Theater-Premiere in Essen: "Faulender Mond"
Die große Sehnsucht
- Silvia Weiskopf (Sie / Big-Moon-Joker, rechts) und Floriane Kleinpaß (Antje / Kind) sind in der Essener ADA des Schauspiel Essen im Stück "Faulender Mond" von Anaïs Clerc zu erleben.
- Foto: Maximilian Borchardt
- hochgeladen von Frank Blum
Rundum gelungen und wunderbar gespielt ist die jüngste Produktion des Schauspiel Essen. "Faulender Mond" von Anaïs Clerc fand nun als Premiere in der ADA im Grillo-Theater statt. Auf der Bühne: Silvia Weiskopf und Floriane Kleinpaß.
Das Buch von Anaïs Clerc, Schweizerin und Hausautorin am Schauspiel Bern, ist zunächst einmal keine sonderlich leichte Kost. Aber dafür ungemein aktuell, spannend und hintergründig zugleich. Regie führte Viviane Prägant, seit der Spielzeit 2023 / 2024 als Regieassistentin am Schauspiel Essen tätig. "Faulender Mond" ist ihre erste Inszenierung in Essen und das Projekt ist hervorragend gelungen.
Im Stück geht es um die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung, finanzieller Sicherheit, Zugehörigkeit und Geborgenheit. Im Mittelpunkt: Zwei Frauen, die in einer Fleischfabrik arbeiten und trotz ihrer prekären Situation füreinander da sind. Beide haben ihre Vergangenheit und wenige Chancen. Die eine war Fahrkartenkontrolleurin, die ihren Job wegen Spielsucht verlor, die andere wollte eigentlich Schauspielerin werden. Die Fleischerei: die gemeinsame Zuflucht.
Rund 75 Minuten dauert die Aufführung in der ADA, die einmal mehr eine perfekte Bühne für ungewöhnliche Theater-Experimente wird. Temporeich und überzeugend spielen Silvia Weiskopf und Floriane Kleinpaß aus dem Essener Ensemble, schlüpfen rasant in ihre wechselnden Rollen und nehmen die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine ungewöhnliche Reise, in der der Mond ganz unterschiedliche und zentrale Rollen spielt.
Direkt aus dem Leben gegriffen ist der Stoff und das Publikum hat die Chance ganz nah dabei zu sein und einen spannenden und ganz besonderen Theater-Abend zu erleben.
Die Fleischerei selbst bleibt nicht der erhoffte sichere Ort - soviel kann schon einmal verraten werden. Und spätestens die Frage, wer eigentlich die Besitzer der Fleischerei sind, macht die Handlung - sehr dicht und vielschichtig erzählt - zu einem top-aktuellen Thema.
Ungewöhnlich und gelungen ist auch das Bühnenbild, für das Aliki Anagnostakis verantwortlich zeichnet. Die stimmigen Kostüme steuerte Şirin-Luisa Özdin bei.
"Faulender Mond" serviert Humor und Melancholie zugleich, zudem in der richtigen Dosis. Der Besuch einer Aufführung lohnt sich.
Die nächsten Vorstellungen: 6., 10., 22. Mai
Die nächste Premiere: Uraufführung "Maus, Geld, Gespenst" von Sunan Gu, Gewinnerstück "Volksbühnenpreis für Theaterliteratur", Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, am 7. Mai im Grillo-Theater
Bürgerreporter:in:Frank Blum aus Essen |
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