnung als die üblichen Fachwerkgeschichten: Europäische Politik wurde damals offenbar auch in einem kleinen Siegerländer Flecken betrieben.

6. Der „Flecken“ heißt tatsächlich Flecken
Das Wort klingt heute nach einem kleinen Fleck auf der Landkarte. Historisch war ein „Flecken“ aber eine Siedlung mit bestimmten städtischen Rechten. Der Freiheitsbrief von 1456 bezeichnet Freudenberg als „Flecken“, daher kommt der heutige Name Alter Flecken.

Bürgerreporter:in:

Thomas Ruszkowski aus Essen

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