Eine fantasievolle Urlaubsgeschichte
Haus auf Stelzen

4Bilder

Ja - du siehst richtig. Ich bin kein gewöhnliches Haus. Schon als meine ersten Balken gesetzt wurden, wusste ich - meine Füße würden nie festen Boden berühren. Stattdessen tragen mich hohe Stelzen, tief im Sand verankert. Nein-nein - nicht aus Eitelkeit,  sondern aus Respekt vor dem Meer.

Das Meer ist ein wunderbarer Nachbar. Es schenkt Sonnenaufgänge, Muscheln, salzige Luft und dieses Rauschen, das die Sorgen in Schockstarre versetzt. Aber manchmal zeigt es auch seine wilde Seite. Dann kommen Sturmfluten, treiben die Wellen weit den Strand hinauf und erinnern alle daran, dass hier letztendlich die Natur das letzte Wort hat.

Darum stehe ich hoch über dem Sand. So kann das Wasser unter mir hindurchziehen, wenn es einmal wieder mehr Platz braucht. Ich habe gelernt, nicht gegen das Meer zu kämpfen - sondern ihm Raum zu lassen.

Und ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich in all den Jahren an unzähligen Urlaubsgeschichten gesammelt habe. 
Ich habe Kinder beobachtet, die am Morgen die größte Sandburg ihres Lebens bauten und am Abend stolz mit einer einzigen Muschel nach Hause gingen. Ich habe verliebte Paare gesehen, die auf meiner Veranda den Sonnenuntergang bestaunten und dabei Pläne für ihre gemeinsame Zukunft schmiedeten.

Ich erinnere mich an einen kleinen Jungen, der jeden Morgen mit einem Kescher loszog. Tagelang fing er nichts außer Seegras. Am letzten Urlaubstag entdeckte er schließlich einen winzigen Seestern. Er hielt ihn nur einen Augenblick in der Hand, lächelte übers ganze Gesicht und setzte ihn behutsam zurück ins Wasser. "Manchmal", hörte ich seine Mutter sagen, "ist das Schönste nicht das Behalten, sondern das Finden."

Auch Stürme habe ich erlebt. Nächte, in denen der Wind an meinen Wänden rüttelte und die Wellen unter meinen Stelzen schäumten. Doch jedes Mal kam danach wieder die Sonne hervor. Möwen kreisten über dem Strand, die ersten Spaziergänger zogen ihre Spuren in den Sand - und das Leben begann von Neuem.

Ich glaube, genau deshalb kommen die Menschen immer wieder hierher. Nicht nur wegen des Meeres. Sondern weil sie zwischen Himmel, Sand und Wellen für ein paar Tage vergessen, wie schnell die Zeit sonst vergeht.

Und wenn ihr das nächste Mal an mir vorbeilauft und euch fragt, warum ich auf Stelzen stehe, dann denkt daran - Ich stehe nicht über dem Meer. Ich stehe mit ihm. Und ich bewahre all die kleinen Urlaubsmomente, die der Wind längst weitererzählt hat.

Bürgerreporter:in:

Hildegard Grygierek aus Essen

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

71 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.