So kommen bunte Blätter zustande
Das Geheimnis der Herbstfärbung
- Beim Abtransport der Blattfarbstoffe durch die Blattadern kann man unter dem Mikroskop sogar zuschauen.
- hochgeladen von Bernd Dröse
Wo kommen plötzlich all die wunderschön warmen Gelb-, Orange- und Rottöne her, die uns den Herbst so verzaubern?
Antwort: Sie waren fast das ganze Jahr über da. Wir haben sie nur nicht gesehen.
Aber der Reihe nach. Natürlich erscheinen uns die meisten Blätter im Frühjahr und Sommer grün. Das Grün stammt vom Blattgrün (Chlorophyll) , das das Licht des grünwelligen Bereichs aus dem Liichtspektrum reflektiert. Den Rot- und Blaubereich absorbiert das Chlorophyll , um die darin steckende Lichtenergie für die Fotosynthese zu nutzen. Dieses Chlorophyll überdeckt den größten Teil des Jahres jedoch noch andere gelbe und orange Blattfarbstoffe, die andere Wellenlängen des Lichtspektrums auffangen können, um deren Energie ans Chlorophyll weiterzuleiten. Rote Blattfarbstoffe, die Anthocyane , schützen das Blatt das Jahr über vor Lichtstress (UV) und anderen Schäden.
Jetzt, im Herbst, wo die Tage kürzer werden, und nicht mehr so lichtintensiv sind, bereiten die meisten Pflanzen sich auf den Winter vor, indem sie sich entweder ganz zurückziehen oder zumindest ihre Blätter abwerfen. Würden sie das nicht tun, würden die Gefäße der Bäume wie eine Wasserleitung im Haus beim Gefrieren des Wassers platzen oder die Bäume, die noch Blätter tragen, würden leichter bei Herbststürmen oder später unter der Schnee- und Eislast zusammenbrechen.
Vor dem Blattabwurf wird das lebenswichtige Blattgrün in seine Bestandteile zerlegt und über die Blattadern in den Stamm und die Wurzeln transportiert, um dort für das nächste Jahr gespeichert zu werden. Diesen Abtransport kann man zur Zeit sogar beobachten, denn die Nährstoffe und Chlorophyllbestandteile des Blattes werden in den Blattadern und Blattstielen zwischengelagert. Ist das Blattgrün abgezogen, kommen die anderen Farbstoffe zur Geltung. Zum Beispiel die gelb-orangenen Carotinoide oder die roten Anthocyane. Diese geben dann den Blättern ihre typischen Herbstfarben. Irgendwann schlägt jedoch auch ihre Stunde und die abgeworfenen Blätter erscheinen nur noch in einem schmutzigen Braunton.
Allerdings gilt das nicht für jede Baumart im gleichen Maße. Erlen werfen zum Beispiel ihre noch sattgrünen Blätter ab. Sie können es sich leisten, jedes Jahr neues Blattgrün zu bilden, da sie auf nährstoffreichen Böden wachsen. Auch Eschen und Holunder verhalten sich ähnlich und tragen dadurch nichts zur Herbstfärbung der Wälder bei. Die Eiche ist dagegen ein "Sparfuchs" und zerlegt am Ende auch die Carotinoide und Anthozyane, so dass nur braune Blätter abgeworfen werden.
Ich hoffe, dass ich den Blättern durch diese etwas nüchternen Erklärungen der Herbstfärbung nicht zu viel von ihrem Zauber genommen habe. Stellt man sich jedoch vor, wie genial der Jahreskreislauf der Bäume organisiert ist, grenzt das für mich selbst bei allen Erklärungsversuchen an ein Wunder.
Wüßt ich genau,
wie dieses Blatt
aus einem Zweige herauskam
schwieg ich
auf ewige Zeit still:
denn ich wüßte genug.
(Hugo von Hoffmannsthal)
Bürgerreporter:in:Bernd Dröse aus Essen |
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