Brücken
Ütterlingser Eisenbahnbrücke
- hochgeladen von Thomas Ruszkowski
Die Ütterlingser Eisenbahnbrücke liegt im Werdohler Ortsteil Ütterlingsen und führt die Ruhr-Sieg-Eisenbahnstrecke über die Lenne. Sie ist Teil der historischen Verbindung zwischen Hagen, dem Ruhrgebiet und Siegen beziehungsweise dem Siegerland.
Die Strecke wurde im 19. Jahrhundert von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft gebaut, um das Ruhrgebiet mit dem wirtschaftlich bedeutenden Eisen- und Erzrevier des Siegerlandes zu verbinden. Der Abschnitt über Werdohl wurde 1861 eröffnet. Bei der Brücke bestehen allerdings unterschiedliche Angaben zum Baujahr. Während manche heutige Quellen 1863–1865 nennen, sprechen historische Unterlagen und neuere Untersuchungen dafür, dass die ursprüngliche Brücke bereits etwa 1859–1861 im Zusammenhang mit der Streckeneröffnung entstand.
Die Brücke ist ungefähr 84 Meter lang, neun Meter breit und zehn Meter hoch. Sie besteht aus massivem Natursteinmauerwerk und besitzt vier große Gewölbebögen. Die Konstruktion ist typisch für die frühen Eisenbahnbauten des 19. Jahrhunderts. Historische Darstellungen weisen außerdem auf eine frühere beziehungsweise ursprüngliche Eisenkonstruktion hin, sodass die heutige massive Ausführung wahrscheinlich auf spätere bauliche Veränderungen zurückgeht.
Die Brücke entstand in einer Zeit, in der der Eisenbahnbau eine entscheidende Voraussetzung für die Industrialisierung des Sauerlandes war. Das enge Lennetal stellte die Eisenbahningenieure vor erhebliche Herausforderungen. Flüsse und Seitentäler mussten überbrückt, Geländeeinschnitte hergestellt und Tunnel gebaut werden. Die Ütterlingser Brücke ist eines dieser frühen großen Ingenieurbauwerke.
Für Werdohl hatte der Bahnanschluss eine besonders große wirtschaftliche Bedeutung. Die örtliche Eisen- und Metallindustrie konnte Rohstoffe wie Kohle und Erz wesentlich einfacher beziehen und ihre Erzeugnisse überregional transportieren. Die Eisenbahn beschleunigte dadurch die industrielle Entwicklung der Stadt und des gesamten Lennetals.
Ursprünglich wurde die Ruhr-Sieg-Strecke eingleisig gebaut. Mit der zunehmenden Bedeutung der Strecke und dem steigenden Verkehrsaufkommen erfolgte später der Ausbau auf zwei Gleise. Gleichzeitig stiegen durch schwerere Lokomotiven und Züge die Anforderungen an die historischen Brücken.
Das Ütterlingser Viadukt steht seit 1988 unter Denkmalschutz. Sein Wert liegt sowohl in seiner historischen Konstruktion als auch in seiner Bedeutung für die Verkehrs-, Industrie- und Technikgeschichte Südwestfalens.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde wiederholt über den baulichen Zustand und die Zukunft des Bauwerks diskutiert. Zeitweise wurde auch ein Abriss mit anschließendem Ersatzneubau erwogen. Heimatpfleger und andere Akteure setzten sich für den Erhalt des historischen Bauwerks ein. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll die Brücke erhalten und saniert werden. Für die Instandsetzung ist nach aktuellen Angaben das Jahr 2031 vorgesehen.
Damit ist die Ütterlingser Eisenbahnbrücke heute ein rund 165 Jahre altes Zeugnis der frühen deutschen Eisenbahngeschichte. Sie verbindet die Geschichte des Eisenbahnbaus unmittelbar mit der Industrialisierung Werdohls und des gesamten Lennetals.
Bürgerreporter:in:Thomas Ruszkowski aus Essen |
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