Bergerhof (Hattingen)
Von frechen Spatzen und kessen Buchfinken
- hochgeladen von Bernd Dröse
Wer hat das nicht schon erlebt? Man sitzt gemütlich in einem Biergarten oder auf der Terrasse eines Restaurants oder Cafes- und dann erscheinen sie plötzlich wie aus dem Nichts und setzen sich buchstäblich mit an den Tisch, fordern im besten Fall ihren Tribut von dem Bestellten oder überfallen einen regelrecht, kümmern sich um alles, was einem von der Gabel fällt oder wagen sich bis zum Telller und stibitzen einem Nudeln, Pommes, Brezelkrümel oder anderes Essbares.
Nicht jeder kann darüber lächeln – besonders die Restaurantbesitzer sind sauer und fordern ihre Gäste manchmal auf, die kecken Vögel nicht noch zu füttern.
Seit mehr als 10 000 Jahren leben Haussperlinge mehr oder weniger eng mit Menschen zusammen und suchen aus unterschiedlichen Gründen deren Nähe. Als wir neulich in einem Cafe ein Stück Kuchen aßen, bekamen wir unverhofft Besuch von einem Spatzenpärchen, das sich exclusiv den Zugang zu dem gleichen Cafe verschafft hatte. Offensichtlich lebten die Beiden recht gut von den Krümelchen, die Gäste auf ihren Tellern hinterlassen hatten oder die vom Tisch gefallen waren. Gäste und Cafebetreiber werden die gefiederten Besucher wahrscheinlich unterschiedlich gerne sehen. Die Gäste amüsierten sich, genossen das Beobachten und fütterten sie sogar noch, während die Betreiber vermutlich die Hygiene in ihrem Gastbetrieb gefährdet sahen. Ja, Spatzen als Kulturfolger sind keck, clever, gesellig und anpassungsfähig.
Das Ganze erinnerte mich an verschiedene Begebenheiten mit Spatzen, die diesen z.T. weltweite Berühmtheit verschafften.
Vielen wird wahrscheinlich noch der "Domino day" in Erinnerung sein, den RTL 2005 aus den Messehallen des niederländischen Leuuwarden ausstrahlen wollte. Doch der geplante Weltrekord mit 23000 Steinen scheiterte daran, dass ein Spatz etwas gegen diesen Weltrekord hatte. Er war in die Halle eingedrungen und setzte die Kaskade der Dominosteine noch vor Ausstrahlung der Sendung in Bewegung. Da er nicht eingefangen werden konnte, wurde der Spatz letztlich erschossen . Er wurde ausgestopft in einem Rotterdamer Museum ausgestellt und erwies sich dort als Publikumsmagnet.
Mit weltweit 540 Millionen Brutpaaren sind sie die am weitesten verbreitete Wildvogelart. Doch ausgerechnet bei uns droht den Spatzen das Aus. Auch wenn sich die Bestände etwas erholt haben, stehen sie rwgional bereits auf der Vorwarnliste.
Versiegelung der Böden, Modernisierung der Gebäude, kurz geschorene Rasenflächen, bei denen die Gräser nicht mehr zur Samenreife kommen, Rückgang der Insektenpopulationen. die Nahrungskonkurrenz u.a. durch die Tauben und die Vogeljagd streunender Katzen sind dafür verantwortlich, dass es den Haussperlingen zunehmend schlechter geht. Was nützt es da, dass die Sperlinge als ursprüngliche Steppenbewohner gut auf die städtischen Gegebenheiten vorbereitet und sehr lernfähig sind?
Vorgärten, die mit Split und Steinen ausgelegt sind, Kunstrasen oder , glatte Fassaden, fehlende Fassadenbegrünung und Flachdächer seelenloser Betonbauten ohne Nischen und Einschlupflöcher - Spatzen sind prima Indikatoren, wenn etwas sich in die falsche Richtung entwickelt!
Deshalb kann ich mich der Forderung von Uwe Westphal und Christopher Schmidt nur anschließen, die in ihrem Buch fordern: "Mehr Platz für den Spatz!: Spatzen erleben, verstehen, schützen. Mit Bauanleitungen für Nisthilfen" . Wenn die tschilpenden Vögel unserer Jugend vor diesem Hintergrund ein paar Krümel abbekommen, die vom Tisch fallen, stört mich das nicht, so lange auch ich satt werde.
Auf dem Bergerhof in Hattingen, wo ich letzte Woche mein jüngstes Spatzenerlebnis hatte, mischten sich zu den Spatzen, die an den Tischen des Biergartens um ihren Obulus baten, etliche Buchfinken (s. erste 6 Bilder). Zwar kamen sie nicht, wie die Haussperlinge, mit auf den Tisch, lauerten aber auf dem Boden auf die "Gaben" amüsierter Besucher. Auch sie ein Hinweis darauf, wie schnell Vögel dazulernen und sich den Gegebenheiten anpassen.
Bürgerreporter:in:Bernd Dröse aus Essen |
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