Theater-Premiere in Essen: "Die Wildente"
Gelungener Spielzeit-Auftakt
- Das Theaterstück "Die Wildente" von Henrik Ibsen ist als Inszenierung von Regisseurin Selen Kara als erste Premiere in der neuen Spielzeit des Grillo-Theaters zu erleben. Szenenfoto mit Mathias Znidarec (Hjalmar Ekdal), Katharina Bogdanova Petrova (Hedvig), Sabine Osthoff (Gina Ekdal), Christopher Heisler (Gregers Werle).
- Foto: Nils Heck
- hochgeladen von Frank Blum
Das Schauspiel Essen ist mit reichlich Applaus für "Die Wildente" von Henrik Ibsen in die neue Saison gestartet. Regisseurin Selen Kara, zugleich Intendantin am Grillo-Theater, hat das gefiederte Werk des norwegischen Dramatikers und Lyrikers unter ihre Fittiche genommen. Das Ergebnis ist ein tiefgründiger und zugleich unterhaltsamer Theater-Abend, der alle Facetten der Bühnenkunst nutzt und stimmiger nicht sein könnte.
Henrik Ibsens Schauspiel wurde 1885 am Theater Den Nationale Scene in Bergen erstmals aufgeführt und im Laufe der Jahre auch mehrfach verfilmt, zum Beispiel bereits 1925 als deutscher Stummfilm "Das Haus der Lüge". Auch seine weiteren Hauptwerke sind Klassiker auf den Bühnen, wie "Peer Gynt" (2025 am Grillo-Theater inszeniert) oder "Hedda Gabler" (2023 am Staatstheater Darmstadt inszeniert mit Trixi Strobel in der Hauptrolle, die von 2020 bis 2023 als Ensemble-Mitglied des Schauspiel Essen das Publikum begeisterte).
In "Die Wildente" erzählt Ibsen von Menschen und ihre Lebenslügen - weil die Wahrheit für sie nicht erträglich wäre. Nach und nach werden die Lügen seiner Figuren enttarnt und mit ihnen die bürgerlichen Konstrukte der Gesellschaft.
Zugegeben: keine leichte Kost. Doch Selen Kara gelingt es, diese charmant zu servieren. Nicht mit erhobenem Zeigefinger und schon gar nicht ohne die richtige Prise Humor. Dazu hat sie die Crème de la Crème ihres Schauspiel-Ensembles gewinnen können. In den Hauptrollen begeistern Christopher Heisler (Gregers Werle), Jan Pröhl (Großhändler Werle), Ines Krug (Frau Sørby), Mathias Znidarec (Hjalmar Ekdal) und Mansur Ajang (Arzt Relling).
Sie alle dürfen sich in der ersten Premiere der Spielzeit 2026/27 in einem überaus gelungenen und kreativen Bühnenbild bewegen, für das Lydia Merkel verantwortlich zeichnet. Das i-Tüpfelchen der Inszenierung, die rund zwei Stunden 30 Minuten (inklusive einer Pause) dauert, sind dann noch die beiden Live-Musiker Volker Kamp und Jörg Siebenhaar unter der musikalischen Leitung von Torsten Kindermann.
Und darum geht's: Gregers Werle, kehrt nach Jahren in sein Elternhaus zurück. Lange hatte er keinen Kontakt zu seinem Vater, dem Großhändler Werle. Dort trifft er seinen Jugendfreund Hjalmar Ekdal wieder. Als er zu erkennen glaubt, sein alter Freund sei in ein Gespinst von Lügen verfangen, will er ihm die Augen öffnen. Doch mit der Wahrheit konfrontiert zerstört Gregers nicht nur das Leben Hjalmars, der so viel Idealismus nicht gewachsen ist, er zerstört auch das Leben der ganzen Familie Ekdal. Und die Wildente, die dem Stück ihren Namen gegeben hat? Sie lebt auf dem Dachboden der Familie Ekdal, ein angeschossenes und gerettetes Tier, ein Symbol für all jene, die verletzt wurden und nur überleben, weil sie sich in eine schützende Illusion zurückziehen.
Die nächsten Vorstellungen: 27. September; 7., 17, 18., 30. Oktober
Die nächste Premiere: "Stahlgipfel", Uraufführung von Frieda Lange, Joosten Ellée, Emil Borgeest und Cora Durmann, Koproduktion mit der Ruhrtriennale, am 25. September im Grillo-Theater
Bürgerreporter:in:Frank Blum aus Essen |
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