Am Rand der Würste
Der einsame Baum
- hochgeladen von Thomas Ruszkowski
In der flimmernden Hitze der Wüste stand ein einzelner Baum, so verloren wie ein Gedanke, der nie zu Ende gedacht wurde. Sein Schatten war kaum mehr als ein dunkler Fleck auf dem endlosen Sand, doch für die wenigen Tiere, die sich hierher verirrten, war er ein kleines Wunder.
Der Baum erinnerte sich an Zeiten, in denen ein ganzer Hain um ihn herum rauschte. Damals hatte der Wind Geschichten zwischen den Blättern getragen, und die Sonne war ein sanfter Gast gewesen. Doch die Jahre hatten die Erde ausgedörrt, und einer nach dem anderen waren seine Gefährten verschwunden, bis nur er übrig blieb.
Eines Tages näherte sich ein Wanderer, erschöpft und staubbedeckt. Er sank unter den Baum, lehnte sich an den rauen Stamm und atmete tief durch. Der Baum spürte die Wärme des Menschen, und etwas in ihm regte sich – ein Gefühl, das er fast vergessen hatte: Bedeutung.
Der Wanderer blieb nur kurz, doch bevor er weiterzog, grub er eine kleine Mulde in den Sand und legte einen winzigen Samen hinein. „Für Gesellschaft“, murmelte er, als wüsste er, dass der Baum ihn verstehen konnte.
Als der Mann längst verschwunden war, fiel in der Nacht ein seltener Tropfen Regen vom Himmel. Er traf genau die Stelle, an der der Samen lag. Der Baum lauschte in die Stille und glaubte, ein kaum hörbares Knacken zu vernehmen – das erste Lebenszeichen eines neuen Begleiters.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlte sich der einsame Baum nicht mehr ganz so allein.
Bürgerreporter:in:Thomas Ruszkowski aus Essen |
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