Unterwegs
Danzig

Danziger Goldwasser ist geradezu eine Fundgrube für skurrile Geschichten. Hier sind ein paar der kuriosesten Fakten rund um den berühmten Goldlikör:
Man trinkt tatsächlich Gold. Die Goldflocken sind echtes Blattgold, heute laut Hersteller 22-karätiges Gold. Es dient allerdings nur der Optik – Gold ist geschmacksneutral.
Das Zeug ist uralt. Die Geschichte beginnt mit dem niederländischen Einwanderer Ambrosius Vermöllen, der 1598 in Danzig die Likörfabrik „Der Lachs“ gründete. Der Hersteller datiert die Entstehung des Goldwassers selbst auf 1606.
Gold sollte einst angeblich heilen. In der Alchemie galt „trinkbares Gold“ (aurum potabile) als geradezu magische Substanz. Goldblättchen wurden in alkoholischen Flüssigkeiten verwendet, weil man sich davon gesundheitliche oder lebensverlängernde Wirkungen versprach.
Eine andere Theorie ist noch verrückter: Das Goldwasser könnte mit der traditionellen Vergoldungskunst Danzigs zusammenhängen. Vergolder arbeiteten mit hauchdünnem Blattgold und Alkohol, möglicherweise lieferte diese Technik die Inspiration für die Goldflocken im Likör.
Neptun soll schuld sein. Eine Danziger Legende erzählt, dass die Leute Münzen in einen Brunnen warfen. Der Meeresgott Neptun soll irgendwann genug davon gehabt und die Münzen mit seinem Dreizack in Gold verwandelt haben. Daher schwimme angeblich das Gold im Goldwasser. Das ist natürlich Folklore, aber eine ziemlich hübsche Erklärung.
Kaiser und Zaren mochten das Zeug. Nach Angaben des heutigen Herstellers gehörte Goldwasser zu den bevorzugten Likören von Peter dem Großen und Katharina der Großen.
Es war einmal ein echtes Danziger Produkt. Die Produktion blieb jahrhundertelang in Danzig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Herstellung zunächst in einer Berliner Niederlassung wieder aufgenommen; später kam die Marke zur Hardenberg-Wilthen AG.
Heute wird das Original nicht mehr in Danzig gebrannt. Die ursprüngliche Produktion in Polen wurde 2009 eingestellt; das Original wird inzwischen in Nörten-Hardenberg in Niedersachsen hergestellt, nach dem überlieferten Rezept.
Das Rezept ist geheim. Der Hersteller spricht von einer seit Generationen überlieferten, streng gehüteten Rezeptur. Bekannt sind aber verschiedene Kräuter und Gewürze wie Kardamom, Koriander, Zimt, Wacholder, Kümmel, Lavendel sowie Zitronen- und Pomeranzenschalen.
40 Prozent Alkohol und Gold dazu. Der klare, würzig-süße Likör hat 40 % vol. und verbindet damit ziemlich absurd wirkende Zutaten: hochprozentigen Alkohol, Kräuter und echtes Edelmetall.
Gold macht nicht betrunken. Das Gold ist chemisch weitgehend inert und wird vom Körper nicht wie viele andere Metalle aufgenommen. Die Goldflocken wandern im Wesentlichen einfach durch den Verdauungstrakt.
Früher war es offenbar ein Statussymbol. Gold im Getränk war natürlich eine ziemlich deutliche Demonstration von Wohlstand: Man konnte buchstäblich sagen, dass man Gold trinkt. Historisch passt das auch zur alchemistischen Vorstellung von Gold als besonders kostbarer Substanz.
Es gibt sogar einen eigenen Danziger Goldwasser-Kult. In Danzig existiert heute ein Restaurant namens Goldwasser direkt an der Mottlau, nahe dem Krantor, das die Tradition des Namens und des Likörs touristisch weiterführt.

Bürgerreporter:in:

Thomas Ruszkowski aus Essen

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