Jens Spahn geht - aber die Fragen bleiben
Meine Gedanken zu Spahn, seinem Amt und dem Rückzug
- hochgeladen von Hildegard Grygierek
Eines möchte ich vorweg sagen: Ich will hier nicht einfach das wiederholen, was gerade überall herumgereicht wird. Die Schlagzeilen kennen wir inzwischen alle. Mir geht es eher darum, was bei mir persönlich hängen geblieben ist, wenn ich an Jens Spahn und seine politische Zeit zurückdenke.
Jens Spahn war immer ein Politiker, der polarisiert hat. Die einen sahen in ihm einen ehrgeizigen Macher, der früh Verantwortung übernehmen wollte. Andere hatten eher das Gefühl, dass zwischen großer politischer Bühne und dem Alltag vieler Menschen manchmal eine ziemlich große Lücke lag.
Bei mir blieb oft die Frage: Passt diese Rolle wirklich zu ihm? Politik besteht nicht nur aus Kameras, Auftritten und markigen Aussagen.Am Ende geht es um Vertrauen - und das ist schneller verspielt, als viele Politiker glauben.
Natürlich wird jetzt vor allem über seine private Entscheidung gesprochen, mit seinem Mann durch eine Leihmutterschaft in den USA eine Familie zu gründen. Das ist ein sehr persönliches Thema. Aber gerade bei einem Politiker in einem Spitzenamt kommt eben immer auch die öffentliche Rolle dazu. Genau diese Spannung hat die Debatte auslöst.
Und dann ist da noch die Corona-Zeit, die viele Menschen bis heute mit Jens Spahn verbinden. Die Diskussionen rund um Masken, Beschaffung, Verträge und die hohen Kosten haben Spuren hinterlassen. Es ging um sehr viel Geld .. und viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich bis heute, ob in dieser Zeit wirklich alles so gelaufen ist, wie es hätte laufen müssen.
Natürlich war es eine außergewöhnliche Krise. Entscheidungen mussten schnell getroffen werden. Aber wenn es um Steuergelder in Milliardenhöhe geht, darf man auch im Nachhinein Fragen stellen.
Vielleicht ist genau das der Punkt. Ein Politiker wird nicht nur an einem Ereignis gemessen, sondern an vielen Entscheidungen über Jahre hinweg.
Nun zieht Jens Spahn sich aus seinem Spitzenamt zurück. Familie sei das Wichtigste - und das kann jeder Mensch verstehen. Am Ende des Tages bleibt auch hinter einem politischen Amt ein Mensch. Ein kleines Schmunzeln sei trotzdem erlaubt: Die Politik ist manchmal ein seltsames Geschäft. Erst steht man jahrelang im Rampenlicht und erklärt anderen die großen Herausforderungen des Lebens - und irgendwann stellt das eigene Leben plötzlich die schwierigste Aufgabe.
Ob man seinen Rückzug als konsequenten Schritt, als notwendige Konsequenz oder einfach als neuen Lebensabschnitt sieht, muss jeder für sich entscheiden.
Eines zeigt dieser Fall aber wieder - in der Politik zählt nicht nur, was man sagt, sondern auch, was die Menschen am Ende daraus mitnehmen. Und darüber darf man diskutieren - ganz ohne Bundestagsdebatte, manchmal auch einfach am Stammtisch.
Bürgerreporter:in:Hildegard Grygierek aus Essen |
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