Ballett-Premiere in Essen: "Ptah VI"
Tanz in allen Facetten
- Der Ballett-Abend "Ptah VI", der nun im Essener Grillo-Theater Premiere feierte, umfasst Choreografien von Kieren Bofinger, Samantha Grammer, Dale Rhodes, Yanelis Rodriguez, Julia Schalitz, Harry Simmons, Mariya Tyurina und Igor Volkovskyy.
- Foto: Leszek Januszewski
- hochgeladen von Frank Blum
Mit einem äußerst abwechslungsreichen Tanzabend präsentieren sich acht Tänzerinnen und Tänzer des Essener Aalto-Balletts mit ihren Choreografien. "Ptah VI" ist auf der Bühne des Grillo-Theaters angesagt - und die neun Stücke könnten unterschiedlicher nicht sein.
"Ptah" ist der Name des ägyptischen Gottes der Schöpfung. Unter seiner Schirmherrschaft steht die sechste Ausgabe der Reihe, die Mitgliedern der Compagnie einmal mehr die Chance gibt, eigene Kreationen auf die Bühne zu bringen.
Allein das Stück "For You" von Mariya Tyurina, wunderbar getanzt von Samantha Kate Grammer und David Mcmillan Mikkelsen, lohnt einen Besuch einer Vorstellung. "Ich liebe klassische Musik, besonders Klaviermusik. Als ich im Auto saß und eine Playlist hörte, vernahm ich diese Melodie (Armin van Buuren "Longing") - und sofort entstand in meinem Kopf die Idee eines Duetts", verrät die Choreografin.
Doch auch die beiden Choreografien von Igor Volkovskyy ("Khooee" und"Tuesday") sind besonders gelungen und haben starke Szenen zu bieten.
Wer auf etwas kosmischen Tanz-Klamauk steht, der wird vom Stück "A new hope" von Dale Rhodes begeistert sein. "Star Wars" mal etwas anders interpretiert...
Der Auftakt des Abends beginnt jedoch dramatisch und quälend - "A light play" von Kieren Bofinger nimmt satte 30 Minuten des Tanzabends mit 2 Stunden 20 Minuten Dauer (eine Pause) ein und ist schwere Kost: Krieg wird in vier Perspektiven tänzerisch thematisiert. Für meinen Geschmack - ungewöhnlich auch für das Genre Ballett - mit zu viel Text, zumal auch noch in englischer Sprache ohne Übertitel. Vermutlich tauglich für einen Kunstpreis, aber vielleicht nicht unbedingt fürs tanzbegeisterte Publikum.
Aufwändig inszeniert ist das Werk von Julia Schalitz - mit Lichtdesign und ausgefallenen Kostümen. Es geht in der Choreografie "From red to blue", in der fünf Tänzerinnen zu erleben sind, ums Thema Freiheit. Eine durchdachtes und sehenswert getanztes Stück zugleich.
"Meine Choreografie ist vom Universum inspiriert", sagt William Emilio C. Hechavarría. "Qiankun" heißt es und wird ganz spektakulär von Sena Shirae und Dale Rhodes getanzt.
Und dann gibt's auch noch die Hommage "I(sland)" von Samantha Kate Grammer an ihre Heimat und das Stück "Silent Violence" von Harry Simmons, bei der es um Gewalt in Beziehungen geht.
Unterm Strich ergeben die neun Werke einen abendfüllenden Tanzabend, der an vielen Stellen unkonventionell ist und einen kleinen Eindruck davon vermittelt, wie - vielleicht - die Zukunft der Sparte Ballett ausschauen könnte.
Die nächste Aufführung: 12. Juli
Die nächste Premiere: "Die Wildente" von Henrik Ibsen, Regie: Selen Kara, am 19. September im Grillo-Theater
Bürgerreporter:in:Frank Blum aus Essen |
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